Von Sören Meschede, Peking
Er weht aus den nördlichen Provinzen der Volksrepublik und färbt den Himmel in ein trübes Gelb-Braun. Manchmal muss sogar der Pekinger Flughafen schließen, weil der Anflug bei der schlechten Sicht zu gefährlich wird. Viele Passanten tragen an diesen Tagen einen Staubschutz vor dem Gesicht. Wer es sich leisten kann, geht lieber überhaupt nicht auf die Straße.
Die Stürme sind in den letzten Jahre immer häufiger und unangenehmer geworden. Brachliegende Landflächen in der Mongolei und im Norden Chinas tragen ebenso zu dieser Entwicklung bei wie die intensive Ziegenhaltung: Die Tiere nagen die letzten Halme ab. Fehlt erst einmal das den Boden festhaltende Wurzelwerk, ist die dünne Humusschicht leichte Beute des Windes. Staubiges und unfruchtbares Ödland bleibt zurück.
Der Schaden ist enorm, insgesamt sind es fast 250 Millionen Euro jährlich. Deshalb hat Peking in den letzten Jahren damit begonnen, die besonders betroffenen Regionen wieder aufzuforsten.
Im Norden Chinas soll nach dem Willen der obersten Forstbehörde bis 2010 ein über 3,8 Millionen Hektar großer Waldgürtel entstehen. Ziel: Das Fortschreiten der Wüste, die inzwischen ein Drittel der Landmasse Chinas ausmacht, auf- und die Sandstürme von der Hauptstadt fernzuhalten. Inzwischen investiert Peking über 160 Millionen Euro pro Jahr in Aufforstungsprojekte.
Ob dieser finanzielle Kraftakt erfolgreich sein wird, bleibt allerdings fraglich. Umweltschützer und Landwirtschaftsexperten sind skeptisch, ob die Anpflanzungen geeignet sind, die Ausdehnung der Wüsten zu stoppen. "Nach Aussagen von Wissenschaftlern werden die Stürme auch im Verlauf der nächsten Jahre nicht an Intensität verlieren," berichtete die Pekinger Tageszeitung "China Daily" am Dienstag.
Vor allem der chronische Wassermangel der nördlichen Provinzen steht den ehrgeizigen Plänen entgegen, meint Ulrich Metzner, Agrarexperte der deutschen Botschaft in Peking. Da nicht immer genug Regen falle, müssten die Bäume besonders intensiv bewässert werden. Die Wasserressourcen reichen aber kaum für die Bevölkerung aus. Ein Teil der mühsam gepflanzten Setzlinge vertrocknet daher nach kurzer Zeit.
Diese Lage könnte sich in den nächsten Jahren dramatisch verschärfen. Metzner befürchtet, dass es in Nordchina in Zukunft noch weniger regnen wird als bisher. Es besteht daher die Gefahr, dass die neuen Wälder, die mindestens 350 Millimeter Wasser pro Quadratmeter und Jahr benötigen, nicht lange überleben können.
Die neuesten Zahlen scheinen dieser düsteren Prognose Recht zu geben. Laut dem statistischen Jahresbericht für 2001 hat sich die Wüste allein im letzten Jahr um 10.000 Quadratkilometer ausgedehnt. Riesige Sanddünen türmen sich inzwischen schon in 70 Kilometer Entfernung vor Peking auf.
Also wird der "sha chen bao" auch in den nächsten Jahren mit unverminderter Kraft an den Toren der Hauptstadt rütteln, fürchterlich heulen und die Menschen plagen. Ein Trost: Die Olympioniken von 2008 müssen vermutlich nicht mit den Zähnen knirschen. Die Spiele finden im Sommer statt. Zu dieser Zeit hat es noch nie einen Sandsturm gegeben.
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