Von Markus Becker, Perleberg
Perleberg - Der Sportflugplatz wenige Kilometer vor der brandenburgischen Stadt gleicht einer gewaltigen Baustelle: Lastwagen kippen ununterbrochen Berge von Sand auf das weitläufige Gelände, und Hunderte von Helfern füllen das Material in Säcke ab, die von der endlosen Lkw-Kette wieder ins Katastrophengebiet gebracht werden. Tag und Nacht schuften die Menschen hier, in der Etappe der Hilfsaktion, fernab vom medialen Rampenlicht an den Deichen und in den überfluteten Städten.
Schwerstarbeit rund um die Uhr
Vor der schwülen Hitze schützt sie nichts. Erst wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, werden die Temperaturen ein wenig erträglicher. Unter dem fahlen Licht eines Heliumballons schaufeln Bundeswehrsoldaten, Mitglieder von Hilfsorganisationen und zahlreiche Freiwillige die ganze Nacht hindurch, begleitet vom Dröhnen der Baumaschinen und umwabert von undefinierbaren Gerüchen aus der Feldküche.
120 Schüler der Waldorfschule Kleinmachnow haben auf dem Gelände ihr Zeltlager aufgeschlagen: Die einen kochen, manche schlafen, der Rest arbeitet. "Wir haben das drei Tage lang gemacht", sagt Lehrerin Kerstin Morling, 37. "Es war die Idee des Kollegiums, hier zu helfen, statt den üblichen Ausflug zu machen."
Ausflug in die Realität
Unter den Schülern herrscht eine Mischung aus Erschöpfung und Faszination. "Klar war das harte Arbeit", sagt Jonas, 17, dessen wallende blonde Mähne nur mühsam von einem Strohhut in Schach gehalten wird. "Aber ich habe noch nie erlebt, dass so viele Menschen gleichzeitig an einem Strang ziehen." Für viele Schüler war der Schaufel-Einsatz auch ein Ausflug in die Realität. "Man kommt aus dem Bus, und plötzlich ist die Katastrophe da", sagt der 17-Jährige. "Das ist, als wär's Fernsehen. Fürs Leben hat das hier auf jeden Fall etwas gebracht."
Auf dem Sportflugplatz ist das Hochwasser der große Gleichmacher. "Es ist völlig egal, welche Klamotten man trägt, welche Musik man hört oder was man politisch denkt", sagt einer der jüngeren Schüler. "Hier gibt es nur ein Ziel: Helfen." In einer solchen Situation kommt selbst die Scientology-Kirche näher an die Jugendlichen ran, als es sonst möglich wäre. Mitglieder der Sekte bieten den gebeutelten Helfern Massagen an.
"Mit Speck fängt eben man Mäuse", kommentiert Lehrerin Morling mit säuerlicher Miene. Bei den Waldorfschülern hatten die körperknetenden Scientologen ohnehin nur begrenzten Erfolg. "Ich hatte danach tierische Rückenschmerzen", meckert die 14-jährige Anna. "Die sollen mir ja nicht noch mal mit ihrer Massage kommen."
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