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15.01.2004
 

Porträts

"Mad Dog" gegen "Wacko Jacko"

Von Jule Lutteroth und Markus Brügge

Rodney Melville, 62, hat einen guten Ruf: Der Richter gilt als fair, erfahren und streng. Im Jackson-Prozess verspricht vor allem die Auseinandersetzung zwischen Staatsanwalt Sneddon und Anwalt Geragos spannend zu werden.





Mark Geragos, ein Anwalt wie ein Hammer

Mark Geragos
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Mark Geragos

"Wir werden auf sie niederbrechen wie eine Tonne Ziegelsteine, wir werden auf sie niederfallen wie ein Hammer." Worte wie Donnerhall aus dem oberlippenbartgeschützten Mund des Jackson-Anwalts, Mark Geragos, 45. "Bei dem Fall geht es um die Ehre und die Familie eines Mannes, der hintergangen wurde, weil jemand hofft, viel Geld zu verdienen."

Mit der Ziegelsteinattacke drohte der "scheinbar unschlagbare" Strafverteidiger ("Los Angeles Times") aber nicht etwa dem angeblichen Sexopfer, dem 13-jährigen Gavin Arvizo, oder dessen Familie. Mit diesen Worten wendet er sich gegen Unbekannte, die in einem Flugzeug eine Videokamera installiert hatten, um seinen Mandanten zu belauschen. Michael Jackson, das Opfer einer gemeinen Verschwörung.

Mit dem neuen Fall hat Geragos den Zenit seiner Karriere erreicht - er hat einen ähnlichen Status wie einst Johnnie Cochran, O.J. Simpsons Anwalt. Seitdem bekannt wurde, dass Geragos die Jackson-Verteidigung übernimmt, stand sein Pager nicht mehr still. In 24 Stunden hatte das kleine Ding rund 700 Anrufe registriert, und alle warteten auf seinen Rückruf, berichtete die "New York Times".

Geragos hatte sich in letzter Zeit zum regelrechten Prominentenanwalt entwickelt: Zu seinen Klienten zählte jüngst Winona Ryder, die wegen Ladendiebstahls vor Gericht stand - sie wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, allerdings zur Bewährung. Zuvor hatte Geragos Amerikas Ex-First Brother vertreten, Roger Clinton, der sich wegen Trunkenheit am Steuer verantworten musste. Auch Gary Condit, der Abgeordnete, der seine Praktikantin Chandra Levy in Washington ermordet haben soll, war sein Mandant, ebenso wie Scott Peterson, der seine schwangere Frau getötet haben soll - ein Fall, der in den US-Medien enorme Präsenz hat.

Doch nicht nur als Promi-Verteidiger ist der agile Jurist den US-Bürgern bekannt: Durch seine Auftritte in Talkshows, egal ob als Sachverständiger oder als Gast, gehört er zu den derzeit bekanntesten Gesichtern Amerikas. Regelmäßig hat er Auftritte bei Sendungen wie "Burden of Proof", "Today Show", "Good Morning America", "Dateline NBC", "Larry King Live" und "MSNBC's Hardball".






Thomas W. Sneddon, der hartnäckige Jäger

Thomas W. Sneddon
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Thomas W. Sneddon

Das Gesetz in Santa Barbara hat einen Namen: Thomas W. Sneddon. "Mad Dog", tollwütiger Hund, wird der leitende Bezirksstaatsanwalt genannt. Dabei scheint der 63-Jährige mit dem weißen Schnäuzer auf den ersten Blick ein netter Kerl. Neun Kinder hat er in die Welt gesetzt; in eine kleine Welt, in der er seit sechs Legislaturperioden immer wieder gewählt wird. Wer sich nicht an die Gesetze hält, bekommt es mit ihm zu tun. Und er ist hartnäckig, sehr hartnäckig.

Jackson machte bereits 1993 Bekanntschaft mit dem Staatsanwalt: Der 13-jährige Jordan Chandler-Schwartz hatte damals behauptet, der Sänger habe vor ihm masturbiert, dann habe ihm Jackson die Hand in die Unterhose geschoben. "Er masturbierte mich dann zum Höhepunkt", gab der Junge damals zu Protokoll. Sneddon ließ daraufhin die Genitalien des Stars fotografieren, denn Jordan hatte besondere Kennzeichen präzise beschrieben.

Dennoch musste der Staatsanwalt den spektakulären Fall kurz darauf ruhen lassen. Der Junge wollte nicht mehr aussagen - Jackson soll trotz Unschuldsbeteuerungen die Familie durch die Zahlung von mehreren Millionen Dollar zum Stillschweigen verpflichtet haben. Um einen zweiten Fall Jackson zu verhindern, wurde daraufhin in Kalifornien das Gesetz geändert. Seither hat der Staatsanwalt das Recht, Zeugenaussagen vor Gericht zu erzwingen.

Jackson bedankte sich auf seine Weise bei Sneddon für die peinliche Fotoaktion. 1995 schrieb er den Song "D.S.": "Sneddon ist ein kalter Mann/ Glaubst du, er verbrüdert sich mit dem Ku-Klux-Klan". Der Mann wolle ihn zur Strecke bringen - "tot oder lebendig". Zwar heißt es im gedruckten Text "Dom Sheldon". Auf den Aufnahmen singt er jedoch den Namen seines Widersachers.

Sneddon selbst hat damit angeblich keine Probleme. Er habe Wichtigeres zu tun, als sich "ein Lied eines Typen anzuhören, den jeder nur Wacko Jacko nennt", sagte er bei der Pressekonferenz, bei der die Missbrauchsvorwürfe gegen Jackson der Weltöffentlichkeit offenbart wurden: Der Fall enthalte "spezielle Vorwürfe", die garantierten, dass der Star nicht mit Bewährung davonkommen werde. "Die Länge der Zeit, die Jackson eingekerkert verbringen könnte", liege bei mindestens 24 Jahren, dramatisierte der Staatsanwalt.

Überhaupt fehlte es ihm an diesem Tag am zu erwartenden Ernst; fast schien es sogar, als hätte er schon lange auf den Auftritt vor den Kameras der Welt gewartet. So begrüßte er die Medienvertreter mit den Worten: "Ich hoffe, ihr bleibt lange genug hier und gebt viel Geld aus, weil wir eure Mehrwertsteuer für die Instandhaltung unserer Büros brauchen." Sneddon entschuldigte sich später für die flapsigen Bemerkungen. Schluss mit dem kumpelhaften Staatsanwalt. Jetzt werden Anfragen von einer PR-Agentur bearbeitet.






Michael Jackson, der "Ghost of Pop"

Michael Jackson
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Michael Jackson

Die Tricks und Kniffe der Public Relations sollte Michael Jackson aus dem Effeff kennen - schließlich war seine Beziehung zur Öffentlichkeit über Jahre hinweg ein einziges Märchen: Michael tritt gemeinsam mit seinen Brüdern als "Jackson Five" auf. Michael, der Jüngste, wird der Star der Truppe. Michael startet eine Solo-Karriere, verkauft weltweit unglaubliche 50 Millionen seines Albums "Thriller" - und wird der "King of Pop".

Doch eigentlich beginnt bereits dort die Geschichte vom langsamen Abstieg des Superstars. Denn stets musste sich der Sänger an diesem Riesenerfolg messen lassen. Und stets unterlag er - wenig verwunderlich - bei seinen nächsten Platten. Natürlich war Jackson weiterhin Dauergast in den amerikanischen und internationalen Charts. Natürlich unterschrieb er millionenschwere Werbeverträge und füllte Arenen mit begeisterten Fans. Doch den absoluten Höhepunkt seiner Karriere erreichte er vor mehr als 20 Jahren.

Eine lange Zeit bis zum heutigen Tag. Ob die Vorwürfe wegen sexueller Belästigung eines Minderjährigen stimmen oder nicht: Das Pop-Business hat sein Urteil über Michael Jackson längst gesprochen. Er ist nicht mehr en vogue, weit davon entfernt, Trendsetter wie einst zu sein - es reicht musikalisch derzeit nicht einmal dazu, geschickt auf einer Trendwelle mitzusurfen. Nicht umsonst kürte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" in ihrem Rückblick auf 2003 Justin Timberlakes "Rock your Body" zum Song des Jahres und schrieb darunter: "Bester Michael-Jackson-Song ohne Michael Jackson."

So ist aus dem King längst ein "Ghost of Pop" geworden, der vor allem wegen seines bizarren Lebenswandels durch die Schlagzeilen geistert. Die Kurzversion:

  • Zig Schönheitsoperationen, bei denen sich Jackson die Nase kaputt korrigieren und die Haut immer heller bleichen ließ. Er selbst sprach von einer Hautkrankheit und medizinisch notwendigen Nasen-OPs, damit er besser atmen könne.


  • Unglaubwürdige Ehen, zunächst die mit Elvis-Tochter Lisa Marie Presley 1994: Das Paar ließ sich nach nur 20 Monaten scheiden - Lisa Marie gab hinterher zu, dass es nicht zu Sex "im eigentlichen Sinne" mit Michael gekommen sei.


  • Dann 1996 die Heirat seiner Krankenschwester Deborah Rowe, die Jackson zwei Kinder gebar. Die Ehe wurde 1999 geschieden. Schließlich präsentierte der Sänger 2002 einer überraschten Öffentlichkeit sein drittes Kind - die Identität der Mutter blieb geheim. Schon bei Jacksons Ehe mit Rowe hatte man gemunkelt, die Krankenschwester sei nur eine von Michael hochbezahlte "Leihmutter". Alle drei Kinder tragen den Namen ihres Vaters: Prince Michael I., Paris Michael Katherine und Prince Michael II.


  • Angeblich horrende Schulden: Obwohl Jackson mit seinen Platten und mit Werbung Millionen einnahm, soll er finanziell schwer angeschlagen sein. Seine "Neverland Ranch", benannt nach dem Refugium des ewigen Kindes Peter Pan, wird von 50 Angestellten unterhalten, dazu kommt ein Privatzoo, in dem etwa 200 Tiere leben. Jackson gehört außerdem ein französisches Schloss mit 82 Zimmern und sieben Türmen.


  • Und schließlich die Gerüchte um Jacksons Vorliebe für kleine Jungen: 1993 Jordie Chandler, jetzt Gavin Arvizo. Der Popstar hatte in einem Dokumentarfilm zugegeben, dass er gerne Kinder mit in sein Bett nimmt, mit ihnen spielt. Oft soll er Privatpartys für Jungen und Mädchen auf seiner Ranch veranstaltet haben, die Kinder hätten dann in Jacksons Kino übernachtet. Und manche eben auch in seinem Schlafzimmer.
Es ist also leicht - nicht nur für die amerikanische Öffentlichkeit - Michael Jackson vorzuverurteilen. Denn sein Gespür für die Massen hat der einstige Popkönig wohl in Wirklichkeit längst verloren. Vielleicht ist er das, was viele in ihm sehen: ein gestörter Mann, der die Demütungen und Schläge in seiner Kinderheit nie verarbeitet hat, ein Opfer, aus dem schließlich ein Täter wurde.

Oder sein Leben fern der Wirklichkeit ist das, was seine beste Freundin Elizabeth Taylor einmal gesagt hat: "Der wütende Aufschrei des ewigen Kindes Michael gegen eine Welt, die ihm seine Spielereien und Spielkameraden nicht lässt."

Jackson selbst hat die Missbrauchsvorwürfe mehr als drastisch zurückgewiesen. Auf die Frage, ob er ein Kind belästigen könne, sagte er: "Eher würde ich mir die Pulsadern aufschneiden."




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