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Dresden - Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia wird der Fluss am Samstag seinen Höchststand in Dresden erreichen. Das sächsische Innenministerium rechnet mit einem Pegelstand von bis zu 9,60 Meter. Bei einer Flut in Höhe von 9,50 Meter würden zusätzlich noch die Stadtteile Prohlis und Cossebaude überschwemmt, sagte der Sprecher. Wegen der weiter steigenden Fluten stünden die Stadtteile Übigau und Mickten vor der Evakuierung. Den Bochumer Wetterexperten zufolge muss zusätzlich zu den heranströmenden Fluten heute mit einzelnen Schauern und morgen sogar mit heftigem Regen und Gewitter gerechnet werden. Dies bedeutet eine besonders große Gefahr für die durchnässten Deiche.
Derzeit kämpfen die Helfer fieberhaft um die Sicherung des Umspannwerks der sächsischen Hauptstadt, sagte Regierungssprecher Christian Striefler am Freitagvormittag. Wenn die Fluten in das Werk eindringen, würden weitere Stadtteile vom Stromausfall betroffen.
Inzwischen sind in Sachsen mit einer Ausnahme alle Elbbrücken wegen des Hochwassers gesperrt. Befahrbar ist lediglich noch die Autobahnbrücke Dresden-Altstadt der A4.
Der Fluss war seit 2 Uhr früh stündlich um vier Zentimeter gestiegen. Eine Stunde später hatte die Elbe in Dresden die bisherige Rekordmarke der Flutkatastrophe vom 31. März 1845 von 8,77 Meter erreicht. Kurz vor Mitternacht hatte die überschwappende Elbe auch den Theaterplatz unter Wasser gesetzt. Es gebe keine Möglichkeit, das Wasser abzupumpen, sagte ein Sprecher des Krisenstabes. An den Platz grenzen die Semperoper, die Gemäldegalerie Alte Meister und das Schloss. In der Oper war vor wenigen Tagen durch eindringendes Wasser aus dem Fluss Weißeritz bereits ein immenser Schaden entstanden.
Um 9 Uhr hatte der Pegel die Neun-Meter-Marke erreicht. Unsichere Zeiten haben damit begonnen: Der Stadt Dresden liegt keinerlei Szenario vor, wie sich die Wassermassen jetzt ins Stadtgebiet ergießen. Beim Hochwasser von 1845 waren die Abflussrichtungen in Karten vermerkt worden. Da sich die Bebauung der Stadt inzwischen stark verändert hat, können diese Karten nur bedingt Aufschluss geben. Die bisher gültige Hochwasserrichtlinie hatte sich an einem Pegelstand von 8,17 Metern orientiert. Normalerweise steht die Elbe um diese Jahreszeit etwa zwei Meter hoch.
Die Atmosphäre im nächtlichen Dresden war bedrückend. Außer den Scheinwerfern bei diversen Hilfseinsätzen
erhellte kaum ein Licht die Silhouette der Stadt. Vielmehr machten die Blaulichter und Martinshörner der Einsatzfahrzeuge den Ernst der Lage deutlich.
In Sachsen haben seit Beginn der Hochwasserkatastrophe etwa 29.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Die Evakuierung der Städte Pirna und Heidenau ist am Freitagmorgen abgebrochen worden. Dort habe sich die
Lage trotz weiter steigendem Elbe-Hochwasser entspannt, sagte ein Sprecher des Krisenstabs im Innenministerium. Offenbar würden die aus Tschechien kommenden Wassermassen in Dresden abfließen. 30.000 Menschen hatten sich in den beiden Städten darauf vorbereitet, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen.
In Sachsen-Anhalt erwarten die Behörden ebenfalls einen neuen Rekordstand des Elbepegels. Hunderte von Menschen flüchteten mit ihren Autos in der Nacht aus Magdeburg, wo die historische Höchstmarke am Wochenende überschritten werden soll. In Bitterfeld begannen Helfer mit der Evakuierung von Teilen der rund 16.000 Einwohner zählenden Stadt. Durch einen am Donnerstag gebrochenen Damm strömten riesige Wassermassen ungebremst in das als Seenlandschaft rekultivierte Tagebaurestloch in Bitterfeld. Die Innenstadt und der Chemiepark drohen überschwemmt zu werden.
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