Miami - Mit der Frage eines Freundes fing alles an. Der sinnierte: "Warum gibt es in den USA kein deutsches Fast Food?" Die schräge Idee, den Spieß umzudrehen und eine deutsche Imbisskette in Amerika aufzumachen, faszinierte Alfred Härle so sehr, dass er sich entschloss, es zu wagen. Der Unternehmensberater aus dem hessischen Limburg, der sich bis dahin vorwiegend um die Sanierung maroder Betriebe gekümmert hatte, gründete die Firma Kebab USA Inc. mit Sitz in Kissimmee (US-Staat Florida). Neben Urdeutschem wie Bratwurst und Leberkäs will Härle, 44, die Amerikaner vor allem für DönerKebab gewinnen.
Im Mai vergangenen Jahres eröffnete er das erste Restaurant in Orlando. Inzwischen betreibt er 14 Filialen. Um die alte Zuneigung der US-Amerikaner zu Old Germany zu beschwören, hat er seinen Imbissläden den Namen "Rheinhaus" verpasst. Dass der Döner türkischer Herkunft ist und damit nur ein sehr entfernter Verwandter von Jägerschnitzel und Sauerbraten, stört Härle dabei nicht weiter. Amerikaner nähmen es mit der Geografie in der Alten Welt nicht so genau, Deutschland und die Türkei lägen schließlich näher beieinander als New York und Key West. "Und überhaupt, wenn Amerikaner schon einmal Döner gegessen haben, dann zumeist in Deutschland. Also gehen sie davon aus, dass er von dort stammt."
Dabei wurde der DönerKebab in Deutschland erst in den frühen siebziger Jahren gesichtet. Durch die einsetzende Wirtschaftskrise hatten viele Gastarbeiter ihren Job in der Industrie verloren. Eine Reihe türkischer Zuwanderer wagte den Schritt in die Selbständigkeit - die Dönerbude als Rettungsinsel.
Schnell entwickelte sich der Döner (türkisch für "drehend") zum Renner unter Deutschen. Mit 3,3 Milliarden Mark Umsatz wurde die Dönerindustrie im Jahr 1999 nur vom Branchenprimus McDonald's (4,2 Milliarden) übertroffen.
Für seine US-Pläne passt Unternehmer Härle den türkischen Fleischspieß allerdings amerikanischen Essgewohnheiten an. So wird bei Kebab USA Inc. statt der in Deutschland üblichen Mixtur aus Lamm- und Kalbfleisch nur Rind- oder Hähnchenfleisch verwendet. Die derzeit in Europa grassierende Rinderseuche BSE beunruhigt Härle dabei nicht. Zunächst einmal kämen seine Rinder vorwiegend aus Nordamerika, und außerdem, so der Unternehmer, sei "in Amerika das Bewusstsein für die Gefahr von BSE nicht da".
Der Hesse rechnet sich gute Chancen aus, weil sich das Essverhalten der Menschen im Mutterland der Fast-Food-Ketten ändere. "Der Amerikaner ernährt sich ganz anders als der Europäer", aber langsam setze sich auch dort die Erkenntnis durch, dass Fast Food nicht gleich Junk-Food (Müll-Essen) sein müsse. In seinen Döner-Restaurants, so Härle, würden nämlich ausschließlich naturreine Produkte verkauft.
Härles "Rheinhäuser", allesamt in amerikanischen Einkaufszentren ("Malls") zu finden, sind identisch eingerichtet. Bilder vom Rhein und vom Kölner Dom an den Wänden sowie eine Kuckucksuhr in der Ecke sollen dem Kunden einen Hauch deutscher Gemütlichkeit vermitteln.
Da darf natürlich auch das obligatorische Bier, gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot, nicht fehlen. Deshalb besorgte sich der überzeugte Nichttrinker Härle eine Lizenz zum Bierzapfen. "Damit sind wir die einzigen Restaurants innerhalb der Malls, in denen es erlaubt ist, Alkohol auszuschenken."
Das Vorhaben "Döner für Amerika" scheint sich auszuzahlen. Für seine 14 Filialen rechnet der Hesse mit einem Jahresumsatz von rund fünf Millionen Dollar. Bis Jahresende will Härle 60 weitere "Rheinhäuser" entlang der Ostküste bis hoch nach New York aufmachen. Sein Umsatzziel liegt bei mehr als elf Millionen Dollar. Um dieses Wachstum zu finanzieren, ist für den Sommer sogar der Gang an die amerikanische Börse geplant.
Sollte er mit dem Projekt erfolgreich sein, hat der rastlose Hesse bereits die nächste Idee auf Lager. Dann will er in Deutschland etwas wagen, was er vielen traditionellen türkischen Betreibern abspricht: "Ich will den Döner auf einem höheren Niveau verkaufen", sagt Härle. In zwei Jahren möchte er das Fleisch vom Spieß in feinen Restaurants servieren lassen. "Der Döner", so der Unternehmer, "verdient es, auch in gepflegter Atmosphäre genossen zu werden".
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