Hamburg - Osama Bin Ladens Verwandtschaftsverhältnisse sind so verzweigt wie die Täler des Hindukusch. Seinem jemenitischen Vater, der einen Baukonzern in Saudi-Arabien aufgebaut hat, verdankt Bin Laden 53 Brüder und Schwestern. Über seine Verwandtschaft mütterlicherseits wurde bisher kaum berichtet. Der meistgesuchte Terrorist der Welt hat gleich doppelte Bande in die westsyrische, von Alewiten dominierte Stadt Latakia.
Bin Ladens erste Frau Najwa Ghanem ist gleichzeitig eine Nichte seiner Mutter Alia. Najwa und Osama heirateten, als sie 14 und er ungefähr 18 war. Nach Informationen der "Los Angeles Times" macht sich der Ghanem-Clan große Sorgen um Najwa und ihre elf Kinder, die sie mit Bin Laden hat. Als die Amerikaner begannen, Afghanistan zu bombardieren, hatte die Großfamilie gehofft, Bin Laden würde Najwa und die Kinder ins sichere Ausland schicken. Doch sie blieben in Afghanistan. Seit die Bomben fallen, haben sie angeblich nichts mehr voneinander gehört.
Ein ungewöhnlich ruhiger, religiöser Mann
"Wovon ihr Mann überzeugt ist, hält auch sie für richtig", sagt Laila Ghanem, 30, die sechs Jahre jüngere Schwester von Bin Ladens Ehefrau. Sie macht sich nicht nur Sorgen um ihre Schwester, sondern unterstützt auch deren Mann, ihren Cousin. Im Gespräch mit der "Los Angeles Times" erzählen die Ghanems, dass sich Bin Laden, mit dem sie während der Kindheit oft geritten sind oder im Mittelmeer schwimmen waren, von einem ungewöhnlich ruhigen, religiösen Mann zu einem radikalen Fundamentalisten entwickelt hat. Seine Mutter Alia, selbst säkular orientiert, sei darüber sehr besorgt gewesen.
Sie habe versucht, ihren Sohn auf seinem Weg aufzuhalten. Ob aus ideologischen Meinungsverschiedenheiten heraus oder wegen ihrer Besorgnis um dessen Sicherheit sei nicht ganz klar. "Sie hatte große Bedenken", sagt Laila Ghanem. Erst als sie gesehen habe, dass er diesen Weg aus innerer Überzeugung habe gehen müssen, und er sich nicht davon habe abbringen lassen, habe sie gesagt: "Gott schütze ihn."
Bin Ladens in Syrien lebende Cousinen und Cousins werden gegenüber dem Reporter der "Los Angeles Times" nicht müde, zu betonen, dass Osama clever und bescheiden war. Übereinstimmend sagen sie, er sei "sehr, sehr ruhig" gewesen, ein Einzelgänger, der Schwierigkeiten hatte, mit anderen in Kontakt zu kommen. 1974 habe die Familie die für den damals ungefähr 18 Jahre alten Bin Laden bestimmte Braut Najwa nach Saudi-Arabien geschickt. Seither habe Bin Laden drei weitere Frauen geheiratet.
Ein spartanisches Leben
Erst vor zwei Jahren hat die Ghanem-Familie Najwa wiedergesehen. Für einen Monat kam sie nach Syrien zu Besuch. Sie habe wenig über ihr Leben in Afghanistan gesprochen, nur so viel: Es sei ein sehr spartanisches. Laut ihrer Schwester Laila habe sie sich nicht ein einziges Mal über ihr Leben dort beschwert. Sie sagte: "Sie wurde wie er."
Als Bin Ladens Mutter, die nach dem Tod ihres ersten Mannes wieder geheiratet hat, vergangenen Sommer die Familie in Syrien besuchte, zeigte sie sich erneut sehr besorgt um die Sicherheit ihres Sohnes. Berichte darüber, dass Bin Laden seine Mutter vor dem 11. September angerufen habe, um einen geplanten Besuch in Syrien abzusagen, dementierten sie. Familienmitglied Suleiman Ghanem sagte: "Sie hat von ihrem Sohn nichts mehr gehört, seit er nach Afghanistan gegangen ist."
Die Familie glaubt nicht daran, dass Bin Laden zum Terroristen geworden ist und hinter den Anschlägen von New York und Washington steckt. Sollte er und seine Familie in Folge der amerikanischen Angriffe sterben, bleibt der Verwandtschaft eine letzte Hoffnung. Suleiman sagt: "Ich schließe mich der Gewissheit seiner Mutter an: Wenn er heute stirbt, wird er morgen im Himmel sein."
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