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Zukunft von Wikipedia Lustverlust in der Lexikon-Maschine

Wikipedia: "Das Klima wird feindseliger"Zur Großansicht
dpa

Wikipedia: "Das Klima wird feindseliger"

3. Teil: "Wir sind längst das wichtigste Nachschlagewerk"

Debora Weber-Wulff zieht die zweite Alternative vor, den fröhlichen Wildwuchs: Jeder schreibt rein, was er will. Der Rest regelt sich schon - wenn nicht, gibt es Schlimmeres. "Um unseren Rang müssen wir uns ja keine Sorgen mehr machen", sagt sie. "Wir sind längst das wichtigste Nachschlagewerk." Das Ziel, nun auch noch zur letzten Instanz des Wissens zu werden, hält sie für schädlicher, weil gar nicht zu erreichen. "Wir sind nicht die letzte, wir sind die erste Instanz. Bei uns holt man sich die schnelle Information, den ersten Überblick, die Anregung zum Weitersuchen."

Aus dieser Sicht wäre die Wikipedia keine Autorität, sondern eher eine globale Anlaufstelle für Ratsuchende aller Art, ein Katalog der interessanten Fakten. Da würde es kaum stören, wenn jeder Verein vertreten wäre; und auch der Gebietsrepräsentant einer Limonadenfirma könnte eine Ecke für einen Aufsatz über sein Wirken zugedacht bekommen. Wer nicht direkt nach den "Firefox Linedancers Leipzig e.V.", "Hans Göde-Stradelin" oder gar "Arschgesicht" sucht, wird davon nie etwas bemerken geschweige denn Schaden nehmen.

In diesem Modell würde einfach die Nutzergemeinschaft entscheiden, was wichtig und pflegenswert ist. Vielbesuchte Beiträge unterliegen ja ohnehin einer aufmerksamen Kontrolle; sie werden immer wieder umgearbeitet, bis sich eine Art Konsens einpegelt. Herr Göde-Stradelin hingegen kann sich einstweilen ungehindert ausbreiten in seinem Nirwana - bis er etwas tut, das ihm die Aufmerksamkeit einiger Leser einbringt. Dann wird auch sein Artikel Teil des unendlichen Ringens um den besten Kompromiss.

Weber-Wulff würde, um einen Anfang zu machen, mit Freuden einige Freiwillige Feuerwehren aus dem Lübecker Raum beisteuern, wo sie sich auskennt. "Die haben oft tolle Geschichten", sagt sie. "Und für so ein Dorf sind sie doch der Mittelpunkt des sozialen Lebens".

Bisher allerdings sind laut Relevanzkatalog nur Berufsfeuerwehren geduldet.


Hinweis der Redaktion: Wikipedia-Artikel sind im Rahmen einer Kooperation auch auf SPIEGEL-ONLINE-Seiten eingebunden.

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insgesamt 223 Beiträge
IsArenas 30.11.2009
Das wird im Konsens nach ebenfalls im Konsens gefundenen Kriterien entschieden. Die so genannten "Pfeiler" von Wikipedia unterliegen ja wie alle anderen Wiki-Einträge auch der ständigen Überarbeitung, im Ergebnis ist [...]
Zitat von sysopGibt es im Online-Lexikon zu viele Beiträge zu irrelevanten Themen? Oder sollte jedes Thema Zugang haben? Wer soll über Relevanz entscheiden?
Das wird im Konsens nach ebenfalls im Konsens gefundenen Kriterien entschieden. Die so genannten "Pfeiler" von Wikipedia unterliegen ja wie alle anderen Wiki-Einträge auch der ständigen Überarbeitung, im Ergebnis ist es demnach nie so ganz klar, was nun relevant ist und was nicht, und das sollte meiner Meinung nach auch so bleiben.
takeo_ischi 30.11.2009
Ja. Ja. Niemand. Es gibt zwar m.M.n. sehr viele Beiträge zu irrelevanten Themen. Diese scheinen aber nach Meinung von anderen Leuten durchaus Relevanz zu besitzen (sonst würden sie ja nicht erstellt). Dürfen also in unserer [...]
Zitat von sysopGibt es im Online-Lexikon zu viele Beiträge zu irrelevanten Themen? Oder sollte jedes Thema Zugang haben? Wer soll über Relevanz entscheiden?
Ja. Ja. Niemand. Es gibt zwar m.M.n. sehr viele Beiträge zu irrelevanten Themen. Diese scheinen aber nach Meinung von anderen Leuten durchaus Relevanz zu besitzen (sonst würden sie ja nicht erstellt). Dürfen also in unserer freien Gesellschaft nicht unterdrückt werden. Wenn sie für jemanden nicht relevant sind klickt er einfach nicht drauf, damit entscheidet jeder pesönlich über die Relevanz. So sollte es sein. Beiträge, die gegen Völkerrecht, Grundrecht verstossen oder sonst irgendwie kriminell sind müssen natürlich wieder entfernt werden. Ich habe aber den Eindruck dass gerade bei der deutschen Wiki schon deutlich zensiert wird. Wenn ein Thema oder eine Personenbeschreibung in D nicht durchkommt versucht man's einfach auf der englischen Seite und hat Erfolg. Was auch sehr bedenklich ist, sind die bezahlten Schönschreiber von Konzernen und Parteien, die gerne mal Lebensläufe tunen oder Sachverhalte verfälschen. Die produzieren den eigentlichen Müll der weg gehört. Aber ein Thema an sich ist niemals irrelevant.
.tobi 30.11.2009
Da zeigt sich, leider zum Erstaunen vieler, dass es das Internet nicht nur in Deutschland gibt. Wie unnütz es ist, in einem globalen Netz etwas lokal zu verbieten. Aber es ist Deutschland, es gibt eine Vorschrift und die wird [...]
Zitat von takeo_ischi[…] Ich habe aber den Eindruck dass gerade bei der deutschen Wiki schon deutlich zensiert wird. Wenn ein Thema oder eine Personenbeschreibung in D nicht durchkommt versucht man's einfach auf der englischen Seite und hat Erfolg.[…]
Da zeigt sich, leider zum Erstaunen vieler, dass es das Internet nicht nur in Deutschland gibt. Wie unnütz es ist, in einem globalen Netz etwas lokal zu verbieten. Aber es ist Deutschland, es gibt eine Vorschrift und die wird natürlich strengstens befolgt. Darauf wollte ich jetzt aber gar nicht hinaus. Ich nutze die Wikipedia seit Jahren als naturwissenschaftliches Nachschlagewerk. Um einfach mal kurz an stoffliche Daten, wie Siedepunkte oder Farben von Substanzen zu kommen. Die Beiträge sind manches Mal ausführlicher als in Fachlexika, dafür ist dann als Quelle ein Link auf eine Arbeitsgruppe an einer Uni angegeben. Das halte ich für ziemlich faire Eigenwerbung. Fehler habe ich dabei noch keine bemerkt, aber die deutsche und die englische Version unterscheiden sich stark in der Vollständigkeit. Schade eigentlich, da es sich hierbei um simple Fakteninformationen handelt und diese der jeweils anderen Sprachversion vorenthalten werden. Es müsste sowas wie eine sprachliche Intelligenz geben, die einfach nur die Informationen kennt und sie in der jeweils nachgefragten Sprache widergeben kann. Und zwar wirklich richtig und nicht kaputtautomatisiert.
tjacob 01.12.2009
... nur den Zustand der deutschen Kultur ;) Der deutsche Hang zu Kontrolle, Überwachung, Regulierung findet auch in der DE-Wikipedia seinen Widerhall. Ich lese lieber die EN-Wikipedia, da steht mehr drin und das vorhanden [...]
... nur den Zustand der deutschen Kultur ;) Der deutsche Hang zu Kontrolle, Überwachung, Regulierung findet auch in der DE-Wikipedia seinen Widerhall. Ich lese lieber die EN-Wikipedia, da steht mehr drin und das vorhanden Meinungsspektrum ist wesentlich breiter.
huelin 01.12.2009
Das versucht man ja schon seit Jahrzehnten, aber die Fortschritte hinken stets hinter den Erwartungen zurück... Zu Wikipedia: Ich sehe schon den Sinn gewisser Beschränkungskriterien. Bleibt die Frage, wie strikt die sein [...]
Zitat von .tobiEs müsste sowas wie eine sprachliche Intelligenz geben, die einfach nur die Informationen kennt und sie in der jeweils nachgefragten Sprache widergeben kann. Und zwar wirklich richtig und nicht kaputtautomatisiert.
Das versucht man ja schon seit Jahrzehnten, aber die Fortschritte hinken stets hinter den Erwartungen zurück... Zu Wikipedia: Ich sehe schon den Sinn gewisser Beschränkungskriterien. Bleibt die Frage, wie strikt die sein sollten. Eine Freiwillige Feuerwehr vom Dorf - bei allem Respekt, aber wer darüber wirklich etwas wissen will, dem reichen doch die Kontaktdaten der Lokalverwaltung des betreffenden Dorfes.
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