Alamogordo/ New Mexiko - Die Worte waren feurig, die religiösen Eiferer gerieten in ekstatische Verzückung. Mehrere hundert christliche Fundamentalisten trafen sich am Sonntag in der Kleinstadt Alamogordo im südlichen New Mexiko, um einer Predigt ihres Gurus, des Priesters Jack Brock zu lauschen. Dessen biblischer Zorn galt vor allem einem Werk, dem Kinder-Bestseller Harry Potter.
"Potter ist ein Teufel und er zerstört die Menschen", rief der Anführer der radikalen Christ Community Church seiner Gemeinde zu, während er einen Potter-Band in die Höhe hielt: "Hinter diesem unschuldigen Gesicht sitzt die Kraft satanischer Dunkelheit." Er habe zwar keines der Potter-Bücher gelesen, gab Brock zu verstehen, dennoch habe er ihren Inhalt studiert. Der sei Hexenwerk, Satanszeug und Anleitung zur Zauberei.
Anschließend warfen die Versammelten mehrere dutzend Potter-Bücher auf einen Scheiterhaufen. Auch andere Werke, die den Gottesfürchtigen als Teufelszeug galten, flogen in die Flammen, darunter Werke des Bestseller-Autors Steven King. Nicht auf den Scheiterhaufen, sondern in eine Mülltonne warfen die erzürnten Gemeindemitglieder CDs und Videos, darunter das Disney-Werk "Schneewittchen". Brock hatte seine Gemeinde aufgefordert, alles aus ihren Häusern zu verbannen, was die Kommunikation mit Gott stören könne.
Gegenüber des Gottesdienstes hatten sich hunderte Stadt-Einwohner zu einer Gegendemonstration versammelt. Sie begleiteten den Gottesdienst mit Protestgesängen gegen die Verbrennung von Büchern und hielten Zeichen in die Höhe wie: "Hitler - Bin Laden - Pastor Brock". Einige hatten sich als Adolf Hitler verkleidet.
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