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21.01.2004
 

Von Hagens' Leichenhandel

Neues Verfahren in Russland

Neuer Ärger für den Leichensammler Gunther von Hagens: Ein russisches Gericht wird ein Verfahren wegen des Exports von Leichen an das Heidelberger Institut des Plastinators wieder aufrollen.

Hagens' Körperwelten: Verfahren in Russland
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DDP

Hagens' Körperwelten: Verfahren in Russland

Berlin - Während Hagens immer versichert hat, er beziehe ausschließlich Material von Menschen, die sich zu Lebzeiten der Wissenschaft übereignet hätten, sollen aus Nowosibirsk mindestens 56 Leichen ohne derartige Verfügungen und auch ohne Einverständnis der Verwandten in die Heidelberger Firma des Plastinators exportiert worden sein. Im November vergangenen Jahres war zwar der Leiter der Gerichtsmedizin in Nowosibirsk, Wladimir Novosijolow, von einem Nowosibirsker Bezirksgericht von diesem Vorwurf freigesprochen worden.

Doch der Fall wird nun neu aufgerollt. Das übergeordnete sibirische Regionalgericht habe als übergeordnete Instanz eine Wiederaufnahme des Verfahrens angeordnet, weil bei dem damaligen Verfahren nicht alle Beweismittel einbezogen worden waren, meldet die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass.

Nach mehreren Tagen Bedenkzeit will sich Gunther von Hagens am Donnerstag in Frankfurt nun selbst zur jüngsten Kritik an seiner "Körperwelten"-Ausstellung äußern. Der SPIEGEL hatte von einer ganzen Reihe von Unregelmäßigkeiten berichtet. Unter anderem sollen der deutsche Mediziner und seine Mitarbeiter auch Leichen von Hingerichteten präpariert haben. Darauf deuteten Verletzungen der Toten hin, die in Hagens' chinesischer Produktionsstätte für Plastinate verwendet würden.

Ob wegen der neuen Vorwürfe ein Ermittlungsverfahren in Deutschland eingeleitet wird, blieb zunächst weiter offen. Es sei noch keine Entscheidung gefallen, sagte die Heidelberger Oberstaatsanwältin Elke O'Donoghue am Mittwoch. Es sei internationale Rechtshilfe angefordert worden. In Deutschland wäre nach ihren Angaben der Tatbestand der Störung der Totenruhe erfüllt.

Um die Vorwürfe zu prüfen, hatte sich von Hagens einige Tage Recherche-Zeit genommen. Die vielen Details in dem Artikel könnten nicht in kürzerer Zeit nachgeprüft werden, sagte eine Sprecherin der "Körperwelten". Wegen des SPIEGEL-Berichts hatte von Hagens seit dem Wochenende öffentliche Auftritte abgesagt - unter anderem eine Podiumsdiskussion mit kirchlichen Gegnern am Mittwochabend in Frankfurt am Main.

Proteste der Hospizstiftung

Die Deutsche Hospizstiftung hat vor der Pressekonferenz Proteste angekündigt, um "auf die entsetzlichen Entgleisungen" des Plastinators aufmerksam zu machen. Die in Dortmund ansässige Vereinigung will die Ausstellungsstücke symbolisch bestatten. Auf ihrer 8. deutschen Station sind die "Körperwelten" seit einer Woche und noch bis Mitte April in Frankfurt-Fechenheim zu sehen.

Die Universität Heidelberg distanziert sich unterdessen von ihrem früheren Mitarbeiter. Die Uni habe lediglich an andere Anatomien im In- und Ausland die Materialkosten für bestellte Präparate in Rechnung gestellt, die für Forschungs- und Lehrzwecke bestimmt waren. Von finanziellen Unregelmäßigkeiten und dem SPIEGEL-Vorwurf, von Hagens habe in seiner Heidelberger Wohnung seit 1991 Leichen seziert und plastiniert, habe die Universität bis heute keine Erkenntnisse.

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