Vor drei Jahren erschossen zwei Amokschützen an der Colombine-Highschool im US-Bundesstaat Colorado 13 Mitschüler und sich selbst. Vor sechs Wochen tötete Robert Steinhäuser im Erfurter Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen, bevor er sich erschoss.
Zwei sich gleichende Ereignisse an zwei völlig verschiedenen Orten. Schüler und Lehrer in beiden Städten haben Schreckliches erlebt. Am Freitag besuchte eine zwölfköpfige Delegation aus Littleton die Erfurter. Mit ihren Erfahrungen wolle sie den Überlebenden helfen, die Folgen des Massakers aufzuarbeiten, erklärte Pastor Bruce Porter, der die Gruppe leitet.
Als Zeichen der Hoffnung überbrachten die Schüler aus Littleton Samen ihrer heimischen Wappenblume "Colombine". Am derzeit geschlossenen Gutenberg-Gymnasium legten sie einen Kranz nieder. In der voll besetzten Aula des benachbarten Heinrich-Mann-Gymnasiums berichteten dann Evan Todd und Heidi Johnson, was sie damals erlebten. Beide wurden vor drei Jahren in der Bibliothek von den Amokschützen überrascht und durch Pistolenkugeln verwundet. Sie mussten mit ansehen, wie ihre Mitschüler starben.
Als Evan und Heidi schließlich ein Bild der damals gleichaltrigen Rachel Scott hoch hielten, waren die Erfurter sichtlich erschüttert. Das Bild zeigt ein heiteres Mädchen, wenige Tage vor ihrem Tod. Rachels Schwester Diana las dann aus dem Tagebuch die Wünsche und Träume der Ermordeten vor. Respekt und Nächstenliebe - dieses Vermächtnis wollen sie bewahren.
Als Pastor Porter dann die schon am Grab in Littleton gestellte Frage wiederholte, wer diesen Gedanken weiterführen wolle, erhoben sich die Arme aller Gymnasiasten. "Wir verstehen, was die Familien in Erfurt gerade durchmachen, und obwohl uns klar ist, dass nichts, was wir sagen oder tun, ihre Trauer lindern kann, hoffen wir doch, mit unserer Gegenwart ein wenig Trost und Kraft spenden zu können", sagte Porter, der auch als Feuerwehr-Pastor am "Ground Zero" in New York im Einsatz war.
Nach den erschütternden Erzählungen gaben sich die Erfurter Gymnasiasten sehr zurückhaltend, stellten nur zögerlich Fragen. "Wir haben wochenlang nur darüber gesprochen und wollten nicht mehr davon reden. Aber jetzt hat sich gezeigt, mit etwas zeitlichem Abstand, dass es gut war, neu darüber nachzudenken", sagte Maria Stuckart, 18. Ihre gleichaltrige Schulfreundin Maxi Krumnau ergänzte nach dem Gespräch mit den amerikanischen Gästen: "Wir können die entsetzliche Bluttat nicht verstehen. Da ist es gut, eine andere Sicht zu erleben."
Am Samstagabend wird es in Erfurt einen Gedenkgottesdienst für eines der ermordeten Mädchen aus Littleton geben. Am Sonntag will die Gruppe die KZ-Gedenkstätte Buchenwald besuchen.
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