Bremen - "Es ist alles problemlos und glücklich zu Ende gegangen", sagte Walter Wallott, Sprecher der Hildesheimer Polizei. Die zuletzt noch sechs Geiseln hatte der erst 17 Jahre alte Entführer aus dem Libanon freigelassen. Die Befreiten wurden medizinisch und psychologisch betreut.
Der Bremer Innensenator Kuno Böse sagte am Abend auf einer Pressekonferenz in der Hansestadt, die Entführung habe einen islamistischen Hintergrund gehabt. Die Eltern des 17 Jahre alten Jugendlichen hätten am Vortag eine Vermisstenanzeige bei der Polizei gestellt, sagte er am Freitagabend in Bremen. Sie hätten Briefe gefunden, aus denen hervorging, dass ihr Sohn sich in den Nahen Osten begeben wollte. In einem von Böse verlesenen Abschiedsbrief kündigte der Geiselnehmer an, er wolle als Gotteskrieger gegen die Israelis kämpfen und sterben, aber vorher den Israelis das Leben zur Hölle machen. "Ich werde schlimmer sein als Bin Laden und alle anderen", zitierte Böse aus dem Brief.
Der im Libanon geborene Mann sei im vergangenen Jahr eingebürgert worden.
Die Beamten hatten durch die geöffnete Tür des Busses lange mit dem Entführer verhandelt. Er hatte verlangt, mit Bremens Bürgermeister Henning Scherf sprechen zu können und Forderungen politischen Inhalts gestellt, sagte ein Polizeisprecher. Er hatte einen zweiten Fahrer gefordert, um die Fahrt Richtung Süden fortsetzen zu können.
Der Bus war durch einen vorgetäuschten Unfall gestoppt worden und stand dann auf der Autobahn A 7 zwischen Hannover und Hildesheim an der Ausfahrt Algermissen. Dort wurde er von zivilen Fahrzeugen des Sondereinsatzkommandos eingekeilt. Unter den Entführten waren nach ersten Meldungen auch mehrere Kinder. Die Polizei betonte jedoch später, der Entführer sei der Jüngste im Bus gewesen. Im Laufe des Tages hatte der 17-Jährige immer wieder Geiseln freigelassen. Er hatte zwar am Mittag einen Schuss in die Luft abgegeben, verletzt wurde aber niemand.
Das Fahrzeug mit insgesamt zunächst 19 Passagieren wurde am Morgen im Süden Bremens entführt, sagte ein Polizeisprecher in Bremen. Bei dem entführten Fahrzeug handelte es sich um einen Bus der Linie 120 der Verkehrsbetriebe Bremen-Niedersachsen. Nach Aussage eines Zeugen hatte der Täter den Bus gegen 9.40 Uhr gekapert. Er war auf der Strecke Kirchweyhe-Bremen in der Nähe des Flughafens in Richtung Innenstadt unterwegs. Der Passant beobachtete an einer Haltestelle in einem Gewerbegebiet, wie der junge Mann mit gezogener Waffe in den Bus stieg. Nach Angaben der Polizei kamen auf den ersten Metern drei Geiseln frei. Danach fuhr der Bus über die Autobahn rund 150 Kilometer bis kurz vor Hildesheim.
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