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08.07.2003
 

Der Fall Friedman

Chronik einer Affäre

Vier Wochen lang bestimmte die Affäre Friedman die Schlagzeilen: Hausdurchsuchung, Haarprobe, ein beleidigter Staatsanwalt und schließlich ein Pizzabäcker, der ein Fax erhielt.

Friedman: Gefürchtet als "TV-Scharfrichter"
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DDP

Friedman: Gefürchtet als "TV-Scharfrichter"

Friedman gerät durch eine Telefonüberwachung ins Visier der Ermittler, die einer Bande von Menschenhändlern auf der Spur war. Ukrainische Prostituierte sagen aus, Friedman habe in ihrem Beisein in einem Berliner Hotel Kokain konsumiert und ihnen die Drogen angeboten.

11. Juni:Die Berliner Justiz veranlasst eine Durchsuchung in Friedmans Büro und seiner Privatwohnung in Frankfurt am Main. Dabei werden "szenetypische Päckchen" gefunden. Dem TV-Moderator werden Haare für eine chemische Analyse entnommen.

Am selben Abend tritt Friedman zu seiner ARD-Talkshow vor die Kameras. Danach erleidet er nach unbestätigten Berichten einen Nervenzusammenbruch.

12. Juni: Wegen der Drogen-Vorwürfe lässt Friedman seine Tätigkeit als TV-Moderator für den Hessischen Rundfunk bis auf weiteres ruhen. Friedman taucht unter.

13. Juni: Die Berliner Staatsanwalt gibt bekannt, dass drei "szeneübliche Tütchen" aus Friedmans Wohnung Kokainspuren aufweisen. Friedmans Anwalt Eckart Hild lehnt eine Vernehmung seines Mandanten bis zur Akteneinsicht ab.

16. Juni: Die Junge Union (JU) Hessen fordert Friedman auf, seine Mitgliedschaft in der CDU bis zur endgültigen Klärung ruhen zu lassen.

17. Juni: Die ARD hält die Entscheidung über eine Fortsetzung ihrer Zusammenarbeit mit Friedman weiter offen. Einer Umfrage zufolge wollen mehr als die Hälfte der Deutschen den unter Drogenverdacht stehenden Moderator nicht mehr als politischen Fernsehmoderator sehen.

18. Juni: Friedmans Anwalt Eckart Hild legt bei der Berliner Justiz Beschwerde gegen die Ermittlungen ein. Das SWR-Magazin "Report" meldet, ein angebliches pikantes Video mit Friedman sei dem früheren Büroleiter von Jürgen Möllemann angeboten worden. Unionsfraktionsvize Friedrich Merz distanziert sich von Friedman als CDU-Mitglied.

19. Juni: Friedmans Anwalt vergleicht die Informationspolitik der Berliner Justiz mit einer "öffentlichen Hinrichtung" seines Mandanten. Die Berliner Justiz verhängt eine Informationssperre. Der ehemalige Kulturstaatsminister und heutige "Zeit"-Herausgeber Michael Naumann spricht von einem "durchgeknallten Staatsanwalt". Generalstaatsanwalt Hansjürgen Karge erstattet daraufhin Anzeige wegen Beleidigung gegen Naumann.

20. Juni: Der öffentliche Rückhalt für Friedman wächst. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries nimmt ihn ebenso wie CSU-Chef Edmund-Stoiber vor Vorverurteilungen in Schutz.

21. Juni: Die Berliner Justiz prüft jetzt auch Spuren, die in den Bundestag führen. Die Staatsanwaltschaft ordnet an, die Benutzer mehrerer Diensttelefone im Parlament zu ermitteln.

23. Juni: Die Analyse der von Michel Friedman abgegebenen Haarprobe ergibt laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung, dass er Drogen konsumiert hat. Der Kokainkonsum werde in dem Gutachten als "mäßig" und "gelegentlich" eingestuft.

26. Juni: Der Ältestenrat des Bundestages nimmt Abgeordnete gegen den Verdacht in Schutz, über Diensttelefone Prostituierte bestellt zu haben.

27. Juni: Friedmans Lebensgefährtin, die TV-Moderatorin Bärbel Schäfer, geht auf Distanz zu ihrem Partner. Sie müsse mit dem Fall "erst einmal fertig werden", sagt sie der "Bild"-Zeitung.

28. Juni: Die Berliner Staatsanwaltschaft erwägt Strafanzeige wegen Beleidigung gegen Berliner Filmproduzenten Artur Brauner. Brauner hatte den Vorwurf geäußert, im Fall Friedman hätten "braun gefärbte Juristen" agiert.

29. Juni: Führende Vertreter jüdischer Organisationen kritisieren die deutschen Medien. Die Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, spricht in einem Interview des SWR-Magazins "Report" von "Rufmord". Es handele sich um einen "Angriff nicht nur auf Friedman, sondern auch auf die Juden in der Bundesrepublik Deutschland".

2. Juli: Hilds Kanzlei faxt einen fünfseitigen Vermerk mit Ermittlungsergebnissen der Staatsanwaltschaft an einen Pizzabäcker. Dieser gibt den Bericht an Dritte weiter, und die "Bild"-Zeitung veröffentlicht die Informationen. Die Berliner Justiz bezeichnet den Aktenvermerk als authentisch.

3. Juli: Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, weist erneut Forderungen nach dem Rücktritt seines Stellvertreters zurück.

4. Juli: Spiegel und andere prominente Juden erklären, die Berichterstattung über den Fall Friedman seien nicht als antisemitisch zu bewerten.

5. Juli: Trotz der Fax-Panne seiner Verteidigung will Friedman nicht den Anwalt wechseln.

7. Juli: Friedmans Verteidigung teilt mit, dass das Strafverfahren sei rechtskräftig abgeschlossen.

8. Juli: Friedman tritt erstmals nach Beginn der Affäre vor die Medien. Er kündigt an, alle öffentlichen Ämter niederzulegen. Gleichzeitig akzeptiert er einen Strafbefehl wegen illegalen Kokainbesitzes in Höhe von 17.400 Euro. Damit gilt er als vorbestraft. Er entschuldigt sich bei der Öffentlichkeit und bei seiner Lebensgefährtin Bärbel Schäfer für sein Verhalten und bittet um eine zweite Chance.

Die Berliner Staatsanwaltschaft betont auf einer Pressekonferenz, dass sie nach eigener Einschätzung korrekt gehandelt habe. Man habe nur die gesetzliche Aufgabe erfüllt, Verdachtsmomenten nachzugehen, sagt Justizsprecher Björn Retzlaff. Die Ermittlungen seien auf zehn Fälle von illegalem Drogenbesitz beschränkt worden, sagte Retzlaff. "Da lag das Schwergewicht der Taten."

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