Zuckerbergs Pläne Warum Facebook immer mächtiger wird

Facebook wurde groß mit einer "ausgeprägten Hacker-Kultur" - so sagt es Gründer Zuckerberg. Diese Zeiten sind vorbei: Alles deutet darauf hin, dass die Geldmaschine jetzt erst richtig loslegt.

Eine Kolumne von

Facebook-Chef Zuckerberg: "Facebook ist nicht nur eine Sache"
REUTERS

Facebook-Chef Zuckerberg: "Facebook ist nicht nur eine Sache"


An dieser Stelle berichtet SPIEGEL-Korrespondent Thomas Schulz in einer wöchentlichen Kolumne aus dem Silicon Valley und blickt hinter die Kulissen der digitalen Revolution, die rund um die Welt Gesellschaft und Wirtschaft verändert.

Zum Autor
  • Sarah Girner
    Thomas Schulz ist USA-Korrespondent des SPIEGEL, zunächst vier Jahre in New York, jetzt in San Francisco. Fulbright-Stipendiat, Forschungssemester in Harvard. Erlebte Aufstieg und Fall der New Economy bei einem Frankfurter Internet-Start-up. Seit 2001 beim SPIEGEL. Ausgezeichnet mit dem Henri-Nannen-Preis, Holtzbrinck-Preis für Wirtschaftspublizistik, Reporter des Jahres.

Manchen gilt Facebook bereits als abgeschrieben. Aber der Konzern ist ambitionierter denn je. Mark Zuckerberg will einen Tech-Riesen nach dem Vorbild von Google schaffen und scheint dabei sogar seine Meinung zum Datenschutz zu ändern.

Es ist noch nicht lange her, da wurde ernsthaft daran gezweifelt, ob Facebook wirklich richtig viel Geld verdienen kann. Vielleicht, hieß es, seien soziale Netzwerke nur eine weitere Phase in der launischen Adoleszenz des Internets. Gerade hat das Unternehmen einen Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar verkündet - für die ersten drei Monate des Jahres. Der Gewinn hat sich fast verdreifacht, auf 642 Millionen Dollar.

Dann hieß es, Facebook habe die mobile Welt verpasst, sei auf Smartphones nicht ausreichend präsent. Inzwischen kommen 59 Prozent der Werbeumsätze aus dem mobilen Bereich.

Immer wieder wird vermeldet, dass Facebook seinen Zenit überschritten habe, vor allem bei Jugendlichen nicht mehr beliebt sei. 700 Millionen Menschen nutzen den Dienst jeden Tag.

Alles deutet darauf hin, dass Facebook eine Geldmaschine ist, die jetzt erst richtig loslegt.

Seit dem Börsengang vor knapp zwei Jahren hat der Konzern einen deutlichen Wandel durchlaufen. Es scheint, als sei das ganze Unternehmen fokussierter und konzentrierter. Mit einer sehr viel klareren Vorstellung, was es in Zukunft sein will: Nicht mehr bloß soziales Netzwerk, nicht nur Online-Plattform, egal wie groß. Sondern die führende Macht der mobilen Welt. Ein breit aufgestellter Tech-Gigant wie Google.

Flucht nach vorn

Diese neuen, größeren Ambitionen sind deutlich zu spüren, wenn man in diesen Tagen mit Entwicklern und Programmierern, Managern und Projektleitern des Konzerns spricht.

Vergangene Woche hat Facebook eine große Konferenz für Software-Entwickler in San Francisco abgehalten. In seiner Eröffnungsrede gab sich Mark Zuckerberg kontemplativ: Das Unternehmen sei zehn Jahre alt, er selbst werde jetzt 30. Zeit, über die Zukunft nachzudenken. Auch im Zwiegespräch mit uns Journalisten am Rande der Veranstaltung war Zuckerberg entspannt und nachdenklich. Die nervöse Energie, das Hibbelige und Hektische, das er in früheren Begegnungen stets an den Tag legte, ist fast verschwunden.

"Move fast and break things", so lautete bislang das Firmenmotto. Sei schnell, egal ob dabei auch mal was kaputt geht. Zuckerberg sagt, diese Zeiten seien vorbei, das Motto gelte ab sofort nicht mehr. Stattdessen brauche es nun Stabilität und Seriosität.

Der Konzern hat in den vergangenen Monaten im großen Stil Unternehmen gekauft, die als eigene Marken oder neue Geschäftsfelder parallel existieren sollen. Allen voran der Messaging-Dienst WhatsApp. Aber auch in virtuelle Realität, Gesundheits- und Fitnessanwendungen sowie Forschung zur künstlichen Intelligenz hat das Unternehmen zuletzt investiert. Die Konzernentwickler arbeiten vermehrt an neuen, eigenständigen Apps.

Zumindest teilweise ist die Offensive auch eine Flucht nach vorne. Getrieben von der Angst, zum nächsten Yahoo zu werden: zu langsam, zu selbstsicher und plötzlich irrelevant.

Zuckerberg sagt im Interview mit der "New York Times": "Facebook ist nicht nur eine Sache. Auf dem Desktop hat es Sinn gemacht, eine Website zu haben und verschiedene Formen des Teilens als Features zu integrieren. Aber in der mobilen Welt wollen die Leute etwas anderes."

Das Ziel ist es, Facebook zur zentralen Plattform der mobilen Welt zu machen. Dafür müssen längst nicht alle der Millionen von Apps über Facebook laufen. Sie sollen nur irgendwie an den Konzern gebunden sein. Über Werbung und Vermarktung. Über Daten und Informationen, die App und Facebook-Profil miteinander verknüpfen. Indem App-Entwickler Services und Software bei Facebook einkaufen.

Der Konzern verwendet deshalb sehr viel Energie darauf, sich als Partner für jeden Entwickler von Smartphone-Apps anzubiedern. Facebook bietet allerlei Instrumente und technische Unterstützung, um Apps nicht nur zu bauen, sondern auch zu vermarkten. Selbst wenn die Anwendungen mit dem sozialen Netzwerk sonst nichts zu tun haben.

Eintrittskarte in die mobile Welt

Eine wesentliche Rolle bei Zuckerbergs Plänen spielt die Anmeldung mit dem Facebook-Account bei anderen Online-Plattformen und Smartphone-Apps. Der Vorteil für die Nutzer: Sie müssen sich nicht für jede neu installierte App ein neues Profil anlegen und Passwörter merken. Immer mehr Anbieter lassen inzwischen solche "social Log-ins" zu. Facebook hat einen Marktanteil von fast 50 Prozent.

Zuckerberg sagt, ihm sei durchaus bewusst, dass viele Nutzer dabei gewisse "Vertrauensprobleme" hätten. Dass es die Angst gebe, ungewollt Daten und Informationen an Drittanbieter preiszugeben. Deshalb sollen Nutzer nun einschränken können, welche Daten aus ihrem Profil an Dritte weitergegeben werden.

Zudem stellte Zuckerberg eine anonyme Log-in-Funktion vor, mit der sich Nutzer auch unerkannt über ihren Facebook-Account bei anderen Apps anmelden können.

Das ist sicherlich noch kein Durchbruch im Datenschutzverständnis der US-Internetkonzerne. Aber es ist dennoch ein deutlicher Wandel für einen Mann, der noch vor einigen Jahren sagte, Datenschutz sei keine gesellschaftliche Norm mehr. Es lässt zumindest hoffen, dass ein 30-jähriger Zuckerberg vielleicht doch einen anderen Blick auf die Welt entwickelt. Dass Facebook auch an anderer Stelle seinen Nutzern wieder mehr Kontrolle über Informationen und Daten geben könnte, weil es sich für den Konzern am Ende auszahlt. Weil nur so die anvisierten zwei Milliarden Nutzer möglich werden.

Zuckerberg betont, das Unternehmen sei groß geworden mit einer "ausgeprägten Hacker-Kultur". Nun sei es an der Zeit, das zu ergänzen. Er sagt: "Wir wollen eine Firmenkultur schaffen, die darauf beruht, dass wir die Leute lieben, für die wir unsere Angebote bauen."

Aber die eigentliche Wette des Konzerns sieht so aus: Wenn Facebook quasi zur Eintrittskarte in die mobile Welt wird, wer kann es sich da leisten, seinen Account und all seine Daten zu löschen?

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 60 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
TICKundTOOF 03.05.2014
1. Braun!
Mobile Welt? Der soll mal seine neue Android App benutzen. Seit Tagen die mieseste App, die man sich vorstellen kann. Stream wild gemischt und immer veraltet. Unbenutzbar. Man muss sich nur die aktuellen Bewertungen im Play Store anschauen. Website wurde auch verschlimmbessert, zeigt weniger Stream und mehr Werbung, dazu ist die obere Leiste vom Layout einfach nur deplatziert. Zeit, die Farbe in kackbraun zu wechseln. Geht es so weiter dann kann man noch den Messenger nutzen - ein Profil bei Facebook braucht man dazu allerdings nicht und hat trotzdem Kontakt zu seinen "Freunden". Und die Hirngespinste eines sicherlich auf-Medikamenten-wenn-in-der-Öffentlichkeit-Zuckerbergs sind weit hergeholt. Google hat neben einem Sozialen Netzwerk auf dem absteigenden Ast eine weltdomierende Websuche, YouTube, ein komplettes mobiles Android Ökosystem (womit Facebook mit seinem Launcher ins Leere geschossen hat), etc...
grenoble 03.05.2014
2. Weder brauche...
Zitat von sysopREUTERSFacebook wurde groß mit einer "ausgeprägten Hacker-Kultur" - so sagt es Gründer Zuckerberg. Diese Zeiten sind vorbei: Alles deutet darauf hin, dass die Geldmaschine jetzt erst richtig loslegt. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/zuckerbergs-plaene-warum-facebook-immer-maechtiger-wird-a-967352.html
...ich einen Fratzenbuch, Twitter, instagram oder whatsapp Account noch besitze ich ein Smartphone mit Internetzugang. Ich lebe trotzdem, habe vielfältige soziale Kontakte und mir fehlt absolut garnichts, was mache ich falsch, das ich dem Zuckerzerg nicht auch ein paar euros in den Ar... blasen kann?
dani7830 03.05.2014
3. Facebook ist mächtig
weil die Nutzer nicht mehr ohne können. alle jammern über Datenschutz und ausspähen. auf Facebook findet man bei den Nutzern das ganze Leben. was sie gerade tun, wo sie sind, was die essen usw. man muss heute Freunden und Kollegen nicht mal mehr fragen was sie am Wochenende getan haben da reicht es nur auf Facebook zu schauen. die beste Kontrolle
sappelkopp 03.05.2014
4. Facebook,...
Zitat von sysopREUTERSFacebook wurde groß mit einer "ausgeprägten Hacker-Kultur" - so sagt es Gründer Zuckerberg. Diese Zeiten sind vorbei: Alles deutet darauf hin, dass die Geldmaschine jetzt erst richtig loslegt. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/zuckerbergs-plaene-warum-facebook-immer-maechtiger-wird-a-967352.html
...Google, Yahoo und Co sind allein deshalb abzulehnen, weil sie Daten verknüpfen und daraus ganze Profile erstellen können. Und so dumm möchte ich sein und mich bei Seiten - die unter Umständen auf mein Konto zugreifen können - über den Account einer Datenkrake anzumelden. Das kann gern die Generation 2.0 machen, die kennt das Wort privat sowieso nicht.
hasimen 03.05.2014
5. Wie arm ist das denn ?
Als "Eintrittskarte in die mobile Welt" habe ich meine Füße und meinen Verstand. Wie arm ist das denn, sich an der unterirdischen Prostitution im sg. Wäb x.0 produzieren und beteiligen zu müssen um angeblich Werte zu schaffen ? Es gibt auch ein Leben ohne Fratzenbuch und NSA Abhängigkeiten ... wer dessen nicht gewahr wird ist zu bedauern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.