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27.02.2003
 

Fall Pascal

Mutmaßliche Drahtzieherin des Kindersex-Rings war Jugendschöffin

Eine der Hauptverdächtigen im Fall des ermordeten fünf Jahre alten Pascal aus Saarbrücken war Schöffin für Jugendsachen am Amtsgericht Saarbrücken. Es mehren sich die Hinweise, dass saarländische Behörden ein unkritisches Verhältnis zu der Frau hatten, obwohl deren Milieukontakte hätten bekannt sein müssen.



Pascal starb vermutlich am 30. September 2001
AFP

Pascal starb vermutlich am 30. September 2001

Hamburg - Die Wirtin Christa W. war von 1997 bis 2000 Schöffin für Jugendsachen am Amtsgericht Saarbrücken. Darüber hinaus soll sich die Gastronomin der "Tosa-Klause", in der der fünfjährige Pascal von Angehörigen eines Kinderschänderrings misshandelt und umgebracht worden sein soll, selbst bester Beziehungen zur Saarbrücker Polizei gerühmt haben.

Damit mehren sich die Hinweise, dass saarländische Behörden ein unkritisches Verhältnis zu der Frau hatten, obwohl deren Milieukontakte hätten bekannt sein müssen. Schon am Mittwoch hatte die Polizei bei einer Pressekonferenz mitgeteilt, dass gegen eine Mitarbeiterin des Jugendamtes Saarbrücken ermittelt werde. Sie hatte der Wirtin die Vormundschaft für ein Kind übertragen, das die Gastronomin dann missbraucht und zur Prostitution in der Tosa-Klause gezwungen haben soll.

Die Wirtin hatte bis Mitte 1992 schon die Gaststätte "Pilsstube" im Saarbrücker Stadtteil Malstatt betrieben, die als Umschlagplatz für Drogen galt und unter dem Spitznamen "Gaststätte zum goldenen Schuss" milieubekannt war. Nach einer vorläufigen Rekonstruktion der Polizei war der fünfjährige Pascal am 30. September 2001 bei einem sexuellen Missbrauch in der Tosa-Klause mit Gewalt ruhig gestellt worden, bis er sich nicht mehr rührte. Vermutlich sei die Kinderschänderbande dann in Panik geraten und habe den Jungen mit dem Auto nach Frankreich gebracht.

Unterdessen geht aus einem vertraulichen Bericht für den Rechtsausschuss des saarländischen Landtags vom 29.November 2002 hervor, dass der Spielkamerad von Pascal, ein damals sechsjähriger Junge, der vom Jugendamt in die Betreuung der Wirtin gegeben wurde, in deren Haus in Riegelsberg nicht nur von Christa W., sondern auch von seiner eigenen Mutter, deren Lebensgefährten und vom Partner der Wirtin missbraucht worden sein soll. Der Junge habe ausgesagt, er habe mit Christa W. Pornofilme anschauen und sie befriedigen müssen, sei von seiner Mutter und ihrem Partner zu verschiedenen Formen des Geschlechtsverkehrs gezwungen worden.

Der Partner der Wirtin habe mit mehreren Freunden am Geschlechtsteil des Jungen manipuliert. Durch die Aussagen des Jungen, der nach einer Anzeige des Bruders von Christa W. zu einer Pflegefamilie gebracht worden war, war die Polizei auf eine mögliche Verbindung zum Fall des vermissten Pascal gestoßen.

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