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07.12.2002
 

Miss-World-Wahl 2002

Parade der beschimpften Kandidatinnen

Als Politikum gilt die Wahl der Miss World schon lange, ein Skandalfall wie bei diesem Mal war sie noch nie: Nachdem der Kontest der Schönen in Nigeria tödliche Proteste provozierte, fand er auch am neuen Austragungsort London fast nur Missbilligung. Am Ende gewann die Kandidatin der Türkei. SPIEGEL ONLINE wagt einen Blick auf die Frauen jenseits der politischen Kontroversen.

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Miss Libanon, Bethany Kehdy, bei einer Pressekonferenz am 25. November Schöne aus dem Osten im Hotelgarten: Miss Russland, Anna Tatarintseva, Miss Ukraine, Iryna Udovenko, Miss Kasachstan, Olga Sidorenko, Miss Lettland, Biba Sbaca, Miss Slowenien, Natasa Krajnc, und Miss Slowakien, Eva Veresova Aus dem Süden Amerikas ins kühle London: Miss Brasilien, Taza Thomson, und Miss Peru, Marina Montero
Fernöstliche Brillenmode: Miss China, Yingwa Wu Traditionelles Auftreten: Miss Indien, Shruti Sharma Aus benachbarten Staaten: Miss USA, Rebekah Revels, und Miss Mexiko, Blanca Zumarraga Contreras
Karibische Kandidatin: Miss Curacao, Ayanette Statia Trotz der Skandale den Blick nach oben gerichtet: Miss Frankreich, Caroline Charmorand, Miss Italien, Susanne Zuber, und Miss Niederlande, Elise Boulougne Insel-Schönheiten, im heimatlichen TV nicht zu sehen: Miss Nordirland, Gayle Williamson, Miss England, Daniella Luan, Miss Wales, Michelle Bush, und Miss Schottland, Paula Murphy
Liebling der Fotografen: Miss Norwegen, Kathrine Sorland Probe vor dem Auftritt: Miss Belize, Karen Russel, Miss Barbados, Natalie Webb-Howell, und Miss Puerto Rico, Casandra Polo Berrios Dreigestirn aus Ostasien: Miss Thailand, Ticha Luengpairoj, Miss Vietnam, Mai Phuong Pham Thi und Miss Japan, Yuko Nabeta


London - Die Gewinnerin heißt Azra Akin, ist 20 Jahre alt, und wuchs in den Niederlanden auf. Ins Rennen ging sie für die Türkei. Akin setzte sich gegen Miss Kolumbien, Natalia Peralta, und Miss Peru, Marina Mora Montero, durch. Die deutsche Indira Selmic kam auf den 21. von insgesamt 92 Plätzen. "Ihr Strahlen bei der Schau war nicht zu übersehen, es hat leider nicht viel genützt", sagte ein Sprecher der Miss Germany Corporation.

Demonstrationen von Feministinnen oder moslemischen Gegnern des Schönheitswettbewerbs blieben am Samstag in London aus. Dies, so kommentierte die BBC, sei ein Zeichen für die Irrelevanz der Veranstaltung für Großbritannien. Kein britischer Fernsehsender hat den Wettbewerb übertragen. Zuvor hatten Politikerinnen, Feministinnen, Schriftstellerinnen und britische Moslems die Veranstaltung unisono als geschmacklos und frauenfeindlich kritisiert. "Diese Mädchen tragen Badeanzüge, von denen das Blut tropft", schrieb die Autorin Muriel Gray.

Die Gewinnerin: Miss World Azra Akin
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DPA

Die Gewinnerin: Miss World Azra Akin

In Nigeria, wo der Wettbewerb ursprünglich stattfinden sollte, hatte er zu schweren Ausschreitungen geführt. Bei den Zusammenstößen zwischen Muslimen und Christen kamen rund 200 Menschen ums Leben. Daraufhin wichen die Organisatoren nach London aus.

Am Freitag hatte das höchste Londoner Gericht auch noch das Vermögen der Veranstalter eingefroren. Die ehemalige Organisatorin der Misswahl in Nigeria wollte damit die Zahlung von umgerechnet 800.000 Euro erzwingen, die ihr die Veranstalter nach ihrer Ansicht noch schulden.

Organisatorin Julia Morley zeigte sich gleichwohl unerschütterlich: "Jetzt kann es nur noch aufwärts gehen. Diese Mädchen sollen einfach Spaß haben". Und während die Briten den Wettbewerb nicht im TV-Programm finden, werden ihn weltweit bis zwei Milliarden Menschen am Fernseher verfolgen können - immerhin wird er in 142 Nationen übertragen.

Kontroversen hat die 1952 von Morleys gestorbenen Mann erstmals organisierte Wahl schon immer provoziert. 1970 warfen britische Feministinnen Mehlbomben in der Royal Albert Hall, in der damals Bob Hope die Wahl moderierte. 1996 schoss die Polizei im indischen Bangalore Tränengas auf Demonstranten; ein Mann brachte sich aus Protest gegen die Veranstaltung durch Selbstverstümmelung selbst um.

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