Algier - Algerische Medien berichteten von zwei Erdstößen in der Region um die Hauptstadt Algier. Dabei seien Häuser eingestürzt und Menschen in Panik aus dem Fenster gesprungen, berichteten Augenzeugen.
Auch ein Krankenhaus wurde zerstört. Der staatliche Rundfunk unterbrach sein Programm und rief die Menschen auf, ihre Häuser zu verlassen. Ärzte und Krankenschwestern wurden aufgefordert, sich an ihren Arbeitsstellen zu melden. Die Bevölkerung wurde um Blutspenden gebeten.
Bislang wird von mindestens 540 Toten und fast 4640 verletzten Menschen berichtet. Unter den Trümmern der Wohnhäuser werden noch weitere Tote befürchtet. Verletzte werden auf offener Straße behandelt.
Das Beben, das die Region um die Hauptstadt Algier am Mittwochabend gegen 19.45 Uhr Ortszeit erschütterte, hatte nach offiziellen algerischen Angaben eine Stärke von 5,2 auf der Richterskala. Andere Quellen sprachen von einer Stärke von 6,7. Das Epizentrum lag rund 70 Kilometer östlich von Algier nahe der Stadt Thénia. Das Beben habe sehr große Schäden angerichtet, hieß es. Mancherorts seien Telefonverbindungen und die Stromversorgung zusammengebrochen.
Präsident Abd al-Asis Buteflika berief einen Krisenstab ein. Es ist das schlimmste Erdbeben in Algerien seit 1980, als bei einem Beben mit der Stärke 7,7 auf der Richterskala rund 5000 Menschen getötet wurden.
Die Auswirkungen des Bebens waren bis nach Spanien zu spüren. Auf der Mittelmeerinsel Mallorca und den anderen Baleareninseln versetzten die Erdstöße zahlreiche Bewohner in Angst und Schrecken. Wie die Lokalbehörden in der Nacht zum Donnerstag mitteilten, löste das Beben an den Küsten meterhohe Wellen aus.
Spezialisten aus Deutschland nach Algerien aufgebrochen
Die Bundesregierung zeigte sich angesichts des verheerenden Erdbebens bestürzt. Die große Zahl der Todesopfer, Verletzten und obdachlos Gewordenen habe in Deutschland große Betroffenheit ausgelöst, erklärte Außenminister Joschka Fischer in Berlin. "Unser Mitgefühl und Beileid gilt den Opfern und Angehörigen." Die Bundesregierung hatte noch in der Nacht der algerischen Regierung umgehend Hilfe angeboten. Bereits am Morgen wird ein Team des Technischen Hilfswerks in Algerien eintreffen.
Auch aus Frankreich ist Hilfe unterwegs: Am Vormittag bringen zwei Maschinen der französischen Luftwaffe 120 Spezialisten der zivilen Sicherheitskräfte nach Algier. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac sicherte Algerien zu, jede mögliche Unterstützung zu leisten. "Frankreich steht in dieser schmerzlichen Prüfung mehr denn je an der Seite des befreundeten algerischen Volkes", schrieb Chirac in einer Nachricht an den algerischen Präsidenten.
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