Montag, 23. November 2009

Panorama



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22.05.2003
 

Grand Prix Eurovision 2003

Gegen wen Lou anträllern muss

Beim letztjährigen Grand Prix Eurovision in Tallinn erlebte Ralph Siegel ein Fiasko. Die blinde Corinna May landete auf Platz vier - von unten. "Wie Arsch und Friedrich", wetterte Siegel, der den Song selbst komponiert hatte. In Riga will der Schlagermacher die erlittene Schlappe wiedergutmachen. Am Samstagabend schickt er Lou ins Rennen um den Sieg - die Konkurrenz feixt jetzt schon. SPIEGEL ONLINE stellt die rothaarige Röhre und ihre 25 Gegner vor.

 sie wurde auf der Insel auch zur Künstlerin des Jahres gewählt. Außerdem gilt sie als talentierte Songtexterin. Österreich, bislang in der Grand-Prix-Geschichte nicht mit progressiven Beiträgen aufgefallen, schickt in diesem Jahr mit Alf Poier einen singenden Kabarettisten ins Rennen. Eine Gaga-Nummer, die am ehesten an die Erste Allgemeine Verunsicherung erinnert. Der Titel "Weil der Mensch zählt" spaltet die Alpenrepublik. "Eine Schande", sagen viele Grand-Prix-Fans. Dabei will sich Poier mit seinem Text offenbar für den Tierschutz einsetzen: "Es sterben bald alle Vögel, es sterben bald alle Käfer - Nur im Bett da liegt der Adam und vermehrt sich mit der Eva." In einer lang angelegten Casting-Show hat Irland seinen Kandidaten für den Grand-Prix gefunden: Mickey Harte. Der 29-Jährige kennt die Bühne bestens. Seit 14 Jahren tingelt er mit seiner Band Kryptic durch irische Pubs. Um seinen Grand-Prix-Song "We've Got The World" gab es kurzzeitig Aufregung. Das Lied soll wie eine Kopie von "Fly On The Wings Of Love" klingen - damit gewann Dänemark den Song-Contest im Jahr 2000. Doch die Grand-Prix-Verantwortlichen haben das Stück schließlich doch zugelassen. Beim diesjährigen Grand Prix gibt die Türkei eine lange Tradition auf. Das Land ist nicht mit einem Song in Landessprache, sondern mit einem englischen Lied vertreten: "Everyway That I Can", gesungen von der Sängerin Sertab Erener. In der Türkei ist sie ein Star: Sertab hat bereits vier Millionen Alben verkauft - und mit internationalen Größen wie José Carreras oder Ricky Martin zusammengearbeitet. Ihre Karriere als Sängerin begann sie mit Auftritten in Istanbuler Clubs, unterstützt durch ihre eigene Band.
Island Österreich Irland Türkei
Malta schickt eine Newcomerin ins Rennen um den Sängerpreis. Die 22-jährige Lynn Chircop trällert für ihr Land eine leichte Popballade - mit dem Titel: "To Dream Again". Lynn ist Musiklehrerin und hat unter anderem an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig studiert. Englisch, Deutsch und Italienisch spricht sie fließend. Im maltesischen Fernsehen moderiert und produziert sie eine Jugendsendung. Sie ist jung und hat dennoch Bühnenerfahrung. Die 22-jährige Mija Martina singt für Bosnien-Herzegowina das Lied "Ne Brini". Bereits mit drei Jahren hat sie einen Talentwettbewerb gewonnen, mit sechzehn hatte sie ihren ersten professionellen Auftritt. Mija Martina arbeitet als Journalistin und Moderatorin beim Fernsehen. Sie spielt Klavier und Flöte. Ihr Grand-Prix-Song erinnert an Tom Jones Superhit "Sexbomb". In Portugal verlief die nationale Vorentscheidung zum diesjährigen Grand-Prix außergewöhnlich. Eigentlich war eine Casting-Show geplant - letztlich entschied aber das portugiesische Fernsehen, wer das Land vertritt: Rita Guerra singt "Deixa-Me Sonhar (Só mais uma vez)" für ihre Heimat. Die Sängerin hat nicht nur bereits vier Alben veröffentlicht. Die 35-Jährige verdient ihr Geld auch als Musical-Sängerin und Fernsehmoderatorin. Sie ist das Küken beim diesjährigen Grand Prix. Claudia Beni, 17, angehende Friseurin, singt den Titel "Više Nisam Tvoja" für ihre Heimat. Beim nationalen Vorentscheid wurde in diesem Jahr auch darüber abgestimmt, in welcher Sprache der Siegersong vorgetragen werden soll. Das Votum der Anrufer war eindeutig: in Landessprache. Komponist und Sängerin entschieden sich trotzdem für einen Mix - aus halb kroatisch, halb englisch.
Malta Bosnien-
Herzegowina
Portugal Kroatien
Er hat sein Lied für Zypern selbst komponiert und getextet. Der 30-jährige Stelios Konstantas startet in Lettland mit dem Lied "Feeling Alive". Der Song wurde nicht - wie in den vergangenen Jahren üblich - bei einem Vorentscheid von den zypriotischen Zuschauern ausgewählt. Eine interne Kommission hatte sich für Stelios Konstantas entschieden. Für den unermüdlichen Grand-Prix-Kämpfer Ralph Siegel beginnt wieder die nervenaufreibendste Zeit des Jahres. Diesmal hofft der 57-jährige Komponist, mit Sängerin Lou und dem Song "Let's Get Happy" Europas Schlagerkrone endlich wieder nach Deutschland zu holen. Es gilt das vorjährige Grand-Prix-Debakel von Corinna May wieder gut zu machen. Siegels Sängerin landete damals abgeschlagen auf dem 21. Platz. Die rothaarige Lou will jetzt einen "anständigen Platz" holen. Bevor sich die 39-Jährige ihrer Bühnenkarriere widmete, machte sie eine Ausbildung als Apothekenhelferin, wurde Boutiquenbesitzerin und eröffnete eine Kneipe. Nun tourt der Rotschopf schon seit mehr als 17 Jahren mit eigener Band durch die Lande und erfreut ihre Fans vornehmlich mit Coversongs. Sie sind beim Grand-Prix-Finale in Riga der einzige internationale Top-Act. Für Russland startet das Girlie-Duo t.A.T.u. Die beiden jungen Sängerinnen haben zuletzt mit englischen Songs wie "All The Things She Said" Charterfolge gelandet und durch ihre erotische Lesbenshow schon manchen Skandal produziert. Einige der europäischen Fernsehmacher befürchten, dass ihr elegantes Songfest von den Russinnen als Krawallbühne missbraucht werden könnte. Vielleicht gelten gerade deshalb die beiden Mädels bei den Buchmachern als klare Favoritinnen - und möglicherweise sind sie auch ein Zuschauermagnet. Dass die Mädels nicht auf den Mund gefallen sind, bewiesen sie erst kürzlich: Lou, die für Deutschland startet, bezeichneten die 18-Jährigen als "Knusperhexe". Spanien wählte die Suche nach den Kandidaten für das Grand-Prix-Finale per mehrwöchiger Casting-Show - einer Mischung aus Superstar und Big Brother. Wenn jetzt für die Südländer die Sängerin Beth mit ihrem Song "Dime" in den Wettbewerb geht, haben ihre Landsleute sie schon lange ins Herz geschlossen. Die Finalsendung des spanischen Vorentscheids erreichte die Traumeinschaltquote von 40 Prozent. Beth wünscht sich, einmal die Hauptrolle in einem Musical zu übernehmen. Sie selbst hält sich für extrovertiert, sensibel und optimistisch.
Zypern Deutschland Russland Spanien
Seit 30 Jahren ist Israel beim Grand Prix dabei. Drei Mal hat das Land bereits den Song-Contest gewonnen. Jetzt soll es Lior Narkis mit dem Titel "Words For Love" zum vierten Mal schaffen. Vor gut zehn Jahren hat der 27-jährige Israeli sein erstes Album veröffentlicht, mittlerweile sind es bereits acht. In Riga versucht der Sänger, mit einem temporeichen Latino-Dance-Song einen Sieg zu landen. Doppelt hält besser, dachte sich wohl die niederländische Musikdozentin Esther Hart - und trat gleich in zwei Ländern zum nationalen Vorentscheid an: sie schaffte es in die britische Finalrunde und startete in ihrer Heimat mit "One More Night". Als es dort zum Sieg gereicht hatte, zog die 32-Jährige ihre Teilnahme am britischen Vorentscheid zurück. Privat hört Esther Hart alles, von Funk bis R&B. Gemma Abbey, 21, und Chris Cromby, 20, bilden das Popduo Jemini, das für Großbritannien an den Start geht. Ihr Titel "Cry Baby" ist ein Latino-Popsong. Die Beiden kennen sich schon seit sechs Jahren, gemeinsam tingelten sie als Tricity durch Clubs und Bars. Unmittelbar vor dem britischen Vorentscheid änderten sie ihren Bandnamen in Jemini um. Für beide Sänger aus Liverpool stehen die Chancen auf einen der oberen Plätze gar nicht so schlecht - glaubt man der Statistik. Denn Großbritannien gewann bereits 5 Mal den Song-Contest, ganze 15 Mal Platz zwei. Er ist ein Ex-Boxer und diplomierter Chormeister - und er hat wirklich starke Fans. Die Klitschko-Brüder sollen von Olexandrs Song "Hast La Vista" so begeistert sein, dass sie ankündigten, in Riga persönlich ihren Favoriten aus der Ukraine anzufeuern. Olexandrs Lied ist eine Mischung aus Pianoballade und Latino-Dance. Grand-Prix-Experten schließen nicht aus, dass die Ukraine mit diesem Lied einen Überraschungserfolg landet.
Israel Niederlande Großbritannien Ukraine
Zu Hause in Griechenland ist sie schon lange ein Star, sie hat sogar einen eigenen Fan-Club. Jetzt will die 30-jährige Mando auch europaweit mit ihrem Lied "Never Let You Go" begeistern. Mando kommt aus einer musikalischen Familie. Ihr Vater ist Jazzpianist, die Mutter Opernsängerin. Beide erkannten schon früh das Talent ihrer Tochter. Bereits mit vier Jahren konnte Mando Opernarien singen.  bis zum Finale hatte er nicht einmal einen Plattenvertrag. Doch mittlerweile ist sein Song ein richtiger Ohrwurm geworden und Jostein hat endlich den ersehnten Vertrag mit einer Plattenfirma in der Tasche. Frankreich glänzt mit einer orientalisch angehauchten Ballade. Ins Rennen geht Louisa Baileche mit dem Lied "Monts Et Merveilles". Die Karriere der 33-Jährigen war nicht geradlinig. Louisa begann zunächst als Tänzerin und Comedian, bevor sie sich für eine Laufbahn als Sängerin entschied. Immer wieder setzt Frankreich auf unbekannte Sängerinnen, die vor allem mit stimmlichen Qualitäten punkten sollen. Louisa wurde vom französischen Sender France 3 intern für das Finale in Riga nominiert. Sie waren auch beim deutschen Vorentscheid in Kiel dabei: Die Band Ich Troje erreichte allerdings nicht einmal die Finalrunde. Aber in Polen hat es geklappt. Erstmals stimmten die Polen in einem öffentlichen Fernsehvoting über ihre Kandidaten ab. Ich Troje vertritt das Land mit dem Lied "Keine Grenzen - Zadnych Granic". Im Mittelpunkt steht Multitalent Michael Wiesnewski. Er ist unter anderem Besitzer des ersten Karaoke-Clubs in Polen und hat eine kleine Firma für Plastikmagnetkarten gegründet.
Griechenland Norwegen Frankreich Polen
Gastgeber Lettland stellt die Band F.L.Y, die mit ihrem Song "Hello From Mars" selbstironisch aufmerksam machen wollen auf ihr bisher eher unbekanntes Heimatland. Die Idee zur Gründung von F.L.Y. kommt von Bandleader Martins Freimanis. Der Name der Gruppe setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Vor- bzw. Nachnahmen aller drei Mitglieder zusammen (Freimanis, Lauris, Yany). Das Land des Titelverteidigers präsentiert sich mit "Hello From Mars" erneut Erfolg versprechend. Für Belgien startet die Band Urban Trad, die in einer Fantasiesprache ihr Lied "Sanomie" präsentieren. Die Folkband will mit keltischen Gesängen verzaubern. Urban Trad gibt es seit zwei Jahren. Bandleader Yves Barbieux erfüllte sich damit einen Traum. Er gewann für das Projekt verschiedene Künstler, die ihre Wurzeln in Folk und traditioneller Musik sehen. Die Band gilt unter Grand-Prix-Beobachtern in Riga als Geheimtipp. Zurück in die Achtziger will die Band aus Estland. Ruffus tritt an mit ihrem Lied "Eighties Come Back". Die fünfköpfige Gruppe hat eine gemeinsame, musikalische Vergangenheit - allerdings unter einem anderen Namen. Clair's Birthday hieß die Formation vor dem nationalen Vorentscheid. Unter diesem Namen haben die Musiker vor drei Jahren Alice Cooper auf seiner Tour durch Estland und Litauen begleitet. Für das Finale in Riga hat sich die Band schließlich in Ruffus unbenannt. Rumänien präsentiert sich ganz zeitgemäß beim europäischen Songcontest. Mit Nicola - einer Mischung aus Britney Spears und t.A.T.u. - will sich das Land modern zeigen. Ihr Song heißt "Don't Break My Heart". Insgesamt versuchte Nicola bis 2002 bereits fünf Mal ihr Glück beim nationalen Vorentscheid. Erst in diesem Jahr hat's für die Rumänin schließlich geklappt.
Lettland Belgien Estland Rumänien
Ganz Abba-esque soll es auch in diesem Jahr für Schweden zugehen. Die Band "Fame" tritt an mit ihrem Song "Give Me Your Love". Unmittelbar nach dem Vorentscheid stürmte das Duo mit ihrem Lied die Radiocharts. Die Band besteht aus der 29-jährigen Jessica Andersson und dem 36-jährigen Markus Bäcklund. Beide kennen sich aus der schwedischen Castingshow "Fame Factory", in der sie 2002 als Konkurrenten gegeneinander antraten. Sie ist in Berlin zur Schule gegangen und kehrte dann in ihre Heimat zurück. Der Karriere wegen. Jetzt steht Karmen am Ziel ihrer Träume. Für Slowenien tritt sie mit ihrem Lied "Nanana" beim Grand Prix an. Karmen schreibt ihre Songs selbst und textet auch für andere slowenische Musiker. Sie zählt zwar zu den Topstars in Slowenien und ist bereits mehrere Male zum nationalen Vorentscheid angetreten - aber erst in diesem Jahr kam für Karmen der Erfolg im slowenischen Grand-Prix-Finale.
Schweden Slowenien    



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