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16.05.2003
 

Todesstrafe in Nigeria

Wenn guter Wille zur Gefahr wird

Von Reiner Kramer

Im Internet wird zum Protest gegen die drohende Hinrichtung von Amina Lawal aufgerufen. Der Urheber der Kampagne soll Amnesty International sein. Doch das weist die Organisation zurück: Die Petition könnte der Nigerianerin sogar schaden.

Amina Lawal mit ihrer Tochter: Sie soll wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt werden
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AP

Amina Lawal mit ihrer Tochter: Sie soll wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt werden

Hamburg - Auf den ersten Blick sieht alles so aus, wie man es bei einer Botschaft von Amnesty International (ai) erwartet: Die E-Mail verweist auf eine Web-Seite, die angeblich von der spanischen Sektion der Menschenrechtsorganisation geschaltet wurde. Und diese Seite trägt das Logo der Vereinigung. Sie fordert zur Unterzeichnung einer Petition auf, um das Leben von Amina Lawel zu retten, die wegen Ehebruchs in Nigeria gesteinigt werden soll. Ihre Wirkung verfehlt die schockierende Nachricht über die angeblich schon bald bevorstehende Hinrichtung der Frau nicht: Über fünf Millionen Menschen unterzeichneten bislang die elektronische Unterschriftenaktion, berichtet der "Guardian".

Amnesty International distanzierte sich jedoch von der Aktion: "Wir sind nicht Urheber der Kampagne", sagte Julia Anatonakis, die bei ai in Deutschland für Nigeria zuständig ist, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Zudem seien die Aussagen in der E-Mail falsch: Die Frau werde nicht am 3. Juni hingerichtet, an diesem Tag werde sie vor dem Scharia-Berufungsgericht verhört, erklärte die ai-Mitarbeiterin weiter. "Derzeit sind die Rechte von Frau Lawal auf ein faires Verfahren und auf Berufung gewahrt", sagte Anatonakis. Zum jetzigen Zeitpunkt sei der Protest eher "kontraproduktiv". Eingriffe in das laufende Verfahren könnten dazu führen, dass sich das Gericht als unabhängige Instanz angegriffen fühle. Der Urheber der Falschmeldung ist bislang unbekannt.

Amina Lawal wurde am 22. März vergangenen Jahres von einem islamischen Gericht von Bakori in Katsina im Norden Nigerias zum Tode durch Steinigung verurteilt. Ihr wird Ehebruch zur Last gelegt. Die 31-Jährige hatte acht Monate nach ihrer Scheidung eine Beziehung mit einem Verwandten ihres Ex-Mannes - und wurde dabei schwanger. Nach Auslegung der rigiden Gesetze der islamischen Scharia ist das ein Fall von Ehebruch, der mit dem Tode geahndet werden kann. Der angebliche Vater hatte abgestritten, Sex mit der Frau gehabt zu haben. Das Urteil soll im Januar 2004 vollstreckt werden, sobald ihre Tochter entwöhnt ist. So lange ist Lawal auf freiem Fuß.

Weltweit stieß der Richterspruch auf große Empörung. Auch der christliche nigerianische Staatspräsident Olusegun Obasanjo kritisierte den Richterspruch. Im Norden Nigerias gilt in 12 der 36 Bundesstaaten seit einigen Jahren die Scharia als Grundlage für die Rechtssprechung.

Im vergangenen Jahr hatte der Fall Lawal international für Aufregung gesorgt. Einige Länder hatten aus Solidarität zu der Frau ihre Teilnahme an der Miss-World-Wahl in Nigeria abgesagt. Die Wahlen hatten für schwere Ausschreitungen zwischen Muslimen und Christen im Land geführt. Mehr als 200 Menschen waren getötet worden, Tausende verletzt.

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