Von Manfred Dworschak
Debora Weber-Wulff zieht die zweite Alternative vor, den fröhlichen Wildwuchs: Jeder schreibt rein, was er will. Der Rest regelt sich schon - wenn nicht, gibt es Schlimmeres. "Um unseren Rang müssen wir uns ja keine Sorgen mehr machen", sagt sie. "Wir sind längst das wichtigste Nachschlagewerk." Das Ziel, nun auch noch zur letzten Instanz des Wissens zu werden, hält sie für schädlicher, weil gar nicht zu erreichen. "Wir sind nicht die letzte, wir sind die erste Instanz. Bei uns holt man sich die schnelle Information, den ersten Überblick, die Anregung zum Weitersuchen."
Aus dieser Sicht wäre die Wikipedia keine Autorität, sondern eher eine globale Anlaufstelle für Ratsuchende aller Art, ein Katalog der interessanten Fakten. Da würde es kaum stören, wenn jeder Verein vertreten wäre; und auch der Gebietsrepräsentant einer Limonadenfirma könnte eine Ecke für einen Aufsatz über sein Wirken zugedacht bekommen. Wer nicht direkt nach den "Firefox Linedancers Leipzig e.V.", "Hans Göde-Stradelin" oder gar "Arschgesicht" sucht, wird davon nie etwas bemerken geschweige denn Schaden nehmen.
In diesem Modell würde einfach die Nutzergemeinschaft entscheiden, was wichtig und pflegenswert ist. Vielbesuchte Beiträge unterliegen ja ohnehin einer aufmerksamen Kontrolle; sie werden immer wieder umgearbeitet, bis sich eine Art Konsens einpegelt. Herr Göde-Stradelin hingegen kann sich einstweilen ungehindert ausbreiten in seinem Nirwana - bis er etwas tut, das ihm die Aufmerksamkeit einiger Leser einbringt. Dann wird auch sein Artikel Teil des unendlichen Ringens um den besten Kompromiss.
Weber-Wulff würde, um einen Anfang zu machen, mit Freuden einige Freiwillige Feuerwehren aus dem Lübecker Raum beisteuern, wo sie sich auskennt. "Die haben oft tolle Geschichten", sagt sie. "Und für so ein Dorf sind sie doch der Mittelpunkt des sozialen Lebens".
Bisher allerdings sind laut Relevanzkatalog nur Berufsfeuerwehren geduldet.
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