Dresden - "Versagen" wirft die eine Seite der anderen vor. "Verweigerungshaltung und Eigensinn", schallt es zurück. Nachdem die Elbe wieder in ihrem Flussbett und nicht mehr mitten durch Dresden fließt, ist zwischen Stadtverwaltung und Universitätsklinikum ein erbitterter Streit über die Evakuierung der Krankenhäuser ausgebrochen.
Durch die Maßnahmen des Krisenstabs seien nach Angaben der Professoren Gerhard Ehninger und Manfred Wirt Patienten gefährdet worden. "Wir waren immer trockenen Fußes," sagte Ehninger am Montag der Deutschen Nachrichtenagentur. Die von der Stadt erzwungene Evakuierung des Universitätsklinikums sei völlig übertrieben gewesen. "Die Stadt soll ihre Toten verantworten, wir verantworten unsere Lebenden."
Die Stadtverwaltung spielte den Ball zurück: Das Universitätsklinikum habe seinerseits Fehler gemacht. Beispielsweise seien Frühgeborene in Inkubatoren mit stundenlangen Krankenwagen-Transporten nach Berlin geschafft worden, obwohl ein bestens dafür ausgestatteter Bundeswehr-Hubschrauber bereitgestanden habe, sagte Sozial-Bürgermeister Tobias Kogge (CDU).
Bereits am Wochenende war es im Kreis Anhalt-Zerbst und Wittenberg zu einem Kompetenzgerangel um das weitere Krisenmanagement gekommen. Während sich der Präsident des Regierungsbezirks Dessau, Friedrich Kolbitz (SPD), gegen die Sprengung eines Deiches ausgesprochen hatte, setzte sich der Landrat des Kreises Wittenberg, Hartmut Dammer (parteilos), darüber hinweg. "Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, ist einer, der die Sache regelt. In diesem Fall bin ich das und halte dafür den Kopf hin", sagte er.
Als das Regierungspräsidium Dessau intervenierte und die Polizei die Erlaubnis verweigert habe, sei der Einsatztruppe am Samstag bereits unterwegs gewesen, "und auch nicht über Handy erreichbar", sagte Dammer. Erst als ein Drittel der 300 Kilogramm Dynamit montiert gewesen sei und die Zünder angebracht waren, habe man wieder Kontakt zu der Gruppe bekommen. "Der Sprengmeister hat es wegen Lebensgefahr abgelehnt, die Ladung wieder auszubuddeln." Die Sprengung erfolgte. Am Sonntag wurde ein weiteres Loch in einen Deich gesprengt, damit das Wasser von den überschwemmten Polderflächen wieder in die Elbe zurückfließen konnte.
Bilder der Jahrhundertflut:
Fotostrecke 1: Der Kampf gegen die Fluten
Fotostrecke 2: Sachsen unter Wasser
Fotostrecke 3: Säcke stapeln - und dann hoffen
Fotostrecke 4: "Land unter" von Dresden bis Dessau
Fotostrecke 5: Die Deiche brechen
Fotostrecke 6: Das bittere Aufräumen nach der Flut
Fotostrecke 7: Mit Muskelkraft gegen Wassermassen
Am Montag entspannte sich die Lage in der Region, dennoch wurde der Katastrophenalarm für Wörlitz, den Landkreis Anhalt-Zerbst, Bitterfeld und Dessau aufrecht erhalten. Die Hochwassersituation an der Autobahn 9 Berlin-München bei Dessau war weiterhin kritisch. Für die Region Bitterfeld soll die Hochwassergefahr durch ein Absenken des Goitzsche-Sees gebannt werden. Damit solle bereits am Dienstag begonnen werden, teilte ein Sprecher des örtlichen Krisenstabs mit.
In Magdeburg, dem besonders von der Flut getroffenen Dresden, in der brandenburgischen Prignitz sowie Teilen Westmecklenburgs wurde der Katastrophenalarm am Montag aufgehoben. Das genaue Ausmaß der Milliardenschäden der Flut, bei der mindestens 20 Menschen starben, ist jedoch noch nicht abzusehen. In der Prignitz konnten am Sonntagabend die ersten von etwa 3000 Bewohnern aus insgesamt 37 Dörfern in ihre Häuser zurückkehren.
Sorgen bereiten den Helfern vor allem in Norddeutschland die durchweichten Deiche und die vielen Sandsäcke, die auf den Dämmen liegen. "Man braucht die Sandsäcke nicht mehr an der Deichkrone und legt sie zur Verstärkung an den Deichfuß", sagte der Sprecher des zentralen Einsatzstabes in Lüneburg, Rainer Bohmbach, am Montag. Nach der Stabilisierung der Deiche in Amt Neuhaus schickte der Krisenstab bereits 3000 Helfer nach Hause.
In Tschechien sind nach dem Abfließen des Hochwassers die Leichen von zwei weiteren Opfern gefunden worden. Damit ist die Zahl der Toten durch die Überschwemmungen in den vergangenen Wochen dort auf mindestens 16 gestiegen.
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