Zu Tode geprügelt Berüchtigter russischer Spammer ermordet

Spam nervt - und manche Menschen möglicherweise so sehr, dass sie deswegen töten: Einer der berüchtigtsten Spammer Russlands wurde am Sonntag ermordet aufgefunden. Spekulationen zufolge könnte die brutale Tat auf das Konto einer "Anti-Spam-Gang" gehen.


Todesdrohungen bekam der Millionen-Spammer Vardan Kushnir schon öfter. Wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtet, wurde der 35-Jährige am Sonntag in seiner Moskauer Wohnung aufgefunden - jemand hatte ihm brutal den Kopf eingeschlagen. Spekulationen zufolge könnte hinter dem heimtückischen Mord eine der russischen Anti-Spam-Gangs stecken.

Feinde hatte Vardan Kushnir genug. Der Russe armenischer Abstammung verfolgte als Leiter dreier englischer Sprachschulen höchst aggressive Methoden der Kundenwerbung. Arglose Mitmenschen belästigte er vor allem in den Jahren 2002 bis 2003 mit Spam und ließ jeden Tag Millionen an E-Mails verschicken. Unter anderem verfolgte er Internet-User bis in Foren, Weblogs und ICQ-Channels hinein mit Reklame.

Regelmäßig wurden seine Webseiten geschlossen, nachdem sich empörte User bei den Internet-Providern beschwert hatten. Andere Betroffene schlugen zurück und schalteten Sex-Anzeigen und Angebote mit Immobilienschnäppchen mit den Telefonnummern der Sprachschulen. Bei weiteren Aktionen versuchten User ihrerseits, die Kapazitäten der Schulen lahm zu legen: Tausende mailten zurück oder riefen gleich persönlich an, um sich ihrem Ärger Luft zu machen.

Mit seinen gefürchteten Spam-Praktiken rief Kushnir verständlicherweise auch die russische Netz-Szene und besonders die Hacker auf den Plan, die wiederholt seine Webseiten attackierten.

Im Mai erst hatte die Staatsanwaltschaft in Massachusetts bewirkt, dass 250 Domains der organisierten Russian Spam Gang (RSG) eines Russen mit amerikanischer Staatsbürgerschaft geschlossen wurden. In Russland selbst ist das Versenden von Spam bislang noch legal, ein Gesetzesentwurf befindet sich jedoch in Arbeit.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.