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Zeitraffer-Videos: Zehn Jahre in einer Minute und 25 Sekunden

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Es ist eine enorme Fleißarbeit mit beeindruckendem Ergebnis: jeden Tag ein Foto, über Wochen, Monate, Jahre. Zum Schluss wird ein Video daraus montiert. Das Leben von Natalie, Jonathan und Noah im Zeitraffer.

Auf dem ersten Foto liegt Natalies Kopf auf ihrer rechten Schulter, sie kann ihn nicht halten, ihre Muskeln sind noch zu schwach. Sie ist gerade erst auf die Welt gekommen. Auf dem letzten Foto lächelt Natalie in die Kamera, das dunkelbraune Haar hinten zusammengebunden, ein Mädchen von zehn Jahren.

Dazwischen liegen große und kleine Sprünge, die ersten Schritte, das erste Wort, der erste Schultag. Die ersten zehn Jahre eines Menschen füllen meist Stapel von Fotoalben, bei deren Durchsicht es "Achs" und "Ochs" hagelt: "Ach, wie klein sie damals war; och, wie süß sie hier ist."

Natalies Vater hat die ersten zehn Lebensjahre seiner Tochter zusammengefasst: in einer Minute und 25 Sekunden. Er hat jeden Tag ein Porträtfoto von Natalie gemacht und die Aufnahmen dann aneinandergereiht.

Drei Leben im Zeitraffer - klicken Sie auf die Namen, um den Film zu starten
Natalie: Von Null bis zehn Jahren
Jonathan Keller: Von 22 bis 30
Noah Kalina: Von 30 bis 36
Die so entstandene Slideshow stellte der Vater schon vor zwei Jahren auf YouTube. Französische und US-Medien haben es nun wiederentdeckt - und sind entzückt. Über drei Millionen Mal wurde das Video schon angesehen, aus den Kommentaren spricht Begeisterung, viele User fordern schon eine Fortsetzung: "Ich warte auf: Natalie im Zeitraffer - Zehn Jahre bis zur Hochzeit in 1 Minute 25 Sekunden", schreibt einer.

Dass es dazu kommt, ist unwahrscheinlich: Natalies Begeisterung für den täglichen Termin vor Papis Knipse nahm sichtbar ab mit den Jahren.

"Du sahst gut aus am Anfang, aber dann hässlich"

Auf YouTube finden sich einige Slideshows dieser Art. Der New Yorker Designer Jonathan Keller, geboren 1976, begann mit 22, sich jeden Tag zu fotografieren und hörte damit acht Jahre lang nicht mehr auf. Er selbst gibt auf seiner Internetseite an, er habe sich vor seinem Projekt eine ziemlich teure Kamera gekauft. Seine Freundin löcherte ihn, was er nun damit anfangen will. "Sie fragte sarkastisch, ob ich die Kamera nun jeden Tag benutzen werde", so Keller. "Ich sagte: 'Ja' - und entschloss, mich daran zu halten. So begann das Projekt."

Im Video macht Keller anders als Natalie immer dasselbe Gesicht: Neutral wie auf einem biometrischen Pass. Und sein Kopf ist immer exakt an derselben Position. Umso besser lässt sich beobachten, wie Kellers Haare wachsen, dann kurzgeschoren sind, dann wieder wachsen, bis sie die Schultern berühren. Sein Bart kommt und geht, die Brille wechselt alle Monate mal, manchmal fehlt sie ganz.

Über 2,5 Millionen Mal ist Kellers Video inzwischen angesehen worden, die Kommentatoren sind beeindruckt - zum Teil aber auch ein wenig erschüttert: So genau kann man den Zahn der Zeit selten beim Nagen beobachten. "Du sahst gut aus am Anfang, aber dann hässlich", schreibt einer. "Dieser Mann war superhübsch - bis er ein Obdachloser wurde", ein anderer.

Kellers Klickzahlen sind jedoch nichts gegen Kalinas: Der Fotograf Noah Kalina, 40 Jahre alt und wie Keller aus New York, machte von Januar 2000 bis Ende Juli 2006 Aufnahmen von sich. Die Slideshow, die er daraus produzierte, wurde mittlerweile rund 17,5 Millionen Mal angesehen.

Auch er bemühte sich, jeden Tag das gleich neutrale Gesicht aufzusetzen, allerdings vor wechselndem Hintergrund. Weil Keller sich immer in gleichem Abstand vor weißem Hintergrund fotografierte, vermuten User Schmu: Das ginge doch gar nicht, schließlich sei man über eine solch lange Zeit nicht jeden Tag zu Hause. Andere äußern Mitleid: "Durftest du nicht reisen?", fragt einer.

"Wie alt man geworden ist, sieht man an den Gesichtern derer, die man jung gekannt hat", schrieb Heinrich Böll. Natalie, Jonathan Keller und Noah Kalina können es an ihren eigenen Gesichtern ablesen.

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Faszinierend!
Beduine, 13.12.2010
Ein absolut geniales "Lebenswerk" ...
2. Wahnsinnsaufwand...
hank_rearden 13.12.2010
...keine Frage. Aber irgendwie beschleicht mich das Gefühl das der Beitrag von Hr.Kalina in Anlehnung an ein Zeitraffervideo eines gewissen Homer S. entstanden ist.
3. -Road to fokstugu-
the_flying_horse, 13.12.2010
Erinnert mich etwas an den "Film" -Road to fokstugu- von 2 Studenten; aus über 75000 Einzelbildern wärend einer Autofahrt quer (oder besser längs) durch Europa zusammengesetzt. Von Italien nach Norwegen in 45 Minuten...
4. ;)
PeteLustig, 13.12.2010
Zitat von hank_rearden...keine Frage. Aber irgendwie beschleicht mich das Gefühl das der Beitrag von Hr.Kalina in Anlehnung an ein Zeitraffervideo eines gewissen Homer S. entstanden ist.
http://www.youtube.com/watch?v=fmvFIq44WLs
5. Homer vs. Kalina
lemidi 13.12.2010
Zitat von hank_rearden...keine Frage. Aber irgendwie beschleicht mich das Gefühl das der Beitrag von Hr.Kalina in Anlehnung an ein Zeitraffervideo eines gewissen Homer S. entstanden ist.
Dazu würde ich mal kurz die Entstehungsdaten vergleichen. Einerseits Hr. S. (http://de.wikipedia.org/wiki/Vergiss-Marge-Nicht) und Hr. K. (http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=6B26asyGKDo) Eindeutige Geschichte... :-)
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