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09.06.2004
 

Anschlag in Köln

"Ein Bild des Grauens"

Blut, Glassplitter und zerstörte Geschäfte - die Kölner Keupstraße bietet nach dem Anschlag ein Bild der Verwüstung. Die mit fingerdicken Nägeln gefüllte Bombe hat 22 Menschen verletzt, vier von ihnen schwer.

Verwüstung am Tatort: Die Bombe schleuderte Nägel und Splitter durch die Luft
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DPA

Verwüstung am Tatort: Die Bombe schleuderte Nägel und Splitter durch die Luft

Köln - Die kleine Geschäftsstraße im Kölner Stadtteil Mühlheim wird wegen der hier lebenden Türken auch Klein-Istanbul genannt. Läden und Restaurants säumen die Tempo-30-Zone, die nun mit Splittern übersät ist - und mit fingerdicken, etwa zehn Zentimeter langen Nägeln. Die Nägel sind es, die die Polizei schon früh einen Bombenanschlag vermuten ließen.

Direkt vor den beiden am stärksten beschädigten Geschäften, einem türkischen Gemischtwarenladen und einem Friseurgeschäft, wurden die Reste eines Fahrrads gefunden, das von der Explosion zu einem Stahlknäuel verbogen wurde. Ersten Vermutungen zufolge war die Bombe auf oder an dem Fahrrad deponiert. Ein Polizeisprecher wollte dies am späten Mittwochabend jedoch nicht bestätigen und sagte, es handele sich dabei um eine Spur von vielen.

Ein Motiv für die Tat erkennt die Polizei noch nicht. Es gebe aber "keine Anzeichen für einen terroristischen Hintergrund", sagte der Sprecher. Es sei kein Bekennerschreiben eingegangen. "Es kann alles sein, auch Streit unter rivalisierenden Türken", fügte er hinzu. Eine Großfahndung wurde eingeleitet.

"Alles voller Blut und Splitter": 22 Verletzte
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"Alles voller Blut und Splitter": 22 Verletzte

Von den 22 Verletzten schwebte einer für einige Zeit in Lebensgefahr. Ihm müsse möglicherweise ein Arm amputiert werden, meinte ein Feuerwehrsprecher. Drei weitere Männer wurden von der Feuerwehr schwer verletzt geborgen, 18 Personen erlitten auf der Straße Splitterverletzungen. Unter den Verletzten sind auch drei Frauen, darunter eine Schwangere. Die meisten Opfer sind türkischer Herkunft.

Explodiert war die Bombe am Mittwochnachmittag kurz vor 16 Uhr. Durch die Wucht der Detonation wurden nicht nur die Nägel, sondern auch die Scherben zerbrochener Schaufensterscheiben in einem Umkreis von hundert Metern durch die Gegend geschleudert.

"Nichts wird mehr so sein wie vorher"

"Es war ein Bild des Grauens. Alles war voller Blut und Splitter", erzählt der Augenzeuge Mehmet Harmanci. "Ich kann das alles überhaupt nicht glauben. Die Menschen kommen in die Keupstraße, um hier zu essen und einzukaufen - und jetzt müssen wir alle Angst haben. Nichts mehr wird so sein wie vorher", glaubt er. Der 24-Jährige hatte zum Zeitpunkt der Detonation an einem Döner-Grillspieß in einem nahe gelegenen Imbisslokal gestanden. "Plötzlich platzte mit einem lauten Knall die Schaufensterscheibe", berichtet er. Er sei sofort auf die Straße gerannt. So wie auch Kucuc Ziya, der ebenfalls seine grauenhaften Eindrücke schildert: "Ich sah Menschen auf dem Bürgersteig liegen. Ein Mann hatte einen Arm völlig verrenkt und es gab eine zehn Zentimeter große, offen klaffende Wunde. Es dauerte wirklich lange, bis die Rettungsdienste vor Ort waren."

Der Feuerwehrsprecher beteuerte dagegen, die Sanitäter seien innerhalb von zehn Minuten am Unglücksort angekommen. Es hätten aber noch zahlreiche Krankenwagen nachgerufen werden müssen - "und die mussten sich erst einmal im Berufsverkehr durch die halbe Stadt kämpfen."

Spekulationen über die Hintergründe

Seit dem Anschlag wird im ganzen Stadtteil Köln-Mühlheim über mögliche Hintergründe der Tat diskutiert. Spekuliert wird über Streitigkeiten zwischen türkischen Geschäftsleuten, doch die meisten Anwohner winken ab. "Das kann ich mir nicht vorstellen. Die Keupstraße ist friedlich, da würde keiner eine Bombe zünden", spricht einer aus, was viele denken.

Noch Stunden nach der Explosion wurden Passanten und Anwohner, die Augenzeugen der Tat geworden waren, von Psychologen betreut. Das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen. Auch der Verfassungsschutz ist eingeschaltet worden.

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