Von Jule Lutteroth
Hamburg - Mal so richtig über die lieben Kollegen herziehen, das ist zwar nicht besonders nett, muss aber manchmal sein. Schließlich befreit Lästern die Seele - und was raus muss, muss raus. Gerade wer sich in Stresssituationen befindet und selbst nichts daran ändern kann, verschafft sich gern mal über Rumgemotze Erleichterung. Das tat auch Caroline Beil. Die Moderatorin, die derzeit mit neun anderen mehr oder weniger prominenten Kandidaten im australischen Dschungel schwitzt, schlug sich mit dem Ex-Hochspringer Carlo Thränhardt in die Büsche und ließ ihrer bösen Zunge freien Lauf.
Die Zuschauer quittierten die Lästereinlagen von "Frau Hackebeil" (RTL) mit Anrufen - und schickten die TV-Frau in eine Hitchcock-Version für Arme. Beil gab die Ahnungslose als Daniel Küblböck, selbst leidgeplagter Dschungelkandidat, nach den Ursachen für ihre Nominierung suchte. "Hast du etwa Feinde da draußen", fragte der 18-Jährige besorgt. "Hast du etwa Feinde im Camp? Oder Freunde?", setzte Moderator Dirk Bach noch einen drauf.
Bepinselt mit Zuckersirup, bestreut mit Vogelfutter, musste das Lästermaul in ein Gehege mit hungrigen Straußenvögeln steigen. Dort sollte sie nach vergrabenen Vogelfutter-Sternen suchen, um diese dann gegen Essensrationen für die Kollegen einzutauschen. Fünf Minuten später: Die Frisur zerpflückt, Arme und Beine zerhackt, die Schutzbrille vom Kopf gerissen, und nach etlichen Schimpftiraden gegen die gefiederten Feinde ("Hau ab, du Arsch! Weg, ihr Arschgeigen!") verließ Beil das Gehege wieder.
Warum sie ausgewählt worden war, bleibt Beil offenbar noch immer verborgen. Denn nach der überstandenen Tortur im Vogelkäfig verzog sie sich wieder zum Plausch in den Wald - mit Thränhardt und Schauspielerin Mariella Ahrens. Kollegin Susan Stahnke habe in ihrem Leben noch keine Kartoffel geschält, für den Dschungel tauge sie nicht und liege sowieso nur rum. So wie Werner Böhm, für Mutproben sei er ungeeignet - er könne höchstens im Liegen etwas über sich ergehen lassen.
Kein Wunder also, dass Beil auch für die nächste Mutprobe ausgewählt wurde, die allerdings eher ein Charaktertest ist. Sie muss entscheiden, ob sie sich selbst ein opulentes Frühstück einverleibt und die Kollegen anschwindelt: Die Aufgabe sei so schwierig gewesen, dass sie daran gescheitert sei. Dann müssen ihre Camp-Mitbewohner weiter hungern. Oder Beil muss in einen stinkenden, blubbernden Tümpel aus Fischinnereien, Schleim und Schlamm tauchen - auf der Suche nach den Sternen, die die Essensration für die Dschungel-Gemeinschaft sichert.
Am sechsten Tag mit Reis, Reis, Reis oder auch mal nichts sind frische Semmeln eine teuflische Versuchung. Die Frage ist nun, ob Beil der Probe stand hält. Ist sie eine egozentrische Egoistin? Oder ist sie bereit, den Solidaritätszuschlag zu bezahlen - selbst wenn ihr dabei der Magen knurrt? Oder wird sie die Gesellschaft betrügen - und damit doch letztlich auch sich selbst?
In Zeiten, in denen Politiker aller Parteien das Gürtelengerschnallen propagieren, um so das angeschlagene Sozialsystem zu retten, ist das natürlich eine schwere Entscheidung. Beil hat nun die Chance, zur Dschungel-Madonna aufzusteigen, zum Vorbild für Deutschland sogar. Oder aber das Lästermaul der Nation zu bleiben.
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