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23.01.2002
 

Australien

Demonstranten nähen sich und ihren Kindern Lippen zu

Seit Wochen und Monaten versuchen Asylbewerber in Australien auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Doch die Regierung lässt sich von Hungerstreik und Demonstrationen nicht beeindrucken. Nun haben die Verzweifelten sich und ihren Kindern den Mund zugenäht.

Aus Solidarität mit den Asylbewerbern haben sich Demonstranten in Sydney den Mund mit Klebeband versiegelt
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REUTERS

Aus Solidarität mit den Asylbewerbern haben sich Demonstranten in Sydney den Mund mit Klebeband versiegelt

Sydney - "Schlimmer als Tiere" fühlten sich die Asylbewerber behandelt, berichten Vertreter von Menschenrechtsorganisationen, die sich um die rund 200 Afghanen kümmern, die zum Teil seit Monaten, zum Teil seit Jahren in Auffanglagern auf die Bearbeitung ihrer Anträge warten. Eine Aktivistin sprach von "Konzentrationslagern, wo man die Menschen nicht nur ihrer Freiheit, sondern auch ihrer Würde beraubt".

Mit einem Hungerstreik versuchen nun mehr als 200 Asylbewerber auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Zudem hätten sich etwa 70 Erwachsene die Lippen zunähen lassen. Auch bei vier Kindern seien der Mund zugenäht worden, berichteten Menschenrechtsaktivisten. Sieben Asylbewerber hätten aus Protest Reinigungsmittel getrunken, und seien anschließend ins Krankenhaus gebracht worden.

Protest um die Zustände in Woomera gibt es schon seit langem. Manche Aslybewerber warten seit Jahren auf einen Asylbescheid
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AFP

Protest um die Zustände in Woomera gibt es schon seit langem. Manche Aslybewerber warten seit Jahren auf einen Asylbescheid

Bei der Regierung stießen die Asylbewerber mit ihrem Protest bislang auf wenig Verständnis. Der für Immigranten zuständige Minister, Philip Ruddock, hatte erklärt, wem es in den Unterkünften nicht gefalle, könnte ja nach Hause gehen. Die Opposition forderte inzwischen die Uno auf, die Leitung des Lagers Woomera zu übernehmen, dem Schwerpunkt der Protestaktionen.

Besonders die Afghanen unter den insgesamt 900 Flüchtlingen in Woomera sind verzweifelt. Nach dem Sturz der Taliban hatte Ruddock die Bearbeitung ihrer Asylgesuche ausgesetzt. Nach den Worten des Ministers haben sie so gut wie keine Aussicht, in Australien bleiben zu können. Daran werde auch die Selbstverstümmelung der Flüchtlinge nichts ändern. Bereits seit Monaten steht besonders das Lager Woomera in der Kritik. Es sei die "Hölle", hatte ein ranghoher Politiker erklärt. Hohe Stacheldrahtzäune sichern das Gelände ab, das knapp 500 Kilometer nordöstlich von Adelaide am Rande der australischen Wüste liegt. Oppositionsführer Kim Beazley hatte eine Untersuchung der Zustände in Woomera gefordert. Im Dezember hatten dann rund 300 Flüchtlinge Gebäude des Lagers in Brand gesteckt. Zahlreiche Angestellte wurden bei den Protesten verletzt.

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