Seoul: Hacker attackieren südkoreanische Zeitung

Nordkorea unter Hack-Verdacht: Nach Drohungen gegen mehrere Medien des Nachbarlands ist nun tatsächlich die Website einer südkoreanischen Zeitung angegriffen worden. Auch das Redaktionssystem und Datenbanken seien betroffen. Die Polizei untersucht, ob Pjöngjang in den Angriff verwickelt ist.

Screenshot "JoongAng Ilbo": Hacker ersetzten die Startseite durch ein Katzenbild Zur Großansicht

Screenshot "JoongAng Ilbo": Hacker ersetzten die Startseite durch ein Katzenbild

Seoul - Die Zeitung "JoongAng Ilbo" berichtete am Montag, dass ihr Redaktionssystem bei der Attacke am Samstagabend zerstört und die Produktion damit unterbrochen worden sei. Zudem seien die Datenbanken für Artikel und Fotos verlorengegangen. Betroffen sei auch die zum selben Verlag gehörende Zeitung "Korea JoongAng", berichtete das englischsprachige Blatt weiter. Beide Zeitungen wollen demnach "neue Betriebssysteme installieren" und nutzen übergangsweise einen anderen Server.

Dem Bericht zufolge prüfen Ermittler nun, ob Nordkorea hinter dem Angriff stecken könnte. Das nordkoreanische Militär hatte den in Seoul ansässigen Medien Anfang des Monats mit Raketenangriffen gedroht, nachdem diese kritisch über eine Massenveranstaltung mit Kindern in Pjöngjang berichtet hatten. Nach südkoreanischen Angaben verfügt der Norden über eine Elite-Einheit von Hackern. Seoul wirft seinem Nachbarn vor, hinter Cyber-Angriffen auf Internetseiten der südkoreanischen Regierung und auf Finanzinstitutionen im Juli 2009 und im März 2011 zu stecken.

Der Angriff selbst sieht allerdings auf den ersten Blick eher nicht wie das Werk nordkoreanischer Elitehacker aus. Die Website der Zeitung wurde durch das Bild einer Katze ersetzt, die zu kichern und sich dabei die Pfote vor die Schnauze zu halten scheint, der Bildschirmhintergrund durch fallende grüne Symbole, wie man sie aus dem "Matrix"-Vorspann kennt. Der Seitentitel wurde in "Hacked by IsOne" verändert. Unter dem Katzenbild sind einige Zeilen Code platziert, die weitere Angriffe am 19. und 29. Juni anzukündigen scheinen.

Derartige Angriffe, bei denen eine Website durch ein Spottbild ersetzt wird, nennt man Defacement. Viele Hacker-Gruppen wollen mit solchen Verunzierungen lediglich ihre eigenen Fähigkeiten demonstrieren. In einem einschlägigen Defacement-Archiv, in dem solche Angriffe katalogisiert werden, taucht der "JoongAng Ibo"-Hack allerdings noch nicht auf. Ungewöhnlich ist außerdem, dass offenbar tatsächlich Schäden an den Datenbanken der Zeitungen entstanden sind.

Die Zeitung selbst - eine der größten in Südkorea - berichtet, der Angreifer habe seine Attacke begonnen, in dem er "eine ungewöhnliche Domain-Adresse" eingetippt habe. Die Adresse www.joongang.co.kr werde normalerweise "nur von Angestellten" benutzt. Nicht-Mitarbeiter des Unternehmens würden normalerweise automatisch zu www.joinsmsn.com umgeleitet. Diese Umleitung habe der Hacker jedoch offenbar ausgehebelt.

Die südkoreanischen Behörden nehmen den Angriff ernst. "Wir haben unsere Ermittler sofort zu 'JoongAng Ilbo' geschickt, um Beweise zu sichern", sagte der Chefermittler des Cyberterror-Reaktionszentrums der Polizei in Südkorea. Man habe "noch nie eine so starke Attacke gesehen". Der Ermittler kündigte an, man werde den Ursprung der Attacke ermitteln und "die notwendigen Maßnahmen ergreifen".

cis/AFP

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1. Das ist kein Defacement.
hauptsache_dagegen 11.06.2012
Sollte allerhöchstens so aussehen. Wer seine Skills demonstrieren will, beschränkt sich auf die üblichen Pwns - wozu denn auch bleibenden Schaden anrichten? Das will man nur, wenn es das eigentliche Ziel ist. Ganz offensichtlich will NK verhindern, dass der Angriff als von Staats wegen gelten kann. Dass die Tarnung Müll ist, ist zweitrangig: Es geht darum, dass SK keine offiziellen Schritte einleiten kann. Was mich zu folgender Frage führt: Waren die Opfer öffentlich-rechtliche Zeitungen?
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