Hamburg - Mit Pappschildern, auf denen Beschimpfungen wie "Bush, du hast den Arsch offen", aber auch "Wir fordern internationale Solidarität" und "No war" zu lesen war, machten sich die jungen Demonstranten Luft. Auf ihre T-Shirts waren Peace-Zeichen und "Stoppt den Krieg"-Schriftzüge gemalt, dazwischen wehten immer wieder bunte Regenbogenfahnen, als Zeichen des Friedens, in der Sonne.
Etwa 20.000 Hamburger Schüler hatten sich am Vormittag in der Innenstadt versammelt. Von der Schulbehörde zogen sie Richtung Hauptbahnhof und weiter zum US-Generalkonsulat ins vornehme Harvestehude. Friedlich wollten die Jugendlichen am ersten Tag nach den Ferien gegen den Irak-Krieg demonstrieren.
Doch schon nach knapp einer Stunde war es nach einer Kundgebung an einer Brücke in der Nähe des Konsulates, in Hamburg als kleines "Weißes Haus" bekannt, mit dem friedlichen Marsch vorbei: Ein Massenaufgebot an Polizeiwagen hatte sich um das abgesperrte Gelände rund um die US-Vertretung gruppiert. Die ersten jüngeren Schüler bekamen Angst und wollten in die Seitenstraßen flüchten, doch die waren abgesperrt. Schon flogen erste Plastikflaschen. Kurze Zeit später setzte die Polizei Wasserwerfer ein, Panik brach aus. "Bleibt ruhig. Das ist eine friedliche Demonstration", schallte es von einem der Lastwagen, die im Demonstrationszug mitfuhren. Doch die ersten verängstigten Schüler kreischten: "Ich will da an die Seite, die rennen einen ja um."
Ältere Teilnehmer waren weniger zimperlich. Einige Jugendliche und eine Gruppe erwachsener Kurden und Palästinenser hätte die Polizisten mit Holzlatten und Steinen angegriffen und randaliert, sagte ein Polizeisprecher. 21 Personen seinen vorläufig festgenommen worden. 3 der 900 eingesetzten Beamten seien bei den Auseinandersetzungen verletzt worden. Hamburgs Polizeipräsident Udo Nagel sagte, "die Polizei wird friedliche Demonstranten schützen und weiterhin gegen gewalttätige Personen konsequent einschreiten."
Verständnis ja, schulfrei nein
Die 14-jährige Lisa hatte sich mit ihren Freundinnen rechtzeitig in eine Seitenstraße zurückgezogen: "Die Polizei bespritzt alle mit Wasser, die da nicht weggehen wollen und vom Weg abweichen." Sie selbst hat von ihrer Schule heute für den Protest frei bekommen. Einige der Hamburger Schüler durften, wenn sie eine Einverständniserklärung ihrer Eltern in der Schule vorgelegt hatten, an den Protesten teilnehmen.
Doch nicht alle gingen so locker mit diesem Thema um: Eine Teilnahme an einer Demonstration während der Schulzeit gelte als unentschuldigtes Fehlen, sagte der Sprecher der Bildungsbehörde, Hendrik Lange. Die Schulleiter hätten dafür entsprechende Sanktionsmöglichkeiten - das reiche bis zum Schulverweis. Man habe Verständnis für die Betroffenheit der jungen Menschen, aber "ein Streik ist kein geeignetes Mittel".
Eigentlich sollte es friedlich bleiben
Doch die meisten Schüler hatten sich diese Demonstration anders vorgestellt. "Wir sind jetzt vielleicht eine Stunde hier, um friedlich zu protestieren. Wir wollten nicht, dass es eskaliert, aber nun wurden anscheinend auch schon Demonstranten festgenommen", sagte eine Sprecherin der Veranstalter "jugend-gegen-krieg". Aber auch die Lautsprecherdurchsagen konnten die zum Teil sehr jungen Schüler nicht mehr beruhigen, sie stürmten weiter die Straße hinauf, weg vom Geschehen. Während es an den Absperrungen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten gab, waren einige Schüler den Tränen nahe. "Das wird morgen bestimmt in der Klasse besprochen, so wie das da zuging", erzählt der 15-jährige Mirco vom Altonaer Gymnasium.
Von Katrin Gröschel
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