Hochwasser in Dresden
Feuerwehr gibt Zwinger und Semperoper verloren
Laut Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt ist es der höchste Stand seit tausend Jahren, den das Elbwasser in Dresden erreicht hat - und der Pegel steigt weiter. 30.000 Menschen sollen ihre Häuser verlassen. In Pirna dagegen hat die Elbflut offenbar den Scheitelpunkt bereits erreicht.
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Dresden - Auch wenn der Pegel der Elbe ständig neue
Rekordmarken erreichte: Die Dresdner kämpfen ohne
Unterbrechung verzweifelt gegen die Jahrhundertflut in ihrer Stadt.
Immer neue Sandsackbarrikaden wurden errichtet, die Pumpen liefen
pausenlos auf Hochtouren. "Wir pumpen weiter", sagte einer der
Helfer stoisch angesichts des schmutzigen Elbewassers.
DPA
THW-Helfer im Innenhof des Zwingers
Die katastrophale Situation ließ die Dresdner immer weiter
zusammenrücken. Wo immer Sandsäcke aufeinander gestapelt wurden,
fanden sich flugs helfende Hände. Auffallend viele Jugendliche
griffen spontan zu, um die Innenstadt des "Elbflorenz" gegen das
Hochwasser zu sichern.
Feuerwehr
und Technisches Hilfwerks gaben den Kampf um Semperoper und Zwinger
auf. Das THW kämpft derweil weiter um die historische Frauenkirche. Bisher halten die provisorischen Sandsackwälle rumd um die Baustelle. Trotzdem nehmen die Experten an, dass das Fundament der Kirche schon jetzt stark angegriffen ist. Mehrere umliegende Gebäude haben die Retter bereits aufgegeben.
Der Scheitelpunkt der Flut wurde mit einem Pegelstand von 9,40
bis 9,60 Meter in der Nacht zwischen zwei und drei Uhr erwartet, das ist nahezu ein
Meter mehr als bei der Rekordflut des Jahres 1845, wie Dresdens Oberbürgermeister Ingo Roßberg berichtete. 30.000 Menschen sollten in Dresden ihre Wohnungen
verlassen. Die Schulen bleiben bis Dienstag geschlossen. Die
Behörden registrierten ein weiteres Todesopfer.
Auch sonst hatte Roßberg den Dresdnern nichts Gutes zu verkünden: So sei die Stromversorgung teilweise
erheblich beeinträchtigt, nachdem Umspannwerke überflutet worden
waren. Auch Dresdens größtes Wasserwerk konnte nicht mehr arbeiten.
"Aber wenn wir etwas sparsamer mit dem Wasser umgehen, können wir
das ausgleichen", gab er sich zuversichtlich. Akute Probleme bei der
Versorgung mit Nahrungsmitteln sah er nicht. Seine größte Sorge:
"Dass die Elbbrücken zerstört werden."
DDP
Überfluteter Theaterplatz vor der Semperoper
Nicht alle in Dresden packen spontan mit an. Seit dem Vormittag
hatte die Polizei Neugierige auf der Augustusbrücke immer wieder per
Lautsprecher angesprochen. "Nicht stehen bleiben und nicht
fotografieren", hieß es in regelmäßigen Abständen. Doch am
Nachmittag verstummten auch diese Ansagen, wurde diese und andere
Brücken auch für Fußgänger voll gesperrt.
In Bitterfeld in Sachsen-Anhalt hatte sich die Hochwasserlage am
Freitagvormittag zunächst leicht beruhigt. Nach wie vor aber war die
Gefahr nicht gebannt, dass der Goitzschesee oberhalb der Stadt
überläuft. Experten erwogen, den Zulauf des Hochwassers durch eine
Sprengung umzuleiten.
Auch in Sachsen-Anhalt kämpften Tausende Helfer gegen die Fluten
von Elbe und Mulde. Insgesamt müssen in dem Land 1340 Kilometer
Deiche gesichert werden, von denen nach Auskunft des Magdeburger
Umweltministeriums ein großer Teil in einem unsicheren Zustand sind.
Es zeichne sich ein Hochwasser "unübersehbaren Ausmaßes" ab, hieß
es.
DPA
Per Floß kommt man in Meißen zurzeit besser voran als mit dem Auto
In Magdeburg bereiteten sich 20.000 Einwohner der ostelbischen
Stadtteile auf die Evakuierung vor. Die große Flut wird für Sonntag
erwartet. Sollte das Wasser über die Deiche schwappen, könnten
Straßen, Plätze und Wohnhäuser binnen kurzer Zeit bis zu drei Metern
unter Wasser stehen. In Dessau, wo Elbe und Mulde zusammenfließen,
hatte sich die Lage ebenfalls verschärft.
Bangen auch in Brandenburg und Mecklenburg
Inzwischen wurden auch von den Landesregierungen in Brandenburg
und Mecklenburg-Vorpommern Krisenstäbe gebildet. Im
südbrandenburgischen Mühlberg sollte der Elbepegel am Freitagabend
die Deichkrone überschreiten. Brandenburgs Ministerpräsident
Matthias Platzeck befürchtet, dass die Stadt von der Außenwelt
abgeschnitten wird. Unterdessen bereitete sich der mehr als 200
Kilometer elbabwärts gelegene nordbrandenburgische Prignitz-Kreis
auf das Hochwasser vor. Die erste Scheitelwelle der Flut wurde dort
für Mittwoch erwartet.
Über das Ausmaß der Schäden konnten die politisch
Verantwortlichen auch am Freitag nur spekulieren. Dresdens
Oberbürgermeister Roßberg ging im NDR davon aus, dass
die Schadenssumme in seiner Stadt eine dreistellige
Millionensumme erreichen wird. Allein die Deutsche Bahn AG, die zahlreiche
Strecken weiterhin nicht befahren konnte, rechnet auf Grund des
Hochwassers mit einem Schaden im hohen dreistelligen
Millionenbereich.
Den Flutopfern wurde unterdessen aus allen Teilen Deutschland in
großem Ausmaß Hilfe angeboten. Geldspenden flossen reichlich,
Tausende von Helfern meldeten sich zum Teil von weit her in den
Katastrophengebieten. In Bayern, wo das Donauhochwasser mittlerweile
abfließt, sollten am Montag die ersten Hilfsgelder des Bundes
eintreffen.