Kabul - Das Video eines afghanischen Kameramannes zeigt zwei CIA-Offiziere, die den US-amerikanischen Taliban-Kämpfer John Walker bedrohen. Dies berichtet die britische Zeitung "Independent". Walker war vor zwei Wochen nahe der im Norden Afghanistans gelegenen Stadt Masar-i-Scharif in Gefangenschaft geraten.
Einer der CIA-Agenten auf dem Video ist Mike Spann, 32, der erste Amerikaner, der im Afghanistan-Feldzug ums Leben kam. Der zweite CIA-Mann ist nicht genau zu identifizieren, auf dem Video wird er nur Dave genannt. Spann ist in einer Jeans und in schwarzem Pullover zu sehen, auf seinen Rücken ist eine AK47-Feuerwaffe geschnallt. Er neigt sich auf den 20-jährigen Walker hinunter, der vor ihm auf dem Boden kniet, und sagt zu Dave: "Ich habe ihm den Deal klargemacht."
Der auf dem Boden knieende Walker ist ausgezehrt und voller Schmutz. Seine Arme sind auf dem Rücken gebunden. Während Spann ihm Vorhaltungen macht, starrt Walker ununterbrochen auf den Boden. Dann hört man Dave sagen: "Das Problem ist, er muss nun entscheiden, ob er leben oder sterben will. Falls er sterben will, wird er hier sterben. Oder er wird den Rest seines short fucking life im Knast verbringen. Es ist seine Entscheidung, Mann." "Wir können nur den Jungs helfen, die mit uns reden wollen", fährt Dave fort.
Dann hört man Spann zu Walker sagen: "Sie (gemeint sind die Attentäter des 11. September) haben andere Moslems getötet. Mehrere hundert Moslems wurden bei den Terrorattacken getötet. Wirst du bald mit uns reden?" Keine Antwort. Darauf sagt Dave zu seinem Kollegen Spann: "Dieser Typ hat seine Chance bekommen. Er bekam seine Chance."
Nur Stunden nach dieser auf Video festgehaltenen Begegnung begann der Aufstand der gefangenen Talilban-Kämpfer in dem Gefängnis. Hunderte von Gefangenen überwältigten die Wachen der Nordallianz und nahmen ihnen die Waffen ab. Bei den Schießereien kam CIA-Agent Spann ums Leben. Spann, der eine Frau und drei Kinder hinterlässt, wurde von CIA-Direktor George Tenet als "Held Amerikas" gewürdigt. Dave entkam. Bei seiner Flucht erschoss er mehrere Aufständische.
Das Verhör auf dem Video lege die Vermutung nahe, so der "Independent", dass die Gefangenen revoltierten, weil sie fürchten mussten, getötet zu werden, falls sie nicht mit den Amerikanern und der Nordallianz zusammenarbeiteten.
Ihr Aufstand wurde von Kämpfern der Nordallianz mit Unterstützung amerikanischer Luftwaffe niedergeschlagen. Nach Angaben von BBC wurden bei den Luftangriffen rund 600 Taliban getötet. Menschenrechtsorganisationen forderten daraufhin eine Untersuchung des Massakers.
John Walker war einer der wenigen, die überlebten. Er wurde von US-Streitkräften gefangen genommen. Walker, der sich selbst Abdul Hamid nannte, droht in den USA die Todesstrafe. Die Eltern Walkers, Frank Lindh und Marilyn Walker, machen sich inzwischen große Sorgen um ihren Sohn. Ihr Anwalt James Brosnahan sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass er am Freitag ein Fax an das Verteidigungsministerium geschickt habe, um Informationen über den Aufenthaltsort Walkers zu bekommen.
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