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21.10.2002
 

Jagd auf den Heckenschützen

Telefongespräche mit dem Unbekannten

Rückschlag für die Ermittler: Zwei von der Polizei festgehaltene Männer haben offenbar nichts mit den Todesschüssen von Washington zu tun. Die Beamten versuchen derweil fieberhaft, über das Fernsehen mit dem Täter Kontakt aufzunehmen.

Jagd auf den Sniper: Der Van wird untersucht
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AFP

Jagd auf den Sniper: Der Van wird untersucht

Washington - Die Suche nach dem Todesschützen von Washington gestaltet sich zunehmend wie ein makaberer Krimi. Die Sonderkommission zur Aufklärung der Heckenschützen-Morde versucht fieberhaft, mit dem Schützen in Kontakt zu treten, der bereits neun Menschen umgebracht und drei weitere Menschen verletzt hat. Mehrfach tauschten Polizei und ein Unbekannter am Montag kryptische Nachrichten aus.

So hatten die Beamten offenbar einen wichtigen Anruf bekommen. Ein Teil sei aber akustisch nicht zu verstehen gewesen, sagte der Polizeichef des Bezirks Montgomery, Charles Moose. Er appellierte daher über TV-Sender und Online-Nachrichtendienste an den Anrufer, es noch einmal zu versuchen.

Moose: "Die Person, die Sie angerufen haben, konnte nicht alles hören, was Sie sagten. ... Rufen Sie uns noch einmal an, damit wir deutlich verstehen können."

Spektakuläre Festnahmen

Zuvor hatte die Polizei in einer spektakulären Aktion zwei Männer festgenommen. Sie galten nach amtlichen Angaben nicht als Verdächtige, wurden aber vernommen. Später stellte sich allerdings heraus, dass die beiden Festgehaltenen offenbar nichts mit den Anschlägen zu tun hatten.

Nach Informationen des Fernsehsenders CBS gingen einige Polizeibeamte davon aus, dass die zwei aus Guatemala und Mexiko stammenden Männer möglicherweise versuchten, von dem Fall zu profitieren und eine Geldforderung gestellt hatten. Bei der Kontaktaufnahme seien sie dann überwältigt worden. In anderen Berichten hieß es, die beiden seien möglicherweise einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.

Augenzeugen beschrieben die Festnahme eines Mannes an einer Tankstelle in Richmond (Virginia). Ein weißer Transporter hält an einer offenen Telefonzelle. Man sieht einen Arm aus dem Fenster heraus nach dem Hörer greifen. "Plötzlich rasen von allen Seiten Polizeiwagen herbei. Es waren bestimmt 30 oder mehr", sagt Augenzeuge R.E. Dotson. "Die Autos umzingeln die Telefonzelle. Beamte reißen die Tür auf, ziehen einen Mann heraus und werfen ihn zu Boden", schildert Dotson. "Es war offenbar alles gut vorbereitet." Bei dem weißen Wagen handele es sich um einen Plymouth Voyager mit einem provisorischen Nummernschild. Die Festnahme erfolgte nicht weit von der Stelle, wo der Heckenschütze am Samstagabend einen Mann angeschossen hatte.

Zeugen beschreiben den Unbekannten als "nicht weiß und nicht schwarz" – es könnte also wirklich der so genannte Sniper sein. Augenzeugen an einem früheren Tatort hatten nämlich die Hautfarbe des Mörders als "oliv" beschrieben - ein Hinweis darauf, dass er ein Hispanier sein könnte. In Virginia habe es "in Zusammenhang mit den Ereignissen an der Telefonzelle" eine zweite Festnahme gegeben, wie ein Polizeisprecher sagt.

Botschaft mit detaillierten Drohungen

Nach dem letzten Anschlag aus dem Hinterhalt hatte der Täter Berichten zufolge eine Botschaft hinterlassen. Der Fernsehsender NBC meldete, die Nachricht sei sehr lang und enthalte detaillierte Drohungen. Sie sei in einem Waldstück hinter einem Restaurant in Ashland entdeckt worden, vor dem am Samstag der Reisende beschossen und lebensgefährlich verletzt worden war. Die Polizei hatte den Autor aufgefordert, eine Telefonnummer anzurufen, "die Sie uns gegeben haben."

Geklärt ist inzwischen, dass der unheimliche Heckenschütze auch für den jüngsten Anschlag am vergangenen Samstag verantwortlich ist. Das hätten ballistische Vergleiche der Kugeln ergeben, sagte ein Polizeisprecher im Bundesstaat Virginia.

Absurde Verdächtigungen

Die Jagd auf den Sniper sorgt inzwischen weltweit für absurde Verdächtigungen. So meinten französische Soldaten in einem vermeintlichen Phantombild des Schützen einen 25-jährigen Deserteur der französischen Armee erkannt zu haben. Das Bild hatte der französische Fernsehsender M6 vor zwei Wochen gezeigt. Allerdings hat die Polizei in Washington nie ein Phantombild veröffentlicht. Ein Zeuge, der den mutmaßlichen Schützen aus nächster Nähe gesehen haben will, wurde als Lügner entlarvt und wegen Falschaussage angeklagt.

In der Region rund um die Städte Ashland und Richmond blieben die Schulen am Montag wegen der Sorge der Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder geschlossen. Betroffen waren mehr als 200.000 Schüler.

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