Berlin/Magdeburg/München - Ausnahmezustand herrscht inzwischen nicht mehr in der Hauptstadt. Nach den schweren Gewittern vom Donnerstagabend war die Feuerwehr im Dauereinsatz, um voll gelaufene Keller auszupumpen, umgestürzte Bäume von den Straßen zu räumen oder überschwemmte Kreuzungen wieder befahrbar zu machen.
Nach Angaben eines Bahnsprechers war der Berliner S-Bahn-Verkehr für mehr als eine Stunde zum Erliegen gekommen, weil ein entwurzelter Baum zwischen Wannsee und Grunewald die Gleise blockiert hatte. Dennoch erklärte der Sprecher: "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen."
Dasselbe bestätigte auch die Berliner Feuerwehr. Zwar hatte am Abend zwei Stunden lang der Ausnahmezustand geherrscht, die Gewitter hätten aber nicht so große Zerstörung hinterlassen, wie erwartet. Der schlimmste Vorfall ereignete sich in Mitte. Dort stürzte ein 15 hoher Baum in den Vorgarten eines Restaurants und verletzte einen Menschen. Orkanstärke erreichte der Wind in Wannsee. Hier wurde eine Geschwindigkeit von 107 Stundenkilometern registriert.
In Magdeburg mussten viele der rund 230.000 Einwohner kurze Zeit ohne Strom auskommen. Blitzeinschläge hatten die Versorgung unterbrochen. Die gesamte Innenstadt war nach sintflutartigen Regengüssen überflutet.
Auf der Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Leipzig blieb ein ICE stecken, nachdem ein Blitz die Oberleitung beschädigt hatte. Der Zug, in dem rund 400 Fahrgäste saßen, musste mit Hilfe einer Diesellok in den Bahnhof nach Leipzig gezogen werden.
Mehrere Verletzte und erheblicher Sachschaden - das ist die Bilanz der bayerischen Polizei am Freitagmorgen: In München wurden drei Bauarbeiter vom Blitz getroffen und verletzt. Die Männer hatten in einem metallenen Baucontainer Schutz vor dem Gewitter gesucht. Vier Gebäude fingen nach Blitzeinschlägen in Nürnberg Feuer.
An die hundert Keller liefen allein in Niederbayern voll, ein Einfamilienhaus in Leiblfing wurde von einer Schlammlawine erfasst. Telefonleitungen brachen reihenweise zusammen und ein Wasserrohr in einer Mülldeponie platzte, weil es dem Druck nicht mehr standhalten konnte.
Der Deutsche Wetterdienst meldete Rekordniederschläge. Vielerorts regnete es so stark, dass die Litermengen in einer guten Stunde die Werte eines ganzen Monats überstiegen. So zum Beispiel im baden-württembergischen Waldsee. Hier strömten 75 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb von nur 84 Minuten auf die Erde.
Mt den tosenden Unwettern endeten die erdrückende Schwüle und tropischen Temperaturen der vergangenen Tage. In Leipzig sanken die Temperaturen rasant von 29 auf 18 Grad. Die dortige Unwetterwolke hatte sich auf einer Höhe von 14 Kilometern aufgetürmt. Laut deutschem Wetterdienst herrschten an der Oberkante der Wolke minus 66 Grad.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH