Zum Todestag des Apple-Gründers Wofür die Welt Steve Jobs noch gebraucht hätte

Steve Jobs Werk blieb unvollendet. Der Apple-Vordenker schenkte der Welt den Macintosh, das iPhone und das iPad - doch es gibt noch so viele angestaubte Alltagsobjekte, die seiner Kreativität dringend bedurft hätten. Die wehmütige Wunschliste zu seinem ersten Todestag.


Smartphones waren bis vor fünf Jahren noch klobige Geräte mit zu kleinem Display und zu vielen Tasten. Dann trat Apple-Gründer Steve Jobs auf die Bühne, zog ein iPhone aus der Hosentasche - und das Zeitalter des allgegenwärtigen Netzes begann. Jobs wird als der Thomas Edison oder der Alexander Graham Bell des mobilen Internets in die Geschichte eingehen. Er hat es nicht erfunden - so wie Edison die Glühbirne und Bell das Telefon nicht erfunden haben - aber mit einem für die Zeit perfekten Produkt erst einen Markt dafür geschaffen.

Solche Kunststücke gelangen Jobs gleich mehrfach. Der Macintosh war der Beweis, dass Computer schön und nützlich sein können. Mit dem iPod und vor allem dem angeschlossenen Online-Musikladen krempelte er eine ganze Branche um, als die es nach dem Napster-Schock selbst nicht schaffte. Mit dem iPad machte er eine Produktkategorie zum Sensationserfolg, an der andere zuvor jämmerlich gescheitert waren. Rücksichtslos gegenüber Mitarbeitern und Wettbewerbern ging er dabei vor, verpflichtet nur sich selbst und seinem Geschmack. Seine Fans liebten ihn dafür, den letzten großen Bastler.

"Wollen Sie wirklich wie Steve Jobs sein?", fragte das US-Magazin "Wired" seine Leser jüngst in einer Titelgeschichte. Das war auch als Warnung zu verstehen. Charismatisch und cholerisch, so wird Jobs beschrieben. Nein, wir wollen gegenüber Kollegen, Freunden netter sein. Aber ist das womöglich der Preis für die Produkte, die unter seiner Regie bei Apple geschaffen wurden?

Dass Apple auch ohne Jobs funktionieren kann, zeigt der Konzern unter Tim Cook durchaus: Das iPhone 5 ist keine Revolution, aber es verkauft sich ersten Schätzungen zufolge womöglich noch besser als seine Vorgänger. Das Desaster mit dem eigenen Kartendienst ist peinlich, aber Fehler sind auch unter Jobs schon eine Menge passiert. Und Apple ist auch ein Jahr nach dem Tod des Gründers noch das wertvollste Unternehmen der Welt.

Trotz alledem: Wir wünschen uns eben, dass Menschen mit kühnen Plänen eine "Delle ins Universum schlagen", wie Jobs selbst es einmal ausgedrückt hat. Dass Menschen mit Visionen nicht immer gleich zum Arzt gehen. Denn es sind die Verrückten, das ist noch so ein kitschiges Jobs-Zitat aus einem Werbespot für Apple, die unsere Welt verändern. Und es gäbe da durchaus noch ein paar Dinge, die hätte Steve Jobs noch besser machen können, wäre er nicht vor einem Jahr gestorben, mit nur 56 Jahren. Hier eine Auswahl:

FERNSEHER

dapd

Ausgangslage: Sie sind groß. Sie sind irgendwie peinlich. Die Fernbedienungen haben mehr Tasten als Computer-Keyboards. Kabel ragen heraus für Festplattenrecorder, Spielkonsole, Blu-ray-Player und Surround-Anlage. Manche verstecken das Ungetüm in einem Schrank, damit die große, schwarze Fläche im ungenutzten Zustand nicht ihre Seele frisst.

iFernseher: Das Jobs-TV ist papierdünn, im ausgeschalteten Zustand mattweiß und fügt sich unauffällig in die karge Designer-Wohnung ein. Die Signale kommen und verlassen den Flachbildfernseher ausschließlich drahtlos. Die Bedienung erfolgt über Spracheingaben - oder über eine App für Smartphone oder Tablet. Oder alles wird noch ganz anders, noch viel hübscher. Eins jedenfalls steht fest: Wenn der Apple-Fernseher eines Tages kommt, wird noch ein bisschen Steve Jobs in ihm stecken, immerhin.

BRILLEN

REUTERS

Ausgangslage: Die Idee, seinen Rechner auf der Nase herumzutragen, ist so geeky wie lange schon nichts mehr. Trotzdem warten viele voller Vorfreude auf eine solche Computer-Brille, zum Beispiel von Google. Sollte so ein Gerät nur annähernd das halten, was es verspricht, wird man es wohl ohnehin mit Freuden tragen - selbst, wenn man damit völlig bekloppt aussähe.

iBrille: Doch wie viel schöner wäre es, wenn ein Steve Jobs sich der Datenbrille für die Augmented-reality-Zukunft hätte annehmen können? Jedes Detail würde stimmen, von den Bügeln über die Form bis hin zum Glas. Sie würde zur Jeans passen und zum Abendkleid, zum Smoking wie zur Snowboard-Kluft. Steves Brille wäre vermutlich so schick, dass man sie noch auf der Nase behalten würde, wenn der Akku längst leer oder das Gerät ausgeschaltet wäre. Ein Accessoire, das jeder würde tragen wollen, nicht nur die Geeks. Sie würde sich schneller durchsetzten als man "lange Schlangen vor dem Apple Store" sagen kann. Sofern man den Laden überhaupt findet - die Sache mit dem Kartendienst müsste Steve natürlich bis dahin geregelt haben.

FERNVERKEHR

Getty Images

Ausgangslage: Mit seinen runden Formen könnte der blütenweiße ICE der Deutschen Bahn zumindest von außen fast ein Apple-Produkt sein. Auch die Fahrpreise bewegen sich in einer ähnlichen Liga. Leider hört es da auch schon auf: Ranzige Bahnhöfe, klappernde Inneneinrichtung, fehlende Internet- und Telefonverbindungen, umständliche Gepäckverladung, Ticketkauf und Reservierungen sowie verpasste Anschlusszüge machen aus dem Bahnerlebnis einen abenteuerlichen Kampf ums Ankommen. Kann ein Konzern mit rund 285.000 Mitarbeitern aus sich selbst heraus die Transportrevolution einleiten?

iSenbahn: Der Apple-Zug muss natürlich eine Magnetschwebebahn sein, die lautlos und ohne Ruckeln mit mehr als 450 km/h durch die Landschaft schneidet. Am Zielort wird die komplette Seitenwand weggeklappt: Alle dürfen sofort aussteigen. Das Gepäck verlädt sich selbst.

SANITÄRANLAGEN

dpa/dpaweb

Ausgangslage: Schlecht. Wenige Formen haben sich durchgesetzt, in den vergangene Jahrzehnten gab es keine nennenswerte Weiterentwicklung.

iToilet: Eine Verbindung aus japanischer Hightech-Toilette mit Säuberungsdüsen, Fönautomatik und vorbeheiztem Massagesitz - in der klassischen Eleganz eines alten Röhrenempfängers von 1927.

juh/ore/cis

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