Hamburg - Einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung" bestätigte der Münchner Oberstaatsanwalt Peter Boie. Der 42-jährige Berliner Hans Joachim U. hatte nach seiner Festnahme vergangene Woche gestanden, Kaufmanns Steuerberater zusammen mit zwei Mittätern bei einem Raubüberfall im Februar 2001 getötet zu haben. In Verbindung mit eindeutigen Tatortspuren widerlegten die Angaben der drei inhaftierten neuen Verdächtigen Kaufmanns Geständnis vor dem Münchner Landgericht.
Wie jetzt bekannt wurde, war der Geliebte von Kaufmanns Frau wegen der heimlichen Beziehung bereits während der Ermittlungen ins Visier der Fahnder geraten. Sogar eine Speichelprobe für eine Gen-Analyse sei genommen worden. Staatsanwalt Boie sagte, damals hätten jedoch keine Spuren darauf hingedeutet, dass der Zeuge tatsächlich in den Überfall verwickelt gewesen war.
Für Klarheit kann möglicherweise Kaufmann selbst sorgen. Er wird am Donnerstag erstmals seit der überraschenden Wende in dem Fall Stellung nehmen. Der Münchner Verteidiger Steffen Ufer zeigte sich in der Münchner "Abendzeitung" optimistisch: "Wir holen Günther Kaufmann raus, und zwar schnellstens." Unmittelbar nach dem Gespräch mit dem Schauspieler will Ufer zusammen mit seinem Kollegen Nikolaus Koehler ein Wiederaufnahmeverfahren beantragen, bereits im Herbst soll der Fassbinder-Star nach dem Willen der Verteidiger ein freier Mann sein.
Oberstaatsanwalt Boie erklärte, auch seine Behörde erwäge eine Wiederaufnahme des Mordprozesses. Darüber werde aber erst nach Prüfung der neuen Ermittlungsergebnisse entscheiden. Kaufmann kann bei zwei neuen Verfahren, die ihm im Falle einer Freilassung wegen Betrugs und falscher Beschuldigung zweier angeblicher Komplizen drohen, möglicherweise doch auf eine Anrechnung der bereits abgesessenen zweieinhalb Jahre Strafe und Untersuchungshaft hoffen. Unter bestimmten Voraussetzungen sei dies im Vollstreckungsverfahren möglich, korrigierte Staatsanwalt Boie Angaben vom Vortag.
Kaufmann hatte gleich nach seiner Verhaftung angegeben, seinen Steuerberater im Streit am 1. Februar 2001 getötet zu haben. Er sei bei einem Gerangel auf das Opfer gefallen und habe ihn mit seinen 120 Kilogramm Körpergewicht unabsichtlich erstickt.
Nun stellt sich der Tathergang völlig anders dar. Nach den Geständnissen der drei neuen Tatverdächtigen soll Kaufmanns Frau Alexandra sie zu dem Raub angestiftet haben. Anwalt Ufer vermutet, dass Kaufmann aus Liebe zu seiner Frau die Tat auf sich genommen habe. Dabei habe er sich so sehr in Lügen verstrickt, dass es glaubhaft kein Zurück mehr gegeben habe. Alexandra Kaufmann starb, während ihr Mann in Untersuchungshaft saß, an ihrem langwierigem Krebsleiden.
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