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16.06.2003
 

Brasilianische Indianer

Vendetta bis zum letzten Mann

Von Matthias Matussek, Rio de Janeiro

In einer Fehde im peruanisch-brasilianischen Grenzgebiet droht ein abgeschieden lebendes, steinzeitliches Indianervolk zu verschwinden – ausgerottet von einem höher entwickelten Nachbarstamm.

Unberührter Regenwald: Blutrausch in der grünen Hölle
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DPA

Unberührter Regenwald: Blutrausch in der grünen Hölle

Vor rund drei Wochen töteten isoliert lebende Indios im Amazonas drei Angehörige des Ashaninka-Volkes, das eine der größten indigenen Populationen des Kontinents bildet. "Das Verbrechen", so berichtet nun das brasilianische Magazin "Veja", "hat eine Welle von Vergeltungstaten ausgelöst, die bisher 51 Opfer gekostet haben".

Bei den Opfern der Racheakte handelt es sich, so alarmierte Ethnologen, um ein Indianervolk, das bisher offenbar nicht kontaktiert und spezifiziert werden konnte, von dem man aber annehmen kann, dass es nicht sehr zahlreich ist. Es handelt sich um eines der versprengt im undurchdringbaren Dschungel lebenden Völker, die von den höher entwickelten Ashaninkas nur verächtlich "Amowakas" genannt werden - "die niederen Wesen". Die jetzt tobende Vendetta könnte sie auslöschen.

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DER SPIEGEL
Die Vendetta im Dschungel hat eine uralte Vorgeschichte. Vor über 300 Jahren bereits waren die Ashaninkas, das vorherrschende Amazonas-Volk dieser Region, durch Franziskaner-Brüder in Kontakt zu den Weißen gekommen. Als gedungene Söldner halfen die Ashaninkas später den weißen Kautschuksammlern, indem sie ihnen die primitiven Nomadenstämme und deren rohe Krieger vom Halse hielten.

Diese Steinzeit-Völker gibt es immer noch. Mindestens sechs deutlich voneinander zu unterscheidende Stämme leben in Gruppen von 30 bis 200 im Wald.

Die Ashaninkas dagegen zählen rund 50.000 Angehörige und unterhalten ein sehr effizientes Nachrichtensystem. Ihre Krieger verfügen über Feuerwaffen und sind immerhin mutig und gerüstet genug, um sich die Terroristen des "Leuchtenden Pfades" vom Leibe zu halten, die vor einiger Zeit einige ihrer Ansiedlungen belästigten - mit einer 3000 Mann starken Armee vertrieben die Ashaninkas die peruanischen Maoisten.

Der Forscher Carlos Mireilles, der sich seit 17 Jahren den versprengt lebenden Steinzeit-Indios widmet, befürchtet wohl nicht zu Unrecht, "dass die Eskalation dieses Konfliktes ein ganzes Volk auslöschen kann". Letzte Nachricht aus dem Dschungel: In einer einzigen der Steinzeitsiedlungen soll es 48 Tote gegeben haben.

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