Pünktlich um 11 Minuten vor 11 Uhr war am Montag in Köln der traditionelle Rosenmontagszug gestartet. Rund 10.000 Karnevalisten mit 100 Festwagen und Kutschen sowie 129 Kapellen machten sich auf den rund 6,5 Kilometer langen Weg durch die Domstadt.
Hunderttausende Regenschirmträger warteten an den Straßen auf Kamelleregen: 140 Tonnen Bonbons und andere Süßigkeiten verschleuderten die Narren, darunter 700.000 Tafeln Schokolade und 220.000 Schachteln Pralinen. Prominenteste Kamelle-Werferin war Supermodel Heidi Klum, die eigens aus New York an den Rhein gereist war.
Auf zahlreichen Persiflage-Wagen verhohnepipelten die Jecken unter dem Motto "Klaaf und Tratsch - auf Kölsche Art" (Klatsch und Tratsch - auf Kölsche Art) Bundes- und Lokalpolitiker. Bundeskanzler Gerhard Schröder fuhr als Pappmaschee-Pirat im Zug mit und bekannte auf Kölsch: "Ich bin ene Räuber". Statt des Totenkopfes führte er ein grimmiges Sparschwein in der Flagge. Auch die Opposition fand bei den närrischen Spöttern keine Gnade. So zeigte ein Wagen eine schwerbewaffnete Angela Merkel, die alle männlichen Konkurrenten von Helmut Kohl bis Friedrich Merz zur Schnecke macht. Ihre Argumentationshilfen: Florett, Säbel, Holzhammer und Boxhandschuhe.
Unter dem Motto "Läwe on Läwe losse" (Leben und Leben lassen) feierten Hunderttausende Narren in Düsseldorf. Wie in den anderen Karnevalshochburgen musste sich auch hier Gerhard Schröder Spott gefallen lassen. Mit mehr als zehn Armen wies Schröder in ebenso viele Richtungen und kommandierte: "Da geht's lang". Angela Merkel bekam in Düsseldorf ebenfalls ihr Fett weg. Ein Wagen zeigte ihren innerparteilichen Hauptkonkurrenten, den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, wie er sein Lieblingsgericht auf dem Silbertablett servierte: Den Kopf der CDU-Chefin. Auch das Verhältnis zwischen US-Präsident George W. Bush und Saddam Hussein entlarvten die Düsseldorfer Narren: Die beiden lagen Hand in Hand unter einer Bettdecke.
Die Mainzer Narren beschäftigten sich vor allem mit sich selbst: Das Motto der Veranstaltung lautete: "Tradition und neuer Schwung, Määnzer Fastnacht, die hält jung". Rund 9000 bunt kostümierte Narren, Gardisten, Musiker und Schwellkoppträger zogen unter "Helau"-Rufen durch die bunt geschmückten Straßen. Auf zahlreichen Motivwagen nahmen die Mainzer respektlos die hohe Politik aufs Korn: Gesundheitsministerin Ulla Schmidt stand als Krankenschwester nach einer "Kostenexplosion" ziemlich gerupft da. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement wurde als Supermann porträtiert, den allerdings drei kräftige Pleitegeier auf die Matte schicken: "Nur Super-Kräften kann's gelingen - die Pleitegeier zu bezwingen!" Auch der Streit zwischen FDP-Chef Guido Westerwelle und seinem Kontrahenten Jürgen Möllemann fand sich auf einem Motivwagen wieder. Der ehemalige nordrhein-westfälische FDP-Chef war an eine Rakete gefesselt, Westerwelle spielte mit dem Zünder.
Gruselige Masken, Hexen im Häß und unzähligen Zuschauer waren bei der schwäbisch-alemannischen Fasnet zu sehen: Allein in Rottweil versammelten sich rund 3500 "Kleidlesträger" zum Narrensprung.
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