Zwitscherdienst Twitter verliert Nutzer, will endlich Geld verdienen

Je höher man fliegt, desto tiefer fällt man auch. US-Marktstudien zufolge hat der hippe Kurznachrichtendienst Twitter mit einem massiven Rückgang der Nutzerzahlen zu kämpfen. Die Nachricht kommt Plänen des Unternehmens in die Quere, nun doch mit Werbung Geld zu machen.

Twitter: Steht der Kurznachrichten-Hype vor dem Absturz?

Twitter: Steht der Kurznachrichten-Hype vor dem Absturz?


Der Absturz könnte brutaler nicht sein. Nachdem die Marktforscher von Compete und ComScore in den letzten Monaten bereits einstellige Rückgänge bei der Twitternutzung gemeldet haben, schlägt die neueste Zahl wie ein Hammer ein: Um satte 27,8 Prozent sei Twitters Nutzerzahl von September bis Oktober eingebrochen, berichtet eMarketer. Die Daten selbst stammen von der Marktforschungsfirma Nielsen. Eine Google-AdPlaner-Auswertung, die dem Branchenmagazin Meedia vorliegt, bestätigt diese Zahlen.

Zum Teil lasse sich der dramatische Rückgang mit der zunehmenden Nutzung von Twitter-Software zum Lesen von Twitter-Nachrichten erklären, so eMarketer. Mittlerweile würden 43 Prozent der Twitter-User auf den Dienst über solche Software und nicht per Webbrowser zugreifen, wodurch sie aus der Zählung fallen. Weitere 19 Prozent lassen sich die Tweets genannten Kurznachrichten per SMS aufs Handy senden.

Eine weitere Fehlstelle in der Nutzerzählung soll zudem die rasant zunehmende Nutzung von Smartphones für den Web-Zugang, und damit auch die Twitter-Nutzung, sein. Laut Nielsen haben im dritten Quartal 2009 erstmals die Hälfte aller Internetnutzer in den USA über ein solches Mobilgerät auf das Internet zugegriffen.

Nicht thematisiert wird von den Marktforschern, das parallel ja auch ein anderer Twitter-Boom weitgehend beendet scheint: Im Sommer 2009 meldeten Nachrichtenagenturen und Medien jede noch so kleine Lapalie um den zu diesem Zeitpunkt stark gehypten Dienst. Inzwischen ist es ruhiger darum geworden - womit sich auch weniger Neugierige in die Zwitscher-Zone verirren dürften.

Zenit erreicht - Zeit fürs Geldverdienen?

Als schwerwiegender für die Zukunft des Zwitscherdienstes sehen diverse Hightech-Auguren Meedia zufolge allerdings den dramatische Anstieg von Spam-Tweets an. Einige Marketing-Spezialisten würden schon heute ihren Lebensunterhalt damit bestreiten, Werbebotschaften in ihre Tweets einzustreuen, wird Paul Carr vom Tech-Blog Techcrunch zitiert.

Da mag es nur Zufall sein oder aber auch schon der Versuch, in der Krise gegenzusteuern, wenn Twitter-Geschäftsführer Dick Costolo im Gespräch mit Techcrunch den Einstieg ins Werbegeschäft ankündigt. Wie das neue Reklamemodell genau aussehen soll, blieb unklar. Costolo raunte geheimnisvoll, es "wird faszinierend, nicht traditionell. Die Leute werden es lieben". Er ließ sich nur noch das Detail entlocken, das Ganze werde nicht mit der Retweet-Funktion verbunden werden. Die " Los Angeles Times" blickt derweil schon tiefer in die Kristallkugel und mutmaßt, ein mögliches Erlösmodell sei der kostenpflichtige Abruf der eigenen Twitterdaten.

mak/meu

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
hajoschneider 23.11.2009
1. Leeres Gezwitscher
Zitat von sysopJe höher man fliegt, desto tiefer fällt man auch. US-Marktstudien zufolge hat der hippe Kurznachrichtendienst Twitter mit einem massiven Rückgang der Nutzerzahlen zu kämpfen. Die Nachricht kommt Plänen des Unternehmens in die Quere, nun doch mit Werbung Geld zu machen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,662826,00.html
... eine Blase ist eine Blase, ist eine Blase, ist eine Blase
nodch, 23.11.2009
2. Benutzerzahlen und ihre Erfassung
Als Twitter Benutzer ist man auch zwingend auf die Nutzung eines Clients angewiesen, denn die Weboberfläche gehört nicht zu dem Funktionalsten, was auf dem Markt unterwegs ist. Ob Twitters Benutzerzahlen trotz dieser Zählung so aussagekräftig ist, darf ohnehin bezweifelt werden. Interessant wäre an dieser Stelle die Anzahl der Accounts die erstellt, aber nie genutzt, bzw. sehr schnell nicht mehr benutzt werden, eigentlich müsste man die Nutzeranzahl eben um diese Accounts ebenfalls bereinigen, zumindest dann, wenn man um aussagekräftige Zahlen bemüht ist. Ich wage zu behaupten dass der Einbruch der Benutzerzahlen in diesem Falle noch merklicher ausfallen würde. Parallel dazu gibt es eine grosse Anzahl an Spambots, also Accounts die nur darauf ausgelegt sind billig Werbung an die Nutzerschaft zu bringen und auf Seiten zu verlinken. Man könnte dies noch in weiteren Bereichen fortführen, am Ende wäre die Nutzerzahl derer, die aktiv bemüht sind Informations- oder Meinungsaustausch über die Plattform zu betreiben, wahrscheinlich recht überschaubar und ob sich mit diesen Geld verdienen lässt bleibt abzuwarten.
DJ Doena 23.11.2009
3. Twitter
Twitter ist eigentlich nur interessant, wenn man nicht Leuten folgt, die einem vom morgendlichen Darmgang erzählen. Ich folge eher Diensten wie @serienjunkies oder den @EWAusielloFiles (einem bekannten Hollywood-Insider) bzgl Seriennews. Auch @Piratenpartei und @BILDblog_de kann man immer wieder interessante Informationen entnehmen.
cucco 23.11.2009
4. Sinn unbekannt
Twitter ist keine Partei und keine Glaubensrichtung. Wenn es denn Leute geben sollte, die sich dafür interessiren, wann ihr Nachbar den letzten Furz gelassen hat, dann sollte man diese Leute ihrem Hobby überlassen und einen grossen Bogen herum machen, um ihnen nicht zu nahe zu kommen. Mir wie vielen anderen genügen e-mail service und notfalls yahoo messenger.
asperix 23.11.2009
5. hä?
Sacht mal ehrlich: Wie kann man einen Artikel mit einer Feststellung "Twitter verliert Nutzer" aufmachen, wenn im Artikel drinnen steht, dass es technisch nicht möglich ist, die richtigen Zahlen zu ermitteln? Könnten "mak/meu" sich da mal äußern oder sind die noch in der Probezeit?
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