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Zukunft der Nachrichten: Blogger müssen besser werden

Mehr Personal und mehr Qualität: Das fordern amerikanische Wissenschaftler von Bloggern. Durch Einsparungen in den klassischen Medienunternehmen ist eine ausreichende Nachrichtenversorgung in Gefahr - die Bürgerjournalisten im Internet seien bislang aber keine Alternative.

Nachrichten aus dem Internetcafé: Blogs sind noch kein Ersatz für etablierte Medien Zur Großansicht
DPA

Nachrichten aus dem Internetcafé: Blogs sind noch kein Ersatz für etablierte Medien

Selbst die 60 Top-Blogger der USA könnten nicht den Informationsengpass ausgleichen, der durch die Kürzungen im traditionellen Mediengeschäft entstanden sei. Das ist das Ergebnis einer Studie der amerikanischen University of Missouri: "Auch wenn viele der Blogs und Bürgerjournalismus-Seiten interessante und positive Dinge vollbracht haben, schaffen sie es nicht einmal annähernd, den Grad der Nachrichtenabdeckung zu erreichen, den sogar noch die finanziell bedrängten Nachrichtenmedien bieten", sagt Margaret Duffy, eine der beteiligten Wissenschaftlerinnen.

Das liege einerseits daran, dass den Blogs schlicht das Personal fehle, um Geschichten angemessen recherchieren zu können. Andererseits mangele es den meisten Betreibern auch an ausreichendem Kapital und einer angemessenen wirtschaftlichen Expertise, um ihre Angebote langfristig zu etablieren.

Es sei allerdings wichtig zu verstehen, wie Bürgerjournalismus und klassische Medien derzeit nebeneinander existieren. Künftig könnte es sein, dass die Blogger eine größere Verantwortung im Mediensystem übernehmen müssen. "Wenn Medienunternehmen zu weiteren Einschnitten gezwungen werden und nicht mehr in der Lage sind, die gleiche Informationsabdeckung für ihre Gemeinde zu liefern wie früher, wird der Bürgerjournalismus möglicherweise einspringen müssen", sagt Duffy. Bisher ist er laut Studie dazu nicht in der Lage. Aber genau deshalb sei es wichtig, diese Websites zu untersuchen. So könne man die Blogger darauf hinweisen, was sie tun müssen, um ihre Qualität weiter zu verbessern und langfristig zu überleben.

jmö

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
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1. ...
Shayla 09.07.2010
Stimmt, auch bei Bloggern gibt es natürlich sehr starke Qualitätsunterschiede. Deshalb sollte man da natürlich nicht alles für bare Münze nehmen, sondern auch selbst immer recherchieren. Nichtsdestotrotz: Blogger sind in der heutigen Zeit ein MUSS! Stellen Sie sich nur mal vor, wie die Nachrichten über den Iran heute aussähen, müsste man sich allein auf die internationalen Medien verlassen. Ein Armutszeugnis an Berichterstattung - von Recherche an vielen Stellen keine Spur. Gäbe es nicht die mutigen Blogger, die auch mal etwas tiefer im Fakten-Dreck wühlten, um die Menschen weltweit zu informieren, wüsste man heute über den Iran nur: Atombombe, Schleier, Ahmadinejad, Mullahs. Kaum eine Spur von dem, wie und was im Iran WIRKLICH vor sich geht. Da haben fast alle international anerkannten Medienerstatter versagt. Deshalb ein grosses DANKE an die iranischen und iraninteressieten Blogger, die mit so viel Zeit, Energie und vor allem unter eigenem Sicherheitsrisiko sich der Informationsweitergabe so hingegeben haben. Und was für den Iran gilt, das gilt sicherlich auch weltweit für viele andere Länder als auch Themen. Es ist nicht mehr wegzudenken. Wenn die Nachrichten weiterhin Bestand haben wollen, sollten sie in Zukunft sich unbedingt mehr mit dieser Materie betraut machen - so wie es CNN z. B. schon in der Vergangenheit recht häufig machte.
2. Auf Thema antworten
Marshmallowmann 09.07.2010
Zitat von ShaylaStimmt, auch bei Bloggern gibt es natürlich sehr starke Qualitätsunterschiede. Deshalb sollte man da natürlich nicht alles für bare Münze nehmen, sondern auch selbst immer recherchieren. Nichtsdestotrotz: Blogger sind in der heutigen Zeit ein MUSS! Stellen Sie sich nur mal vor, wie die Nachrichten über den Iran heute aussähen, müsste man sich allein auf die internationalen Medien verlassen. Ein Armutszeugnis an Berichterstattung - von Recherche an vielen Stellen keine Spur. Gäbe es nicht die mutigen Blogger, die auch mal etwas tiefer im Fakten-Dreck wühlten, um die Menschen weltweit zu informieren, wüsste man heute über den Iran nur: Atombombe, Schleier, Ahmadinejad, Mullahs. Kaum eine Spur von dem, wie und was im Iran WIRKLICH vor sich geht. Da haben fast alle international anerkannten Medienerstatter versagt. Deshalb ein grosses DANKE an die iranischen und iraninteressieten Blogger, die mit so viel Zeit, Energie und vor allem unter eigenem Sicherheitsrisiko sich der Informationsweitergabe so hingegeben haben. Und was für den Iran gilt, das gilt sicherlich auch weltweit für viele andere Länder als auch Themen. Es ist nicht mehr wegzudenken. Wenn die Nachrichten weiterhin Bestand haben wollen, sollten sie in Zukunft sich unbedingt mehr mit dieser Materie betraut machen - so wie es CNN z. B. schon in der Vergangenheit recht häufig machte.
Allein die ganzen Videos, da wäre einiges unterschlagen worden. Blogger müssen besser werden, trotzdem kein Grund für die anderen Medien so stark nachzulassen wie in den letzten Jahren.
3. Warum die Blogger?
Mort 09.07.2010
Das Problem sehe ich weniger bei den Bloggern als bei den "Qualitätsmedien", die immer mehr in Richtung Copy&Paste (umgeschriebene Agenturmeldungen, Pressemeldungen oder gar Blog-Beiträge) und Boulevard tendieren. Wann hat denn der Spiegel das letzte Mal richtig gut recherchiert 'ne mediale Bombe hochgehen lassen? Blogs können, wie andere interaktive Medien, z.B. Foren, eine gute Ergänzung sein - sei es als Ausgangspunkt für potentiell interessante Geschichten, als Informationsquelle bei Fachfragen (macher Amateur im Wortsinne kennt sich besser aus als "Fachidioten") oder als "5. Gewalt" (Überwacher der 4. Gewalt, z.B. Watchblogs). Aber eigentlich ist es nicht die Aufgabe von Blogs, professionellen Journalismus komplett zu ersetzen. Können sie oft auch gar nicht, denn welche kritisierte Person/Firma würde schon auf kritische Anfragen von Privatleuten reagieren? Was wir wirklich brauchen, sind nicht noch so engagierte unbezahlte Hobby-Blogger, die irgendwann an ihre Grenzen stoßen müssen, sondern eine Presse, die wieder echten Einsatz belohnt und dafür auch von den Lesern bezahlt wird. Nicht unterbezahlte Ticker-Umformulierer, die für Zeitschriften arbeiten, die über Umsatzeinbußen jammern, weil kaum ein Mensch noch auf Papier kauft was 1.000fach kostenlos im Internet steht. (Und nein, es hilft auch nicht, wenn die Zeitschrift für die ersten Zeilen ihrer umformulierten Tickermeldung noch Geld von Google und rechtlich korrekten Zitierenden sehen will.)
4. Fehleinschätzung
SOffiKi 09.07.2010
Zitat von sysopMehr Personal und mehr Qualität: Das fordern amerikanische Wissenschaftler von Bloggern. Durch Einsparungen in den klassischen Medienunternehmen ist eine ausreichende Nachrichtenversorgung in Gefahr - die Bürgerjournalisten im Internet seien bislang aber keine Alternative. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,705538,00.html
Kranke Shice - Hier gilt: Thema verfehlt. Das ist, als würde man von Schützenvereinen erwarten, endlich mehr Gebrauchspistole zu schiessen, da die Qualität der Polizei durch Einsparungen nicht länger hinnehmbar ist. Natürlich gibt es Blogs, die sich professionell auf ein Thema eingeschossen haben, gerade in der IT-Branche, aber die Forderung an sich ist doch absurd. Ein Blog ist per se erstmal nicht mehr als ein Online-Tagebuch einer Privatperson oder Organisation, einige versuchen sich fraglos als Hobby-Journalisten. Wenn aber meine Nachrichten aus Blogs besesr werden sollen, als aus der Presse (die ja in Teilbereichen nicht mehr ist als eine Sammlung von Fullquotes bekannter Blogs), dann machen wir den Bock zum Gärtner. Man kann sich sicher fragen, ob sich das Grevenbröicher Tageblatt(gibt es das eigentlich wirklich?) nicht auch als Lokalbeilage anderer Tageszeitung abbilden lässt. Im Grunde gibt es das schon, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Kieler Nachrichten und Co im Grunde das minimal umschreiben, was 1-2 Tage vorher durch den dpa-Ticker kam. Dann schreibt noch ein mäßiger Lokalreporter etwas über ein Sportfest und fertig ist eine "unabhängige" Tageszeitung. q.e.d. Ich würde nicht mal mehr von in Gefahr sprechen, sonndern schlicht "nicht gegeben". Richtig, weil Sie zunächst BÜRGER und nur ganz am Rande ein bisschen Journalisten sind. Wenn ich an meinen Privaten Blog den Anspruch hätte, die Fehler von Spiegel und Co auszugleichen, könnte ich ja bestenfalls einen Post pro Monat absetzen, da er für Privatiers oftmals nicht oder nur schwer möglich ist, an entsprechende Infos zu kommen. Wir können also dankbar sein, dass mal jemand aufschreit, wenn er eine Nadel in seinem Heuhaufen gefunden hat, von Bloggern zu erwarten, professionellen Journalismus zu betreiben, ist absurd. Da ja jetzt ohnehin jeder Geld für staatliche Medienbeschallung ausgeben muss, böte es sich doch an, auf Rosamunde Pilcher-Verfilmungen und "Wetten dass?" zu verzichten, die so viel Positives zum öffentlichen Meinungsbild beitragen können wie Fußpilz zum Badespaß - stattdessen könnte man JOURNALISMUS bezahlen. Der Begriff "Graswurzel-Journalismus" für die Blogging-Szene ist schon ganz zutreffend in einem Medien-Wald. Wenn wir nun erwarten wollen, dass aus Ihr ein neuer Wald entsteht, werden wir unseren Kindern Wiesen als Urwald verkaufen müssen.
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