Zukunft der Medien Eine Welt ohne Presse

Zeitschriften sterben, US-Zeitungshäuser beerdigen Regionalblätter - und die Zielgruppe lässt das völlig kalt. Viele Leser halten das Modell Presse für überholt. Aber wie würde eine Welt ohne Journalismus klassischer Prägung aussehen? Ein Szenario.

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An dem Tag, als der Verlag Condé Nast sein deutsches Prestige-Magazin "Vanity Fair" einstellte, waren die Aktien der "New York Times" auf einem neuen Tiefstand. Ein Anteilsschein der renommiertesten Tageszeitung der Welt kostete am Mittwoch 13 Cents weniger als die Sonntagsausgabe des Blatts, die für vier US-Dollar verkauft wird. Die Anzeigeneinnahmen brechen weg, die Presse ist in einer Krise, die in den USA existenzbedrohende Ausmaße angenommen hat.

Journalismus 2009: "Halt für die Massen produziert"
CORBIS

Journalismus 2009: "Halt für die Massen produziert"

Der Tenor vieler Leserbriefe und -kommentare zu diesen Meldungen: Na und?

Wie schlecht das Ansehen der Presse ist, illustriert dieser Satz aus einer Leser-E-Mail zum Artikel " Zeitung als Shareware?": "Jetzt kommt die Quittung. Alles Alte verschwindet. Tageszeitungen gehören dazu wie fossile Autos. Einfach weg."

Bemerkenswert bei diesen Kommentaren ist, dass die Ablehnung sich nicht gegen spezielle Produkte oder Vertriebsformen richtet. Die leidige Print-Online-Debatte ist für die Leser gar nicht relevant - sie halten die traditionellen Medien insgesamt für überholt. Abfällig äußern sich Leser über "Mammutverlage", Produkte, die "halt für die Massen produziert" werden und Medienmacher, die sie für "abgehoben und arrogant" halten.

Einmal angenommen, es käme so. Einmal angenommen, die Massenpresse würde einfach verschwinden - wie könnte der Alltag in so einer Gesellschaft aussehen? Drei Gedanken zur Welt ohne Massenpresse.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
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Ilja 20.02.2009
1. Schöne Aussichten
Zitat von sysopZeitschriften sterben, US-Zeitungshäuser beerdigen Regionalblätter - und die Zielgruppe lässt das völlig kalt. Viele Leser halten das Modell Presse für überholt. Aber wie würde eine Welt ohne Journalismus klassischer Prägung aussehen? Ein Szenario. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,608592,00.html
Die Menschen würden nicht mehr systematisch verdummt. Es würde nicht mehr auf alles, was nicht "politisch korrekt" ist, eine journalistische Hexenjagd veranstaltet. Die Menschen hätte wieder die Chance, selbständig denken zu lernen und alternative Informationskanäle, wie zum Beispiel Blogs, oder Bürgervereine bekämen eine echte Chance. Kurz, eine sehr positive Aussicht, aber leider wird das nicht klappen, denn Journalisten leben nicht vom Leser oder Werbekunden alleine, sondern es gibt immer Geldgeber, die irgendeine Meinung verbreitet sehen wollen, und Journalisten, die sich dafür bezahlen lassen. Ilja
ayamo, 20.02.2009
2. Sehr richtig!
Zitat von IljaDie Menschen würden nicht mehr systematisch verdummt. Es würde nicht mehr auf alles, was nicht "politisch korrekt" ist, eine journalistische Hexenjagd veranstaltet. Die Menschen hätte wieder die Chance, selbständig denken zu lernen und alternative Informationskanäle, wie zum Beispiel Blogs, oder Bürgervereine bekämen eine echte Chance. Kurz, eine sehr positive Aussicht, aber leider wird das nicht klappen, denn Journalisten leben nicht vom Leser oder Werbekunden alleine, sondern es gibt immer Geldgeber, die irgendeine Meinung verbreitet sehen wollen, und Journalisten, die sich dafür bezahlen lassen. Ilja
Sehr richtig. Man hat doch erst kürzlich bei den Wahlen in den USA gesehen was passiert, wenn die Medien sich ohne Sinn und Verstand in einen Kandidaten verlieren und dabei ihre eigentliche Aufgabe kritische Basisinformationen zu liefern auf Grund deren man sich seine eigene Meinung bilden kann in den Wind schießen!
kaba06, 20.02.2009
3. Immer schön klein - klein
Zitat von IljaDie Menschen würden nicht mehr systematisch verdummt. Es würde nicht mehr auf alles, was nicht "politisch korrekt" ist, eine journalistische Hexenjagd veranstaltet. Die Menschen hätte wieder die Chance, selbständig denken zu lernen und alternative Informationskanäle, wie zum Beispiel Blogs, oder Bürgervereine bekämen eine echte Chance. Kurz, eine sehr positive Aussicht, aber leider wird das nicht klappen, denn Journalisten leben nicht vom Leser oder Werbekunden alleine, sondern es gibt immer Geldgeber, die irgendeine Meinung verbreitet sehen wollen, und Journalisten, die sich dafür bezahlen lassen. Ilja
Was soll denn an BLOGs besser sein? Oder an Bürgervereinen? Die Qualität der Information sicherlich nicht. Wenn ich mir anschaue, mit was für Informationen "Bürgerinitiativen" agieren, wie viel Märchenstunde dabei ist und was für fragwürdige Gesellen da als "Experten" verkauft werden, wird mir Angst und Bange. Und das schon bei relativ harmlosen Themen wie dem Bau einer Landebahn oder eines Kohlekraftwerkes (das übrigens neuerdings gerne in völliger Verkennung der Bedeutung des Wortes als "Kohlemeiler" bezeichnet wird). Übrigens, die Tatsache, dass die Presse diesen Begriff fröhlich und unreflektiert aufgreift, zeigt doch, dass der Einfluss sogenannter "Basisgruppen" schon absurd hoch ist. Und wie die Leute sich eine eigene Meinung über Außenpolitik bilden sollen, ohne eine kritische Presse, idealerweise auch eine Auslandspresse, steht in den Sternen. Nicht umsonst gibt es hunderte Länder in denen die Leute ihre Satelliten auf VOA, BBC, DW oder Al Dschasira einstellen, um sich eine Meinung zu bilden. Aber der deutsche Michel in seiner Borniertheit meint, mit BLOGs und Bürgervereinen könnte man etwas erreichen. An "journalistische Hexenjagden" in Deutschland kann ich mich ehrlich gesagt nicht wirklich erinnern. Aber heutzutage taugen offenbar Eva Herrmann oder "Bischof" Williamson manchem schon zum Märtyrer. Wer öffentlich auftritt und sich dann über die Öffentlichkeit beklagt ist im falschen Bus!
migg 20.02.2009
4. altes ist nicht immer schlecht
Massenpresse erfüllt wichtige Aufgaben wie der Bericht uns anhand einiger Beispiele zeigt. Dies ist auch meine Meinung. Ein nettes Beispiel ist auch die wichtigkeit der Presse vor Wahlen. Man stelle sich vor es gäbe keine Nachrichten zu den Programmen der einzelnen Parteien und Politiker. Wie würde sich das auf die Wahlbeteiligungen auswirken? Ich denke nicht gut. Und was dann? Das es auch "weniger qualitative Zeitungen" auf dem Markt gibt ist auch klar. Die aber muss man ja nicht lesen. Die freie Wahl ist dabei sehr wichtig. Aber auch diese verhelfen den Menschen nicht zur Verdummung. Die Qualität der Informationen aus Blogs ist sicherlich auch nicht besser und daher eine sinvolle Ergänzung zu der herkömmlichen Massenpresse aber definitiv keine Alternative.
Michael_WeCan 20.02.2009
5. Journalismus vom Staat bezahlen
Journalismus der bestimmte Kriterien nach Offenheit erfüllt, könnte, nein sollte vom Staat fianziert werden. Guter Journalismus spart letztlich Kosten, da er meist nicht involviert ist und frei(er) berichten kann. Als Staat würde ich diesen Kostenvorteil durch Verbesserung von neutraler Seite finanzieren, statt die vielen hochbezahlten Fachberater, die viel zu teuer sind.
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