Washington - Die Zahl der Toten durch den Hurrikan "Isabel" in den USA steigt weiter. Nach Angaben des Senders CNN kamen in sieben Bundesstaaten mindestens 17 Menschen ums Leben, allein acht davon in Virginia. Die meisten Menschen starben bei Verkehrsunfällen. Ein Mensch wurde von einem auf sein Haus stürzenden Baum erschlagen, ein Mitarbeiter einer Elektrizitätsgesellschaft bei der Arbeit von einem Stromschlag getötet.
Der Sturm war am Donnerstag von North Carolina über Washington nordwärts gefegt und befand sich am Freitag in stark abgeschwächter Form auf dem Weg nach Kanada.
Dort, wo der Hurrikan auf die Küste gestoßen war, wurden Straßen überflutet, Häuser zerstört, Bäume und Elektrizitätsmasten umgeknickt. Mehr als zweieinhalb Millionen Menschen waren am Freitag an der US-Ostküste ohne Strom. Wegen abnehmender Stärke wurde "Isabel" nun zum Tropensturm herabgestuft. Gleichwohl befürchteten Meteorologen weitere Überschwemmungen wegen anhaltender Wolkenbrüche.
Mit Spitzengeschwindigkeiten von 160 Stundenkilometern raste "Isabel" auf die Küste des Bundesstaates North Carolina zu, zog über das Land und setzte seine Fahrt fort in Richtung Nordwesten nach Virginia. Dabei schwächte sich seine Geschwindigkeit auf 105 Kilometer pro Stunde ab. Max Mayfield vom Nationalen Hurrikan-Zentrum warnte jedoch, dass "Isabel" vor allem wegen ihrer Ausmaße, die der Fläche Italiens entsprächen, immer noch eine schwere Bedrohung darstelle.
Mehr als zwei Millionen Menschen waren allein in North Carolina und im Südosten von Virginia ohne Strom. Im Großraum Washington, Maryland und New Jersey gab es mindestens 600.000 weitere Betroffene.
In der Hauptstadt Washington blieben sämtliche Regierungsbehörden sowie die beiden Flughäfen und die U-Bahn vorerst weiter geschlossen. Bürgermeister Anthony Williams rief die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren. Im südlichen Vorort Alexandria wurde die Uferpromenade überschwemmt. Die 11.000 aufgeschichteten Sandsäcke reichten nach Angaben der Stadtverwaltung nicht aus.
Rund 5700 Flüge fielen am Donnerstag und Freitag entlang der Ostküste aus. David Stempler, Präsident der Vereinigung der Flugreisenden, erklärte, landesweit sei jeder fünfte Flug abgesagt worden. Nach Angaben der Luftfahrtbehörde FAA gab es Verspätungen bis zu 13 Stunden.
US-Präsident George W. Bush erklärte Teile von North Carolina und Virginia zu nationalen Katastrophengebieten. Damit können sie Hilfe aus Bundesmitteln in Anspruch nehmen. Die Unterstützung umfasst unter anderem Zuschüsse für Unterbringungen in Notunterkünften oder die Reparatur von Häusern sowie zinsbegünstigte Kredite für Schäden an nicht versichertem Eigentum.
Die Gouverneure der Staaten West Virginia, Maryland, New Jersey und Delaware riefen den Notstand aus. Meteorologen rechneten damit, dass der Sturm seinen Weg über den Westen der Staaten Pennsylvania und New York fortsetzen und schließlich am Samstag Kanada erreichen werde.
© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH