Zugriff: Deutsche Fahnder fassen Phishing-Betrüger

Den deutschen Behörden ging eine Bande von Phishing-Betrügern ins Netz, die Internet-Nutzer per Trojaner und Banking-Betrug um mehrere hundertausend Euro gebracht haben sollen. Obwohl Deutschland als weltweite Hochburg des Phishing gilt, sind solche Zugriffe äußerst selten.

Wiesbaden - Der Polizei ist ein großer Schlag gegen eine international agierende Bande von Internet-Betrügern gelungen. Insgesamt zehn Personen wurden bei Durchsuchungen in Bad Homburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt und Elmshorn festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft Bonn und das Bundeskriminalamt (BKA) am Donnerstag mitteilten.

Acht der des sogenannten Phishing Verdächtigen sitzen bereits in Untersuchungshaft. Die mutmaßlichen Betrüger sollen Passwörter und Transaktionsnummern deutscher Bankkunden mit Hilfe von Trojanern ausgespäht und so Geldbeträge im dreistelligen Bereich von den Online-Konten gestohlen haben.

Phishing gehört seit Jahren zu den meistdiskutierten Betrugsmethoden im Internet, obwohl die dadurch entstehenden Schäden im Vergleich zu anderen Maschen bisher eher gering sind. Den immer wieder kursierenden Schadensschätzungen im Bereich mehrerer Millionen Euro im Jahr steht die Versicherung der Banken gegenüber, dass das Online-Banking sicher sei: Experten gehen deshalb davon aus, dass die meisten Schäden stillschweigend bezahlt und darum nicht öffentlich bekannt werden.

Phishing-Kriminalität: Deutschland ist Weltmeister

Darauf, dass sich das Geschäft mit dem Phishing aber lohnt, deutet schon die hohe Zahl von Phishing-Mails mit gefälschten Bank-, Kreditkarten-, eBay- oder Amazon-Abrechnungen und -Meldungen hin, die hierzulande in den Postfächern landen. Sieht man das Ausmaß derartiger Aktivitäten als Indiz für deren Erfolg, muss sich Phishing in Deutschland sogar ganz besonders lohnen.

Denn während man hierzulande gern über die östlichen Grenzen oder auf die USA blickt, wenn es um Cyberkriminalität, ist Deutschland in Sachen Phishing nicht nur Europa-, sondern Weltmeister. Laut dem letzten Security-Threat des IT-Sicherheitsunternehmens Symantec stehen 32 Prozent aller kriminellen Phishing-Server auf deutschem Boden. Über 20 Prozent der weltweit versandten Phishing-Betrugsmails kommen aus unserem Lande - in kaum einem anderen Bereich kann Deutschland in Sachen IT eine solche Spitzenposition verbuchen.

Ein seltenes Schlaglicht auf diese kriminelle Branche werfen nun die aktuellen Festnahmen. Die Gewinne der Betrügergruppe seien derart üppig gewesen, dass sich die Männer und Frauen im Alter von 20 bis 36 Jahren einen luxuriösen Lebensstil mit Reisen, Schmuck und teuren Autos leisten konnten. Den Schaden schätzt die Polizei auf mehrere hunderttausend Euro.

Eineinhalb Jahre Fahndungs-Arbeit

Zum Ausspähen der Kontodaten benutzte die Bande laut Staatsanwaltschaft speziell entwickelte Trojaner-Programme, die die Daten der Bankkunden abfingen. Verschickt wurden die Trojaner über E-Mails, die als wichtige Mitteilungen der Deutschen Telekom, des Internet-Aktionshauses eBay, der 1&1 Internet-AG, der GEZ und des BKA getarnt waren.

Auch über manipulierte Webseiten sollen die Betrüger per Drive-by-Infektion ihre Ausspäh-Programme auf fremden Rechnern eingeschleust haben, um mit den erbeuteten Daten das Geld von den Konten ihrer Opfer auf die Konten extra angeworbener Mittelsmänner zu überweisen. Über ein ausgeklügeltes System landete dieses Geld, abzüglich der Provision für die Mittelsmänner, wieder bei einer ausländischen Bank, wo sich die Betrüger frei bedienen konnten.

Die Bonner Staatsanwaltschaft und das BKA kamen den Tätern nach 18 Monaten Ermittlungsarbeit vor allem durch die enge Zusammenarbeit mit deutschen Banken auf die Schliche. Aufgrund ihres technisch hochversierten und arbeitsteiligen Vorgehens seien die Täter der international organisierten Kriminalität zuzurechnen, erklärte das BKA. "Dieser Fall zeigt einmal mehr: Kriminelle Organisationen nutzen verstärkt das Internet, um bei vermeintlich geringem Entdeckungsrisiko enorme Gewinne zu erzielen", sagte BKA-Chef Jörg Ziercke.

pat/AP

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