Von Matthias Gebauer
Berlin/Hamburg - Überall muss der Regierungschef in diesen Tagen kleine und größere Brände löschen. Für private Nöte bleibt da kaum noch Zeit.
Für wirklich wichtige Dinge hat Gerhard Schröder jedoch eifrige Helfer - in diesem Fall die renommierte Hamburger Anwaltskanzlei Buse, Heberer und Fromm. Die Juristen hatten schon in den letzten Jahren mehrere Aufträge des Kanzlers bearbeitet, vor allem wenn es um den Umgang mit der manchmal geliebten, dann wieder gescholtenen Presse ging.
In diesen Tagen wandten sich die Anwälte an die Nachrichtenagentur ddp in Berlin. In einem förmlichen Brief forderten die Juristen die Agentur dringend um die Lösung eines sehr wichtigen Problems: "Die Schläfen/Haare des Bundeskanzlers sind nicht gefärbt", stellten die Anwälte formaljuristisch fest. Weiterhin forderte die Kanzlei den ddp-Chefredakteur Bernd von Jutrczenka auf, diese brisante News mit einer Richtigstellung der interessierten Weltöffentlichkeit mitzuteilen. Der Nachrichtendienst beugte sich der Forderung und verbreitete die Mitteilung am Freitag.
Färbt er oder färbt er nicht?
Hintergrund für den haarigen Streit war eine ddp-Meldung vom vergangenen Mittwoch. Darin hatte die Imageberaterin Sabine Schwind von Egelstein geäußert, dass es der "Überzeugungskraft" des Kanzlers zugute kommen würde, "wenn er sich die grauen Schläfen nicht wegtönen würde." Im restlichen Beitrag, in dem Kanzler mit seinem bayerischen Herausforderer Edmund Stoiber verglichen wurde, kam der SPD-Politiker ganz gut weg.
Doch der Satz über die Haare passte dem Kanzler nicht, und er schaltete seine Kanzlei ein. "Wir haben uns über die Aufregung gewundert, da ja schon oft über die Haartracht des Kanzlers berichtet wurde, doch wir haben die Richtigstellung natürlich verbreitet", kommentierte von Jutrczenka den Streit zwischen der Agentur und dem Kanzler. Ob die Darstellung über die Kanzler-Frisur allerdings unwahr sind, wie die Juristen schreiben, konnte der Agenturchef nicht verifizieren. "Schließlich bin ich kein Haarspezialist", musste er einräumen.
In Zukunft werde man sich mit solchen Aussagen zur Haarpracht des Regierungschefs zurückhalten, um keine weiteren Streitereien zu riskieren. Der Kanzler kann also zufrieden sein.
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