Montevideo, 30 Grad Celsius. Im Hafen schaukeln die Boote, ein gigantischer Schwimmkran schwankt auf einer Plattform hin und her, die Wellen schlagen ans Ufer. Wo der Rio de la Plata, der Silberfluss, in den Südatlantik strömt, versuchen Spezialisten seit Tagen, Bruchstücke der Vergangenheit ans Tageslicht zu holen. Doch es scheint, als wolle das Meer den Schatz, der dort seit bald 65 Jahren auf dem Grund liegt, nicht hergeben: Die "Admiral Graf Spee", die 1939 im Rio de la Plata versenkt wurde.
Vier Versuche sind bislang gescheitert, Teile des Kommandostands zu bergen. 14 Stunden versuchten die Helfer gestern ihr Glück, doch immer wieder rissen die Befestigungskabel, auch Taucher konnten nichts ausrichten. Die Strömung ist an dieser Stelle stark. Zudem, so erklärte der Leiter der Bergungsoperation Hector Bado, hätten die Mitglieder des Teams mit Sturmböen zu kämpfen. Bereits am Freitag war der Bergungsversuch gescheitert.
Die 186 Meter lange "Graf Spee" war einst der Stolz der deutschen Kriegsmarine. Im Südatlantik kreuzte das Panzerschiff und machte Jagd auf britische Handelsschiffe. Insgesamt neun Frachter versenkte das Schiff unter dem Kommando von Kapitän Hans Langsdorff - die feindlichen Mannschaften verschonte der Seemann allerdings stets, versichern Zeitzeugen.
Schließlich wurde die "Graf Spee" im Dezember 1939 von drei britischen Kriegsschiffen vor der Mündung des Rio de la Plata gestellt, das deutsche Schiff wurde mehrfach getroffen, konnte sich aber noch in den Hafen von Montevideo im neutralen Uruguay retten - und bekam dort auf Druck der Briten eine Liegezeit von lediglich 72 Stunden zugesprochen. Binnen dieser Frist hätten die erforderlichen Reparaturen jedoch nicht ausgeführt werden können, daher entschloss sich Kapitän Langsdorff, sein Schiff zu sprengen. Die Besatzung schickte er gegen den Befehl von Adolf Hitler von Bord. Drei Tage später nahm sich Langsdorff das Leben.
Ob die Bergung jemals gelingen wird, ist nach den jüngsten Fehlschlägen mehr als ungewiss. "Es ist frustrierend, dass wir diese historische Operation womöglich nicht durchführen können", sagte Evangelio Izquierdo, Kapitän eines der an der Aktion beteiligten Schlepper. Der Plan sah vor, die "Graf Spee" in mehrere Teile zu zerlegen und so an die Oberfläche zu bringen. Das Millionen-Projekt, das von privaten Investoren aus den USA und Europa finanziert wird, ist auf drei Jahre angelegt. Das Schiff soll wieder zusammengesetzt und in einem Museum ausgestellt werden.
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