Landstuhl - Für Jessica Lynch ist der Golfkrieg zuende. Seit Mittwochabend liegt die amerikanische Soldatin im US-Militärkrankenhaus in Landstuhl. Beide Beine der 19-Jährigen und einer ihrer Arme sind gebrochen. Ihr Vater Greg Lynch bestritt allerdings vorherige Meldungen, seine Tochter habe mehrere Schuss- und Stichwunden erlitten, als sie vor zehn Tagen im Irak in einen Hinterhalt geriet und gefangen genommen wurde. "Der behandelnde Arzt hat davon nichts gesehen", sagte Lynch. Einer US-Greiftruppe war es am frühen Mittwoch gelungen, die junge Frau aus irakischer Kriegsgefangenschaft zu befreien.
Der Jubel in der Farmer-Stadt Palestine, Bundesstaat West Virginia, war groß, als die Nachricht von der Befreiungsaktion kam. Kaum waren die ersten Bilder über die TV-Schirme geflimmert, versammelten sich Freunde, Verwandte und Nachbarn vor dem Elternhaus der jungen Soldatin. "Jessica lebt", riefen sich die Menschen zu, viele konnten die Nachricht noch nicht glauben. Wenig später sprachen die Eltern zum ersten Mal mit ihrer Tochter.
Die Vorarbeit zu der nächtlichen Aktion hatten offenbar Mitarbeiter der CIA geleistet. Nach Angaben der "Washington Post" war es den Geheimdienstlern gelungen, den Aufenthaltsort der Soldatin zu ermitteln: Ein Krankenhaus in der umkämpften Stadt Nassirija, das als Stützpunkt der berüchtigten Fedajin-Einheiten gilt. Ein Greifkommando, so genannte "Special Operation Forces", die rund um die Uhr auf Abruf an einem Flugplatz in einem Golf-Staat bereitstehen, wurde alarmiert und eingeflogen.
Unmittelbar vor der Befreiungsaktion starteten Einheiten der US-Army einen Ablenkungsangriff auf die Stadt und eine strategisch wichtige Brücke. Panzer und bewaffnete Mannschaftswagen nahmen die Ziele unter Beschuss, außerdem wurde die Stromversorgung ausgeschaltet. In der Dunkelheit und im Chaos der Angriffe stießen die Soldaten des Greiftrupps zum Krankenhaus vor. Mit Panzern und schweren Maschinengewehren schossen sie auf Stellungen der Fedajin, die offenbar nur schwache Gegenwehr leisteten. Schon nach wenigen Minuten hatten die Soldaten den Raum der Gefangenen erreicht, entrissen sie ihren Bewachern.
US-Präsident Bush: "Das ist großartig"
Anschließend wurde Lynch in von den Alliierten kontrolliertes Territorium ausgeflogen. "Amerika ist ein Land, das seine Helden nicht fallen lässt", gab Jim Wilkinson, Sprecher des US-Oberkommandos in Katar, unmittelbar nach dem Ende der Aktion bekannt: "Und es gibt andere Helden, die auf ihre Befreiung warten." US-Präsident George W. Bush lobte die Befreiung als "großartig".
Nach Pentagon-Angaben wurden seit Kriegsbeginn sieben Amerikaner von Irakern gefangen genommen. Zwei Hubschrauberpiloten wurden am 24. März gestellt, nachdem ihr Helikopter zur Landung gezwungen wurde. Zuvor wurden fünf Soldaten in der Nähe von Nassirija gefangen genommen, die später im irakischen Fernsehen gezeigt wurden. Neben den Gefangenen gelten 16 Amerikaner als vermisst.
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