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Zukunft des Fernsehens: Fünf Thesen für die YouTube-Jäger

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Der große Erfolg von YouTube beruht darauf, dass man dort so gut wie alles findet - egal, ob die nötigen Lizenzen vorliegen oder nicht. Jetzt aber soll es eng werden für den Marktführer: TV- und Filmindustrie machen YouTube Konkurrenz. Da bleibt nur eine Frage: Können die das überhaupt?

Man kann den großen Unterschied zwischen Video-Webseiten wie YouTube und den Web-Aktivitäten vieler Entertainmentfirmen folgendermaßen auf den Punkt bringen: YouTube ist cool, weil dort vieles unlizenziert und illegal ist; Industrie-Webseiten sind legal, aber sie sind absolut nicht cool.

"GoogTube": Für die TV-Szene einerseits Objekt der Begierde, andererseits Beelzebub
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Das ist nicht neu. Ähnliches ließ sich Ende der Neunziger über die ersten P2P-Börsen und die kommerziellen Antworten darauf sagen. Wiederholt sich Geschichte, dann müsste es Viacom und Co. in den nächsten Monaten gelingen, YouTube mit Milliardenforderungen in den Stillstand zu klagen, während die Industrie in ihrem Versuch, der frustrierten YouTube-Nutzerschaft legale Alternativen zu bieten, ein paar Totgeburten hervorbringt.

Die erste und größte müsste dann das in der letzten Woche mit viel Tamtam angekündigte, offiziell bisher namenlose NBC-Videoportal sein. Allein bei Google/YouTube hat diese Konkurrenz schon einen Namen: "Clown Co." soll das Gemeinschaftsunternehmen von NBC, News Corp., AOL und Microsoft dort heißen.

Der Spott ist verständlich - momentan ist YouTube Marktführer, die Etablierten hecheln hinterher. Allein, es droht der Konflikt mit dem Copyright - Napster und KaZaA können da als Lehrstück dienen. Dass der sehr liberale Umgang mit dem Urheberrecht auch bei YouTube nicht ewig gut gehen wird, wusste auch Google, als es die Firma im Herbst letzten Jahres für die Sensationssumme von 1,65 Milliarden Dollar kaufte. Eine Kriegskasse für Copyright-Klagen in Höhe von 200 Millionen Dollar wurde auf die Seite gelegt, parallel begannen Verhandlungen mit TV- und Filmwelt. Doch viel mehr als kleinere Aktionen und Kooperationen bekam "GooTube" bisher nicht hin.

Stattdessen riss einigen Branchengrößen der Geduldsfaden. Erst gab es Ultimaten, Inhalte aus YouTube zu entfernen. Als das nicht in befriedigender Geschwindigkeit und hinreichend gründlich geschah, ließ Viacom eine Milliardenklage folgen - das Klima wird eisig.

Dabei wünscht sich die Industrie durchaus Plattformen wie YouTube - insbesondere die großen Filmverleihe und TV-Netzwerke. NBC prescht nun vor und versucht, selbst eine auf die Beine zu stellen - in einem Mischkonzept aus eigener, YouTube-ähnlicher Plattform und als Dienstleister für die Lizenzierung von Inhalten an andere Video-Dienste.

Das klingt teils vielversprechend, teils unsinnig. Immer deutlicher wird doch absehbar, wie die verschiedenen Facetten der unmittelbaren Web-TV-Zukunft aussehen werden, wo dort Chancen für die etablierten TV-Sendenetze liegen - und wo nicht.

Das Fernsehen als programmausstrahlendes, den Zeitrahmen des Konsums vorschreibendes Event ist ein Auslaufmodell. Wer bezweifelt, dass die Zukunft "on demand" heißt? Das allein ist aber auch kein Ersatz für die Leistungen des Fernsehens, was zur ersten These führt:

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Forum - Wie sieht das Fernsehen der Zukunft aus?
insgesamt 150 Beiträge
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1.
Reziprozität 08.01.2007
---Zitat von sysop--- Das Fernsehen in den nächsten Jahrzehnten: Noch mehr Trash, Billig-Entertainment und Spiele? Oder zurück zu den Wurzeln, mit News, Dokumentationen und Information? Wie wird sich das Fernsehen entwickeln? ---Zitatende--- Flach, ziemlich flach... Sowohl hardware- als auch programmtechnisch....
2. Flachsinn
Kritischer Leser, 08.01.2007
---Zitat von Reziprozität--- Flach, ziemlich flach... Sowohl hardware- als auch programmtechnisch.... ---Zitatende--- Ich fürchte, das könnte stimmen. Aber es gibt ja immerhin DVD, Videokassetten und entsprechende Abspielgeräte und mancherorts auch noch Kinos. Nachrichten bekommt man auch im Radio oder aus der Zeitung. Oder man zahlt halt monatlich für einen gebührenpflichtigen Privatsender. Nicht ganz billig. Aber dafür bleiben einem dann auch Werbeblöcke oder gar Sendungsunterbrechungen weitgehend erspart. Zumindest in Frankreich. Nur: wacht man mal nächtens auf und findet den Schlaf so schnell nicht wieder, pfeift man eigentlich auch auf irgendein neuseeländisches Golfturnier. Ein Film wäre da irgendwie schon interessanter. Allerdings: mit Golf, zumal passiv, schläft man garantiert schnell ein. Vielleicht sollte ich mir mal einen Zweitfernseher fürs Schlafzimmer zulegen. Gesünder und effizienter als Schlaftabletten allemal. Und bequemer und erholsamer als der Schlaf auf dem Sofa.
3. mehr Pluralismus
SaT 08.01.2007
---Zitat von sysop--- Wie wird sich das Fernsehen entwickeln? ---Zitatende--- Es wird interaktiver werden und mit dem Internet eine Einheit bilden. Jeder kann dann mit relativ geringem Aufwand einen Fernsehkanal betreiben. Meine Hoffnung: das Monopol der jetzigen privaten und staatlichen Sender wird gebrochen. Zu einem Ereignis gibt es dann endlich mehrere Ansichten und auch aus heute vergessene Regionen wird berichtet. Natürlich besteht auch die Gefahr das Gerüchte in Umlauf kommen, das ist aber heute auch nicht anders. Es gibt dann aber wenigstens eine Interessantgruppe die Lügen als solche entlarven wollen und sich auch Gehör verschaffen können. Es gibt wohl einige die eine solche Entwicklung zu mehr Pluralismus mit allen Mitteln verhindern wollen.
4. Future TV
WaR52 08.01.2007
Flach, ziemlich flach... nein, fernsehen der Zukunft wird affengeil..... weil es das fersehen von heute nicht mehr gibt. die sendeanstalten werden in der bedeutungslosigkeit verschwunden sein. in jedem wohnzimmer steht ein terminal, von dem ich mir über internet, kabel, sat oder stromkreis einen anbieter aussuche, der das bietet was ich will. einschränkend sei zu sagen, das nonprofit organisationen auch dann nicht viel zu bieten haben werden, aber immerhin ein angebot stellen werden, damit die global player einen gegenpart haben. leider liegt der schwarze peter nicht nur bei den sendern. es muß sich niemand big brother ansehen, aber millionen sehen sich den schwachsinn an... was wollen wir also???
5.
Besquare, 08.01.2007
---Zitat von Reziprozität--- Flach, ziemlich flach... Sowohl hardware- als auch programmtechnisch.... ---Zitatende--- falsch! Bern das Brot ist Nachrichtensprecher und SpongeBob macht das Wetter, leider werden alle sagen, aber der mit der Klampfe macht die Börsen news, geht den Menschen eh nicht mehr drum was zu erfahren, sie wollen abgelenkt bleiben. tata
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