Von Dominik Baur
Am unmittelbarsten betroffen freilich sind die Dompteure. "Das ist ein Berufsverbot für uns", klagt Claus Kröplin, der Vorsitzende des Berufsverbands der Tierlehrer. Umweltminister Dietzel spreche von Tierquälerei, regt er sich auf. Das sei immerhin eine Straftat. "Ich soll mir von dem vorwerfen lassen, dass ich 52 Jahre lang mit einer kriminellen Tätigkeit meinen Lebensunterhalt verdient habe?"
Von den drei Tierarten, die jetzt verboten werden sollen, sind es in erster Linie die Elefanten, die die Gemüter erhitzen. Bären- und Affennummern gibt es kaum noch. Elefanten aber sind symbolträchtig - und die absoluten Lieblinge des Publikums, besonders der Kinder. "Das ist das Ende des klassischen Zirkus", schallt es nun aus den fahrenden Betrieben. Die "Gesellschaft der Circusfreunde Deutschlands" plant eine Postkarten-Aktion gegen den Hessen-Vorstoß.
Das Thema polarisiert, wirklich neutrale Experten gibt es nicht. "Große Tiere sind einfach sehr emotionalisierend, da hat man das Herz schnell im Hals", sagt einer, der zumindest beide Seiten kennt: Fred Kurt hat als junger Mann bereits als Stallbursche gearbeitet und lange Zeit die Tiere des "Schweizer National-Circus Knie" studiert. Inzwischen lehnt der Zoologe und Elefantenexperte die Haltung der grauen Riesen im Zirkus ab. Die größten Probleme seien die mangelnde Bewegungsfreiheit und die Unterbringung der kälteempfindlichen Tiere im Winter. "Heute wissen wir viel mehr als früher, als der Grzimek den Zirkus noch in Schutz nahm."
"Das läuft auf ein Entweder-Oder hinaus"
Kurt macht jedoch große Unterschiede zwischen den Unternehmen. Bei "Knie" gehe es den Tieren besser als in den meisten Zoos. Sie hätten viel Auslauf, gingen regelmäßig mit ihren Pflegern zum Baden in Seen oder Flüsse, die Haltung sei mustergültig. "Knie" kann sich das leisten: Der Zirkus ist in der Schweiz eine Institution, von der Krise, über die deutsche Kollegen klagen, spürt man wenig. Da der Zirkus außerdem nie die Schweiz verlässt und die Wege von einem Gastspielort zum nächsten kurz sind, gestaltet sich der Transport der Elefanten als geringes Problem. In Rapperswil besitzt das Unternehmen zudem einen modernen Zoo, in dem die Tiere untergebracht werden, wenn sie gerade nicht auf Tournee oder zu alt für den Manegenbetrieb geworden sind.
Doch in der aufgeheizten Diskussion spielten solche Differenzierungen keine Rolle mehr, glaubt der Schweizer Zoologe. "Das läuft heute auf ein Entweder-Oder hinaus." Der Witz dabei sei: Eigentlich gehe es beiden Seiten um dasselbe. Zirkusfreunde und Zirkusgegner treibe die Liebe zu den Tieren an. "Kein Zirkusbesitzer hat die Absicht, seine Elefanten möglichst schnell ins Jenseits zu befördern."
Das Problem wird sich aber ohnehin bald von selbst erledigen. Das meint nicht nur Zoologe Kurt. Nach Erkenntnissen des Vereins "Elefanten-Schutz Europa" halten in Deutschland derzeit knapp 40 Zirkusse rund 90 Elefanten. Bis auf ein einziges Tier, das in einem deutschen Zirkus geboren worden sei, seien alles Wildfänge. Da seit 1976 ein Importverbot für Asien und seit 1989 für Afrika besteht, rechnet der Verein vor, werde es im Jahr 2010 höchstens noch einen winzigen Restbestand der exotischen Manegenstars geben. Dompteur Kröplin setzt zwar Hoffnungen auf eine Nachzucht in der geplanten Elefantenfarm im mecklenburgischen Platschow, doch hinter vorgehaltener Hand geben auch Zirkusleute zu, dass ihnen die grauen Riesen ausgehen. Und Bernhard Paul sagt ganz offen: "Die sterben aus."
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