Stellenanzeige im Netz: Kriminalamt sucht qualifizierte Überwacher

Per Internetanzeige sucht das Zollkriminalamt neue Mitarbeiter: Besetzen will es zwei Stellen mit dem Schwerpunkt Quellen-TKÜ. Das Bundeskriminalamt hatte im September eine ähnliche Anzeige geschaltet.

Trojaner (Symbolbild): Umstrittene Methoden Zur Großansicht
picture alliance / dpa

Trojaner (Symbolbild): Umstrittene Methoden

Zum Aufgabengebiet der künftigen Kollegen zählt neben der technischen Beratung auch die "Planung, Betrieb und Optimierung eines modernen Telekommunikationsnetzes zur Telekommunikationsüberwachung." So steht es in einer Stellenanzeige, die auf der Online-Plattform Monster.de veröffentlicht wurde.

Von den Bewerbern erwartet das Kölner Zollkriminalamt (ZKA) unter anderem ein abgeschlossenes Fachhochschulstudium, "vorzugsweise der Informatik oder der Nachrichtentechnik", sowie möglichst drei Jahre Berufserfahrung und eine "methodische Vorgehensweise".

Die Quellentelekommunikationsüberwachung (Quellen-TKÜ) ist eine umstrittene Methode, Verdächtige abzuhören. Auf den Computern der Zielpersonen wird nach richterlicher Anordnung heimlich ein Programm installiert, das ihre Telekommunikation mitschneidet, etwa das Telefonieren mit Skype. Noch vor der Verschlüsselung leitet die Schnüffelsoftware die Daten an die Ermittlungsbehörde weiter.

Zwischen 2007 und März 2011 haben Ermittler des Zollkriminalamts oder der Zollfahndung die Quellen-TKÜ in 19 Fällen genutzt, die passende Software lieferte die Firma DigiTask. Kritiker stört an der Quellen-TKÜ vor allem, dass die Überwachung unmittelbar über den Rechner des Betroffenen läuft. Sie befürchten, dass es im Zuge dessen auch zu anderen Manipulationen am Computer kommen könnte.

BKA suchte wissenschaftlichen Mitarbeiter

Im September hatte bereits das Bundeskriminalamt (BKA) per Stellenanzeige einen wissenschaftlichen Mitarbeiter gesucht. Die Behörde brauchte einen Software-Designer "zur Konzeption und Entwicklung technischer Überwachungsmethoden bei Straftaten im Zusammenhang mit Computernetzwerken" - was sich leicht als Suche nach einem Trojaner-Entwickler interpretieren ließ. Die Anzeige erregte Aufsehen, wurde in sozialen Netzwerken und Blogs diskutiert. Auch internationale Medien berichteten, zum Beispiel das Magazin "Slate". Nach dem Ärger um den Einsatz des sogenannten Staatstrojaners im Herbst 2011 ist beim BKA ein Kompetenzzentrum zur Entwicklung staatlicher Spähsoftware aufgebaut worden.

Wer sich für einen solchen Job beim Zollkriminalamt interessiert, kann sich bis zum 28. November schriftlich bewerben. Die Stellen sind jeweils auf zwei Jahre befristet.

mbö

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    Markus Böhm schreibt von München aus am liebsten über Medien und die Menschen dahinter. Als "Kioskforscher" setzt er sich voller ungesunder Begeisterung bloggend mit Zeitschriften auseinander.

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