ZDF beschäftigt Fans: Das Twitter-Märchen vom Lerchenberg

Von Ole Reißmann

Zwei Kumpel registrieren sich den Twitter-Account @ZDFonline, schreiben über das Programm und antworten auf Zuschauerkritik. Mit dem Sender haben sie gar nichts zu tun, das ZDF ist aber schließlich so begeistert von ihrer Arbeit, dass die beiden ganz offiziell beauftragt werden.

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Verifiziertes Twitter-Konto: Diese Tweets sind hochoffiziell

Hamburg - Das ZDF sendet auch auf Twitter: Rund 45.000 Nutzer empfangen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk über den Kurznachrichtendienst - das Ergebnis einer ungewöhnlichen Kooperation. Betreut werden die Twitter-Kanäle ZDFonline und ZDFneo nicht von Redakteuren auf dem Lerchenberg, dem Sendezentrum des ZDF in der Nähe von Mainz, sondern von zwei jungen Männern in Schwäbisch Hall und Heilbronn. Im Namen des ZDF veröffentlichten sie Nachrichten und pflegten den Online-Dialog mit den Zuschauern, beantworteten Fragen zum Programm.

Anfangs taten sie das ohne Wissen und Auftrag des Senders. "Wir hatten einfach Lust, ein bisschen ZDF zu machen", sagt Michael Umlandt. Angefangen haben sie damit im Sommer 2009. Der 24-Jährige und sein Kollege Marco Bereth betreuen seitdem den ZDF-Twitterkanal neben ihren eigentlichen Jobs. Umlandt arbeitet bei einem Radiosender, der 25-jährige Bereth bei einem Online-Versandhandel.

So täuschend echt traten sie auf, dass der ebenfalls unbefugte Inhaber des Twitter-Kontos ZDFneo nach einer vermeintlich offiziellen Anfrage von dem Account ZDFonline das Passwort herausrückte. Seitdem bespielen Umlandt und Bereth auch den Twitter-Kanal des neuen Spartensenders. Im Juli 2009 wollte es das ZDF schließlich genauer wissen. "Wer twittert hier in unserem Namen?", fragt der Twitter-Nutzer ZDFsport. Zunächst halten die beiden diesen Account ebenfalls für eine Fälschung.

Vom Fan zum Mitarbeiter

Schließlich offenbaren sie sich dem ZDF doch, die Follower-Zahlen steigen immer weiter, sie wollen größeren Ärger unbedingt vermeiden. Ein Termin in der ZDF-Zentrale wird anberaumt - und die Reaktion des Senders fiel ungewöhnlich aus: Arbeitsverträge statt Abmahnung. "Die beiden haben einen klasse Job gemacht und so getwittert, wie wir es selber auch getan hätten", sagt Tina Kutscher, Leiterin der Zentralredaktion Neue Medien im ZDF. So einfach kann es manchmal gehen.

Um die Kontrolle über ihren Namen auf Twitter zu gelangen, vergeben Unternehmen und Persönlichkeiten sonst nicht gleich einen Job - sie drohen mit Anwälten oder schalten gleich Mitarbeiter von Twitter ein. Doch nichts dergleichen: Schon seit mehr als einem Jahr twittern die beiden nun offiziell für das ZDF, gegen Bezahlung. Erstmals haben Sie nun auf der re:publica einer größeren Öffentlichkeit ihre Geschichte erzählt.

Im Schnitt 60 Mitteilungen schicken sie pro Tag ab, größtenteils wird von Hand getwittert. Die "Heute"-Nachrichten fließen allerdings automatisch in den Twitter-Strom ein. Die Zusammenarbeit mit dem ZDF findet vor allem in einer geschlossenen Facebook-Gruppe statt, in der sie die Fragen und das Feedback der ZDF-Zuschauer sammeln - die ZDF-Mitarbeiter melden sich dann zurück.

Selbst in der Nacht antworten die beiden noch auf Fragen und Kritik an ZDFonline. Während der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe schoben sie 18-Stunden-Schichten, sagt Umlandt. Mittlerweile melden sich die Redaktionen des ZDF auf per E-Mail, wenn es etwas interessantes auf Twitter zu vermelden gibt.

Eine märchenhafte Geschichte, bei der Umlandt und Bereth geholfen haben dürfte, dass sie sich nicht über das ZDF lustig gemacht haben, sondern im Namen des Senders wertvolle Öffentlichkeitsarbeit geleistet haben. Man sei ja auch Fan, sagt Umlandt, der mit fünf Fernsehsendern aufgewachsen ist und früh eine Vorliebe für das Zweite entwickelte. Von dem recht neuen Angebot ZDFneo sei er schlichtweg begeistert.

Wie das heißt, was sie da machen? "Twitter-Jockey", sagt Michael Umlandt. "Das klingt so schön neu und anders."

Mit Material von dpa

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  • Dienstag, 19.04.2011 – 17:17 Uhr
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