Washington - Heimatschutzminister Tom Ridge sagte gestern, die Warnstufe sei wegen der Gefahr möglicher Attentate während der Weihnachtszeit auf orange angehoben worden. Die radikal-islamische Qaida könne bei neuen Anschlägen wieder Flugzeuge einsetzen. Welche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen würden, sagte Ridge nicht. US-Präsident George W. Bush stimmte der Entscheidung seines Ministers umgehend zu.
Die Hinweise auf Drohungen seien "jetzt vielleicht größer als an irgendeinem Punkt" seit den Anschlägen 2001, bei denen rund 3000 Menschen getötet worden waren, sagte Ridge auf einer eilends einberufenen Pressekonferenz in Washington. "Die Information, die wir haben, deutet darauf hin, dass Extremisten im Ausland in nächster Zeit mit Anschlägen rechnen, von denen sie glauben, dass sie an die Anschläge in New York, auf das Verteidigungsministerium und in den Feldern von Pennsylvania herankommen oder sie sogar übertreffen", sagte Ridge.
US-Kreisen zufolge stammen die Informationen aus "glaubwürdigen Quellen". Ridge hatte sich gestern Morgen mit Bush und seinen engsten Sicherheitsberatern getroffen. Ridge habe Bush die Änderung der Warnstufe empfohlen, und der Präsident habe dem sofort zugestimmt, verlautete aus dem Präsidialamt.
Die Qaida des muslimischen Extremisten Osama Bin Laden, die die USA für die Anschläge 2001 verantwortlich machen, "hat noch immer den Wunsch, Anschläge gegen unser Heimatland zu verüben", sagte Ridge. Alle Bundeseinrichtungen würden ihre Abwehrmaßnahmen erhöhen.
"Es gibt ein zusätzliches Risiko, und wir werden zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um diesem Risiko zu begegnen", sagte der Minister. Einzelheiten nannte er nicht. "Wir werden unsere Pläne nicht den Terroristen ausposaunen. Aber aufwendige und beträchtliche Schutzmaßnahmen sind bereits oder werden bald im ganzen Land ergriffen." Die Sicherheitsmaßnahmen an den Flughäfen würden verstärkt. An den Landesgrenzen sollten mehr Sicherheitskräfte eingesetzt und die Patrouillen der Küstenwache in der Luft und zu Wasser verstärkt werden.
New York: Polizei verstärkt ihre Streifen
In New York, in dem anhaltend Alarmstufe orange galt, wurden die Polizeistreifen verstärkt. Sie sollten Brücken, Tunnels, Sehenswürdigkeiten und wichtige Gebäude wie die Börse in der Wall Street schützen, hieß es. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sagte: "Wir lassen in der Bewachung nicht nach."
Die Verwaltung von Chicago teilte mit, sie habe die Bundesbehörden aufgefordert, die Flugschneisen über dem Zentrum während des Alarms zu ändern.
Die Warnstufe orange, die zweithöchste, wurde zum fünften Mal ausgerufen, seit das System im März vergangenen Jahres eingeführt wurde. Sie wird bei einem "hohen Risiko" eines möglichen terroristischen Anschlags erlassen. Die Warnung gelb, eine Stufe darunter, gilt, wenn das Ministerium das Anschlag-Risiko als "signifikant" beurteilt. Die höchste Warnstufe rot wird bei "starkem" Risiko von Terroranschlägen erlassen. Zuletzt war die Warnstufe orange im Mai ausgerufen worden, nachdem Selbstmordattentäter mehrere Menschen in Marokko und Saudi-Arabien getötet hatten.
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