Zensurversuch aus Russland Deutscher Serverbetreiber Hetzner entschuldigt sich

Auf russischen Druck hin drohte der deutsche Serverbetreiber Hetzner einer ukrainischen Nachrichtenseite mit der Abschaltung. Jetzt hat sich das Unternehmen bei "Glavcom" entschuldigt.

Ukrainische Soldaten (Symbolbild): Deutsches Unternehmen will nicht Handlanger russischer Medienzensur sein
DPA

Ukrainische Soldaten (Symbolbild): Deutsches Unternehmen will nicht Handlanger russischer Medienzensur sein


Der Chef deutschen Serverbetreibers Hetzner hat sich persönlich bei Viktor Shlinchak, dem Chefredakteur des ukrainischen Nachrichtenportals "Glavcom", entschuldigt. In einem Brief erklärte Martin Hetzner, seine Firma hätte "keinstenfalls" versucht, Zensur auf "Glavcom" auszuüben, da man die Pressefreiheit als ein weltweites Recht respektiere.

Das populäre ukrainische Nachrichtenportal "Glavcom" veröffentlichte in der vergangenen Woche einen Artikel mit der Überschrift: "Ein Gruß an Putin - Sibirien will sich von Moskau abspalten". Darin ging es um eine Gruppierung, die sich, nur halb im Ernst, für "eine Föderalisierung Sibiriens" einsetzt. "Föderalisierung" ist ein Wort, auf das der Kreml momentan dünnhäutig reagiert, zumindest im Zusammenhang mit Russland. Denn unter dem Deckmantel der "Föderalisierung" kämpfen die prorussischen Aufständischen für eine Unabhängigkeit von der Ukraine.

Im "Glavcom"-Artikel aber steht sogar explizit, dass nicht die Abspaltung das Ziel der Demonstranten sei, sondern die Gründung "einer sibirischen Republik innerhalb der russischen Föderation".

Die meisten russischsprachigen Seiten, die über die geplante Demonstration berichtet hatten, wurden auf Aufforderung der russischen Medienaufsichtsbehörde "Roskomnadsor" blockiert, wenn sie sich weigerten, den beanstandeten Artikel von der Seite zu nehmen. Auch die russischsprachige Seite der BBC erhielt eine entsprechende Aufforderung der Behörde.

Gegen "Glavcom" war Roskomnadsor mit einem Brief an den deutschen Serverbetreiber Hetzner vorgegangen. Hetzner hatte "Glavcom" daraufhin aufgefordert, den Artikel zu löschen - andernfalls werde man die gesamte Seite vom Server nehmen. "Reporter ohne Grenzen" zeigte sich empört angesichts der Reaktion von Hetzner.

Die Entschuldigung kommt derweil zu spät. Shlinchak ist inzwischen mit dem kompletten Archiv der Seite aus Deutschland auf ukrainische Server umgezogen. Er hoffe, die Geschichte sei "eine Lehre für alle Serverbetreiber, die bereit sind, Internetmedien zu zensieren".

mga

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insgesamt 7 Beiträge
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Unicycle 12.08.2014
1. In der Tat zu spät
Wenn man sich erst nach negativer Presse entschuldigt hat das wohl ein Geschmäckle. Für mich ist der Name Hetzner damit erstnmal deutlich negativ belegt.
hemtech 12.08.2014
2. Ha ha, das kann passieren
wenn man Serverleistungen nicht im eigenen Land nutzt. Das sollte auch deutschen Anbietern eine Lehre sein, nur deutsche Server zu nutzen.
nofreemen 12.08.2014
3.
Pressefreiheit ist das Recht der Medien. Hat aber nichts gemein oder zu tun mit der Zensur durch gewählte Regierungen. Beide Seiten muss man respektieren sonst gehts nicht. In Deutschland wird relativ wenig in die Pressefreiheit eingegriffen. Warum? Weil die meisten Journalisten treu und aus Überzeugung auf Linie sind. Sonst würde es auch anderes aussehen. Ob diese Treue gut und berechtigt ist, ist wiederum eine andere Frage. Was auffällt ist jedoch die Kritik an allem was nicht "deutsch gefärbt" ist. Dies ist eben die deutsche Sicht der Pressefreiheit. Alles andere ist nicht akzeptabel. Schöne arme Freiheit.
anders_denker 13.08.2014
4. Und warum glaubt jemand
die Ukraine würde keine Propaganda verbreiten?
Benko 13.08.2014
5. Hetznerfrei
Und nie wieder Hetznerprodukte. Abstimmung mit dem Geldbeutel ist hier die einzige Lösung, auch wenn die Produkte teilweise nicht übel sind.
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