Rom - Schlabbrig gekleidete Touristen kennen das Problem: Nackte Männerbeine und entblößte Frauenschultern sind in den Gotteshäusern jenseits der Alpen tabu. Verstöße werden gestreng geahndet - mit freundlicher Ermahnung bis hin zum Rauswurf.
Und dann das.
Sex vor dem Altar, wogende Brüste im Kreuzgang, Knackpos unter der Kanzel - und zwar nicht in irgendeinem Gotteshaus einer liberalen Millionenstadt, sondern in einer Wallfahrtskirche mitten in den Abruzzen, geweiht dem Heiligen Vinzenz. Da nahm ein dörflicher Fleischbeschauer sogar in Kauf, dass sein Faible für erotische Streifen öffentlich wurde. Als er die Kirche in dem Pornofilm erkannte, erstattete er Anzeige - und löste damit gehörigen Wirbel aus.
Bischof Lucio Renna höchstselbst reiste in die Abruzzen, um vor Hunderten Gläubigen den zweistündigen Ritus des Sühnegottesdienstes zu absolvieren. Wie italienische Medien berichteten, wurde das in 1400 Metern Höhe gelegene Gotteshaus mit Weihrauchduft erfüllt, zudem streuten Kinder Rosenblüten.
Nach katholischem Kirchenrecht wurde das Gotteshaus durch die unzüchtigen Handlungen geschändet - alle in der beliebten Kirche seit 1998 gefeierten Hochzeiten und Taufen wären daher theoretisch ungültig gewesen. Durch den vom Vatikan genehmigten Sühnegottesdienst wurde jedoch die Ehre der Kirche wieder hergestellt - rückwirkend, versteht sich. "Es wusste ja niemand von der Schändung", meinte Bischof Renna.
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