Wiesbaden/Würzburg - Nach Auffassung des Münchner Psychiaters Ulrich Hegerl könnte ein Hauptgrund für den Rückgang der Suizidzahlen sein, dass Depressionen heute besser erkannt und behandelt würden. Sie gelten neben anderen psychischen Krankheiten als Hauptauslöser für Selbstmorde. "In gesundem Zustand begehen die Menschen auch in sehr schwierigen Lebensumständen keinen Suizid, sondern suchen Hilfe und haben Hoffnung", erklärte der Professor.
Nach Hegerls Angaben hat deshalb die Zahl der Verschreibungen so genannter Antidepressiva zugenommen. Diese Medikamente machten aber im Gegensatz zu Schlaf- oder Beruhigungsmitteln weder süchtig, noch stellten sie nur ruhig. "Das sind keine Happypillen", betonte der Mediziner.
Im Jahr 1982 begingen in Deutschland 18.711 Menschen Selbstmord, während die Zahl im Jahr 2002 bei 11.163 lag. Das heißt, dass die Suizidrate im Zeitraum von 20 Jahren um 40,3 Prozent zurückging.
Nach Ansicht von Experten ist die positive Entwicklung auch auf eine verbesserte Aufklärung und Präventionsarbeit zurückzuführen. Bei mehr als 11.000 Selbstmordfällen im Jahr bestehe aber "kein Grund zur Selbstzufriedenheit", sagte Armin Schmidtke, Vorsitzender des Nationalen Suizid Präventions Programms für Deutschland. Schmidtke betonte in diesem Zusammenhang, dass es prinzipiell richtig sei, über Suizide zu berichten, das müsse jedoch sachlich und keineswegs reißerisch erfolgen.
Der Leitende Psychologe und Psychotherapeut der Würzburger Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie kritisierte ein allgemeines Totschweigen der Selbstmordproblematik. "Es ist ein immer noch verbreiteter Fehler, Selbsttötungsgefährdete zu ignorieren oder sie nicht ernst zu nehmen", sagte er. Nach seinen Angaben zeigen der Erfolg bundesweiter Kompetenznetze, die Versorgung mit Telefonseelsorgen sowie eine umfassendere Fachausbildung von Ärzten, dass ein Ansprechen der Problematik viel sinnvoller sei.
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